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Corona wirkt als Katalysator in der Autobranche

Erholung zu neuer Normalität

Die Automobilindustrie muss liefern. Copyright: Pixabay
Die Autoindustrie muss eine mehrjährige Durststrecke überwinden. Danach wird sie ihr Vor-Corona-Niveau bei den Verkäufen wieder erreichen - allerdings mit einer veränderten Produktpalette.

Im Jahr 2022 werden die Verkäufe der Autohersteller das Niveau von 2019 erreicht haben. Das lässt sich grob aus dem Verlauf früherer Rezessionen ableiten. Die Autoverkäufe brachen in Europa und den USA bisher immer stärker ein, als die Gesamtwirtschaft. In Europa wird die Rezession zu einem Rückgang der Wirtschaft um knapp zehn Prozent führen, in den USA um 8%. Für die Autoverkäufe in Folge der Covid-19-Krise sagt die Unternehmensberatung Arthur D. Little einen Verkaufsrückgang von 15% bis 25% in Europa und sogar 15% bis 35% in den USA voraus. In China wird der Marktrückgang 5% bis 15% betragen.

Voraussetzung für Erholung: keine weiteren Lockdowns

Der Branche steht somit eine dreijährige Durststrecke bevor. Voraussetzung für die Erholung ist allerdings, dass es keine weiteren nationalen Lockdowns mehr gibt. Besonders in den USA besteht derzeit aber ein hohes Risiko, dass große Staaten wie Kalifornien oder Florida ihre Wirtschaft nochmals komplett lahmlegen, um Corona halbwegs in den Griff zu bekommen. Nach der Präsidenten-Wahl im November wird die Bereitschaft in der Politik wachsen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Das würde die Rezession verschärfen und die Erholung der Verkäufe dort um ein bis zwei weitere Jahre verzögern.

Besonders Zulieferer für Motoren unter hohem Druck

Strukturell wird diese Krise am stärksten auf die Zulieferer ausstrahlen und deren Geschäfte verändern. Die Branche wird nach der Krise eine andere sein. Die Verkäufe von E-Autos steigen stark an. Je nach Region erreichen elektrische Modelle in den nächsten ein bis zwei Jahren bei den Gesamtkosten über die Lebenszeit (TCO) das Niveau konventionell angetriebener Modelle. So sagt der Berater Bain für 2025 E-Autos einen Anteil von 12% an den weltweit verkauften Neufahrzeugen voraus. Damit entwachsen die E-Autos allmählich ihrer Nische - auch weil die Autohersteller die Produktion wegen der CO2-Flottenvorgaben hochfahren. Hersteller von Verbrenner-Komponenten müssen nach anderen Märkten suchen, wenn ihre Produktion nicht schrumpfen soll.

Elektronik und Software gewinnt

Assistenzsysteme werden immer umfangreicher und führen sukzessive zum autonomen Fahren. Vollautonome Fahrzeuge wird es wohl gegen Ende des Jahrzehnts geben. Hersteller von elektronischen Fahrzeugkomponenten und Software werden stark wachsen. Auch dieser Markt wird sich grundsätzlich verändern. Während deutsche Autohersteller bis zu zwanzig verschiedene Steuerchips einbauen, die für einzelne Bereiche wie den Motor, die Bremsen, oder das Infotainment zuständig sind, nutzt Tesla nur einen einzigen Chip, der alle Bereiche steuert. Die Elektronik wird bei Tesla nur Inhouse entwickelt und produziert.

Fazit: In der Autoindustrie wirkt die Coronakrise wie ein Katalysator, der die strukturellen Veränderungen beschleunigt. Die Verkäufe werden das Vorkrisenniveau wieder erreichen, aber die Autos werden andere sein - mit mehr elektrischen Antrieben und mehr Elektronik. Die Assistenzsysteme werden immer ausgereifter, das autonomen Fahren rückt näher.
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