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Englisch und Mandarin konkurrieren

Entkoppelte Sprachwelten

Symbolbild: Menschen verschiedener Kulturen mit Sprechblasen über ihren Köpfen. © Bobboz / Getty Images / iStock
Sprache ist ein Werkzeug zur Machtdurchsetzung. Das wissen die Deutschen aus Zeiten des Kalten Kriegs noch sehr gut. Im Westen paukten Schüler Englisch und Französisch, im Osten Russisch. Nun gibt es neue rivalisierende Machtblöcke. Und wieder spielt die Ausbreitung von Sprache eine wichtige Rolle.

Das "Decoupling" des Westens kennt jetzt ein weiteres "Schlachtfeld": die Sprache. Zwar ist Englisch weiterhin die Weltverkehrssprache und wird es auch bleiben. Etwa 1,5 Mrd. Menschen sprechen Englisch, davon sind 370 Mio. Muttersprachler. Die Zahl der Lernenden wird stabil bleiben, allenfalls leicht steigen. Das meint auch der British Council, das Äquivalent der Briten zu den deutschen Goethe Instituten. So wollen etwa die USA den Englisch-Unterricht in der Ukraine erheblich fördern (FB vom 05.10.2023).

Immer weniger Chinesen sprechen Englisch

Doch beim größten systemischen Rivalen des Westens, China, geht die Englisch-Kompetenz dramatisch zurück. Das zeigen Daten des schwedischen Unternehmens Education First. In deren English Proficiency (Kompetenz) Index rutscht das Reich der Mitte stetig ab. Belegte das Land 2020 noch den 38. Platz, war es 2021 nur noch Platz 49 und 2022 Platz 62. Deutschland belegt den 10. Platz. "China verschließt sich," so die Erklärung der Schweden.

Die chinesische Sprache Mandarin breitet sich hingegen immer weiter aus. Durch die schiere Größe des Reichs der Mitte gibt es allein 900 Mio. Mandarin-Muttersprachler. 200 Mio. Nicht-Muttersprachler gesellen sich aktuell hinzu. Zwar ist Mandarin keine einheitliche Sprache sondern mehr ein Mix verschiedener Dialekte und eignet sich damit kaum als Welt- und Transfersprache. Dennoch ist China vor allem darum bemüht, Mandarin-Kompetenzen in anderen Schwellenländern zu verankern. Auch das ist eine Form von Geopolitik.

Chinesische Sprachkenntnisse nehmen im globalen Süden rasant zu

Das zeigt sich in vielen afrikanischen Ländern. 16 Länder (z.B. Südafrika, Kenia, Ruanda, Uganda) haben Chinesisch in ihre Lehrpläne integriert. 30 Universitäten bieten chinesische Hauptfächer an. Daneben gründet das Reich der Mitte immer mehr Kulturinstitute. Das Konfuzius-Institut ist Chinas Äquivalent zum deutschen Goethe-Institut. 61 Konfuzius-Institute wurden inzwischen in 43 afrikanischen Staaten gegründet, das jüngste im April in Dschibuti.

Diese Strategie setzt Peking auch in anderen Regionen um. In Saudi-Arabien lernen ab diesem Schuljahr schon Zweitklässler Mandarin. In Südamerika gibt es inzwischen 23 Konfuzius-Institute. Zehn davon befinden sich in Brasilien, vier in Peru, drei in Argentinien und zwei in Chile. In den kommenden zwei Jahren wollen die Institute 5.000 China-Stipendien an südamerikanische Studenten vergeben.

Westliche Sprach- und Kulturinstitute müssen sparen

Der Westen geht den entgegengesetzten Weg. Neun der bestehenden 158 Goethe Institute sollen in den kommenden Jahren geschlossen werden. Das ist eine Folge der Mittelkürzungen und somit Prioritätensetzung für das Institut durch die Bundesregierung. Das Budget soll um 3,3% sinken. Der British Council schloss 2021 sogar 20 Niederlassungen - ebenfalls wegen Budget-Kürzungen.

Fazit: Sprache ist eine "Soft Power", mit der sich geopolitische Interessen durchsetzen lassen. Die Analyse zeigt allerdings, dass China das wesentlich besser verstanden hat als die westlichen Regierungen.
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