Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1584
BFH-Urteil weist den Weg

Startups können Umsatzsteuer-Vorauszahlung sparen

Normal muss der Unternehmer seine Lieferungen und Leistungen in dem Monat umsatzversteuern, in dem er sie erbracht hat (Versteuerung nach „vereinbarten Entgelten“). In der Regel ist das der Monat der Rechnungserstellung. In bestimmten Fällen müssen Unternehmer aber die Umsatzsteuer aus ihren Lieferungen und Leistungen erst für den Monat ans Finanzamt abführen.
Achtung, Startup-Unternehmer, sparen Sie sich die Vorfinanzierung der Umsatzsteuer an den Staat. Ein Urteil des höchsten deutschen Finanzgerichts, des Bundesfinanzhofs (BFH), weist den Weg. Die Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten (Ist-Besteuerung) ist nach § 20 des Umsatzsteuergesetzes auf Antrag zulässig, wenn z. B. der Gesamtumsatz des Unternehmens im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 600.000 Euro betragen hat. 

Der Fall einer erstmaligen Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit im Laufe eines Jahres, also bei Neugründung eines Unternehmens, ist aber nicht gesetzlich geregelt. Für das Jahr der Neugründung kommt es darauf an, welche Umsätze der Unternehmer im Gründungsjahr voraussichtlich erzielen wird. Daher ist es bei Neugründungen erforderlich, den Gesamtumsatz bis zum Jahresende zu schätzen und diesen voraussichtlichen Gesamtumsatz auf einen prognostizierten Gesamtumsatz für das ganze Jahr hochzurechnen.

Beispielrechnung

Beispiel: Unternehmensneugründung zum 1.Juli des Jahres. Der Unternehmer erwartet Umsätze bis zum Jahresende von 400.000 Euro. Hochgerechnet auf 12 Monate und das ganze Jahr wäre das ein Jahresumsatz von 800.000 Euro. Damit wäre keine Ist-Besteuerung zulässig.

Würde der Unternehmer bis Jahresende nur 250.000 Euro Umsatz erwarten, wäre das ein hochgerechneter Jahresumsatz von 500.000 Euro. Der Unternehmer könnte dann Ist-Besteuerung beantragen.

Normal muss der Unternehmer seine Lieferungen und Leistungen in dem Monat umsatzversteuern, in dem er sie erbracht hat (Versteuerung nach „vereinbarten Entgelten“). In der Regel ist das der Monat der Rechnungserstellung. Bis der Kunde tatsächlich zahlt, dauert es ja oft sehr lange, und für diese Zeit finanziert der Unternehmer dann dem Staat die Umsatzsteuer vor.

In bestimmten Fällen müssen Unternehmer aber die Umsatzsteuer aus ihren Lieferungen und Leistungen erst für den Monat ans Finanzamt abführen, in dem sie das Geld vom Kunden erhalten haben (Versteuerung nach „vereinnahmten Entgelten“, „Ist-Besteuerung“).

Fazit: Nutzen Sie die Möglichkeit zur Ist-Besteuerung. Der Aufwand hält sich in Grenzen.

Urteil: BFH XI R 41/18

Hinweis: Die Genehmigung der Ist-Besteuerung erteilt der Fiskus regelmäßig unter dem Vorbehalt des Widerrufs. Macht der Unternehmer bewusst oder zumindest fahrlässig falsche Zahlenangaben, darf das Finanzamt die Genehmigung jederzeit ohne weitere Begründung widerrufen.

Hier: FUCHSBRIEFE abonnieren

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Doppelter Urlaubsanspruch bei unrechtmäßiger Kündigung?

Bundesarbeitsgericht löst auf

Bei einer zeitlichen Überschneidung einer rechtswidrigen Kündigung mit einer neuen Beschäftigung könnte theoretisch ein doppelter Urlaubsanspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht musste jetzt entscheiden, wie damit umzugehen ist.
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bank im Bistum Essen eG in der Ausschreibung

Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will

Thumb Stiftungvermögen 2024. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envato elements
Die Bank im Bistum Essen (BiB) begrüßt die Stiftung Fliege, die ihre drei Millionen Euro Kapital neu anlegen will, mit einem überaus empathischen Schreiben. Sie bittet ausführlich um Entschuldigung, weil sie durch Krankheit bedingt nicht in der Lage gewesen sei, den erbetenen Anlagevorschlag fristgerecht einzureichen. Man fühlt sich ein wenig wie unter Freunden und möchte gern einen Sympathiebonus vergeben. Ob das nach Studium des Anlagevorschlags auch noch so ist, wird sich zeigen.
  • Fuchs plus
  • Dekarbonisierung: Andere Standorte attraktiver als Deutschland

Skandinavien bei Dekarbonisierung weit vorn

Obwohl die deutsche Regierung die ganze Wirtschaft auf Klimaneutralität trimmen will - wie die EU - bietet Deutschland keine guten Rahmenbedingungen für eine Dekarbonisierungsstrategie. Das zeigt eine Umfrage von EY unter Unternehmen. Andere Standorte sind attraktiver.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • USA und UK beschließen neue Sanktionen

Sanktionen gegen russische Industriemetalle

Die USA und Großbritannien geht gehen russische Industrie-Metalle vor. Den großen Rohstoffbörsen ist jetzt verboten, Ware aus Russland zu kaufen. Die Preise der betroffenen Industriemetalle haben sofort reagiert. Unternehmen müssen sich auf eine unsicher Versorgung und steigende Preise einrichten. Auch den Währungshütern wird das nicht gefallen.
  • Fuchs plus
  • Die Inflationsprognose der Fed

Inflation: Es sind die Löhne, Dummkopf

303.000 neue Jobs sind im März außerhalb der Landwirtschaft entstanden. 200.000 waren vom Markt erwartet worden. Zudem hat der Konsumentenpreisindex im März um 3,5% auf Jahresbasis zugelegt. Bei der Fed gehen deshalb die Warnsignale an. Die Fed Cleveland hat aufgedeckt, warum das so ist.
  • Fuchs plus
  • Europa schwächelt, China holt Schwung

Trendwende für den Yuan voraus

Das große Bild für den Wechselkurs von Euro und Yuan verändert sich. Die fundamentalen und geldpolitischen Faktoren in der Eurozone und in China deuten auf eine Trendwende bei EUR|CNY hin. Anleger und Unternehmer sollten das antizipieren.
Zum Seitenanfang