Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1556
Trauerredner kann schwarzen Anzug nicht als Werbungskosten absetzen

Trauerkleidung ist immer privat

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg kennt kein Pardon: Ein Trauerredner muss seinen schwarzen Anzug nicht nur selbst bezahlen. Er darf auch den Fiskus nicht an den Kosten beteiligen. Interessant ist die Begründung.

Das ist traurig: Ein Trauerredner darf seinen schwarzen Anzug nicht bei der Steuer absetzen. So herzlos entschied das Finanzgericht Berlin-Brandenburg. Zwar können Aufwendungen, die durch die Erwerbssphäre veranlasst sind, bei der Einkommensteuer als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abgezogen werden. Das gilt aber nicht, wenn die Aufwendungen der Privatsphäre zugeordnet werden können. Im Grenzbereich zwischen Erwerbs- und Privatsphäre bewegt sich die Frage nach der Abziehbarkeit von Aufwendungen für Bekleidung, die zumindest auch im beruflichen Kontext benutzt wird.

Gerichtsentscheid des Finanzgerichts

In diesem Raster blieb ein Trauerredner hängen, der seinen schwarzen Anzug als Berufskleidung bei der Steuer absetzen wollte. Nein, sagte das FG Berlin-Brandenburg. Das Finanzgericht bezieht sich in seiner Begründung auf die ständige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs. Danach können Aufwendungen für Bekleidung, die nicht berufstypisch ist (sog. bürgerliche Kleidung), nicht als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten berücksichtigt werden.

Beim schwarzen Anzug handelt es sich um Privataufwendungen. Selbst wenn die Kleidung auch, überwiegend oder (nahezu) ausschließlich im beruflichen Kontext genutzt wird. Das Tragen von Kleidung befriedige nämlich das allgemeine menschliche Bedürfnis, im Sozialleben nicht unbekleidet zu sein, so das Gericht.

Hälfte Hälfte geht nicht

Die Aufwendungen können auch nicht aufgeteilt werden. Das stellt das Finanzgericht ausdrücklich fest. Nur „typische Berufskleidung" (nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG) sei bei der Steuer zu berücksichtigen. Stets kommt es nach Auffassung des Finanzgerichts nicht auf den subjektiven Verwendungszweck bzw. die tatsächliche Nutzung an. Vielmehr müsse die Abgrenzung objektiv („typisch") nach der Art der Kleidung erfolgen. Der schwarze Anzug stelle keine typische Berufskleidung dar, da er sich in keiner Weise von der zu besonderen Anlässen getragenen festlichen Kleidung unterscheide.

BFH hat widersprüchlich geurteilt - FG lässt Revision zu

Das Finanzgericht lässt aber ein Türchen offen. Es weist darauf hin, dass die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs in dieser Frage „nicht immer konsistent" und „teilweise widersprüchlich" erscheint. So stelle der schwarze Anzug eines Leichenbestatters, eines Oberkellners sowie eines katholischen Geistlichen nach Ansicht des Bundesfinanzhofs typische Berufskleidung dar. Das Finanzgericht hat deshalb die Revision zugelassen (beim BFH anhängig unter dem Az. VIII R 33/18).

Fazit:

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber Fachleute rechnen nicht mit einer Revision des FG-Urteils.
Urteil: FG Berlin-Brandenburg v. 29.08.2018, 3 K 3278/15

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Erbschaftsteuer kennt Bedingungen

Zweites Grabmal steuerlich absetzen

Beerdigung. © Kzenon / stock.adobe.com
Nicht immer ist das erste Grabmal eines Verstorbenen auch sein letztes. Wer internationale Wurzeln hat, wird möglicherweise später in sein Heimatland umgebettet. Das hat Implikationen für die Erbschaftssteuer, ist aber auch an Bedingungen geknüpft.
  • Fuchs plus
  • Gute-Laune-Nachrichten vom 16.05.2022

Erneuerbare Energien global auf dem Vormarsch

Mehrere Windräder auf einem Feld. © kamisoka / Getty Images / iStock
Trotz steigender Preise finden wir positive konjunkturelle Meldungen. Mit dabei: ein international steigender Prozentsatz erneuerbarer Energie, eine Region, die sogar eine negative CO2-Bilanz hat und einem Tourismus-Sektor, der kräftig in Schwung kommt.
  • Fuchs plus
  • Frankfurter Sparkasse 1822 / Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG, Stiftungsmanagement 2022, Auswahlrunde

Unglücklicher Mischmasch

Wie schlagen sich Frankfurter Sparkasse und Frankfurter Bankgesellschaft im Markttest Stiftung? © styleuneed / fotolia.com
Frankfurter Sparkasse und Frankfurter Bankgesellschaft reichen einen gemeinsamen Vorschlag für die Neugründung der Stiftung ein. Warum, wird dem Leser zumindest anfänglich nicht recht klar. Auf der Website der Bankgesellschaft wird dann erhellt, dass sie „die Privatbank“ der Sparkassen-Finanzgruppe sei. „Wir stehen für traditionelle Werte und vertrauensvolle Kundenbeziehungen – über Generationen hinweg.“ Ok, mal sehen, ob sie dieses Versprechen halten können.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Nikola Motors steht kurz vor der Serienproduktion

Alles nach Plan

Das Nikola Motors HQ. © Nikola Motors
Bei Nikola läuft es rund, auch wenn man das dem Aktienkurs nicht ansieht. Gerade daraus leiten wir aber eine gute Chance ab. Denn operativ ist das Unternehmen absolut in der Spur. Daran ändern auch gerade die Shortseller nichts.
  • Fuchs plus
  • Ballard Power: Vom Pilotprojekt zur Serie

Nach Quartalszahlen unter Druck

Ein Wasserstoff-Tank. © Corona Borealis / stock.adobe.com
Die Zahlen von Ballard für das erste Quartal waren nicht berauschend. Zum Teil gab es Belastungen durch Lieferkettenprobleme aufgrund von Corona (in China). Das mag kurzfristig belasten. Aber mit Blick auf den Horizont ist für uns die Perspektive für Ballard klar. Denn eines wird schon sichtbar: Aus immer mehr Pilotprojekten und Prototypen dürften bald Serien werden.
  • Fuchs plus
  • Terra: Stabil nur dem Namen nach

Top-3 Stablecoins unter den Krypto-Währungen

Münzen verschiedener Krypto-Währungen. © gopixa / Getty Images / iStock
Für viele Anleger ist der Terra-Crash ein Schock. Die Erkenntnis: Stable-Coins sind nicht unbedingt stabil. Die Frage ist: Was können Anleger daraus lernen und worauf können sie in Zukunft setzen?
Zum Seitenanfang