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Neue Debatte über gezielte Währungsabwertungen

Abwärtsgerichteter Börsenkurs. © enjoynz / Getty Images / iStock
Spannende Wende in der Währungspolitik: Das Institute of International Finance (IIF) wirft eine gewagte Idee auf den Tisch – gezielte Währungsabwertungen als Lösung für Wachstumsprobleme. Exporte profitieren, doch die Risiken sind vielfältig: Marktunsicherheit, steigende Preise, Handelskonflikte. FUCHS-Devisen analysieren die Chancen und Risiken der Idee.

Eine riskante Strategie könnte bald wieder Einzug ins internationale währungspolitische Geschehen finden: gezielte Währungsabwertungen als „Lösung“ für Wachstumsschwächen. Das von der internationalen Finanzwelt finanzierte Institute of International Finance (IIF) hält Währungsabwertungen für ein in seinen Wirkungen verkanntes und zu wenig genutztes Instrument zur Behebung von erstarrtem Wachstum: „Wir sind der Meinung, dass der politische Konsens sich wieder darauf konzentrieren muss, Wechselkursabwertungen als Teil der Lösung und nicht als zu vermeidendes Problem zu betrachten.“

Hauptargument des IIF: Es gibt einen deutlichen Schub für Exporte, der fast unmittelbar einsetzt. Und: Wenn eine Abwertung länger anhält, sei es sinnvoll, Kapazitäten hinzuzufügen und das Geschäft auszubauen, da die Gewinnmargen steigen werden, auch wenn Produkte in Dollar abgerechnet werden. Dies sei „der langlebigere Kanal, der das BIP-Wachstum steigert“. Dieser Effekt nehme mit dem Ausmaß der Abwertung zu.

51 Abwertungsphasen untersucht

Das IIF hat zur Untermauerung seiner Argumentation 51 der größten und dauerhaftesten Abwertungsepisoden seit 1990 untersucht. Danach stellt es fest:

  1. Es gibt einen klaren Wachstumsschub bei den Exportvolumina, der mit dem Ausmaß der Abwertung steigt.
  2. Dieser Anstieg der Exporte wird zwei Jahre nach Beginn der Abwertungsepisode spürbar und hält mehrere Jahre lang an.
  3. Die gleichzeitige Schrumpfung der Einfuhrvolumina (Importkompression) ist ein separater und starker Kanal, der zwei Jahre nach Beginn der Abwertung seinen Höhepunkt erreicht und dann schnell abflaut. Die Importvolumina erholen sich schnell, daher ist dieser Effekt kurzlebig.
  4. Leistungsbilanzdefizite verringern sich zuverlässig bei Abwertungen und verwandeln sich in vielen Fällen in Überschüsse.
  5. Die größten und dauerhaftesten Abwertungsepisoden führen nach drei Jahren zu einer besseren BIP-Wachstumsleistung.

Zugang zur internationalen Finanzpolitik

Das IIF hat insbesondere Zugang zu den internationalen Regulierungsbehörden und ist eine Plattform für den Austausch von Wissenschaft und Politik – sein Einfluss ist daher nicht zu unterschätzen. Deshalb nehmen wir die Ansage ernst, dass „die Anzahl der asymmetrischen Schocks wie der Klimawandel, der Subsahara-Afrika und andere Länder mit niedrigem Einkommen schwer treffen wird, sowie das erhöhte geopolitische Risiko Gründe dafür (sind), Wechselkursabwertungen in politischen Kreisen wieder in den Fokus zu rücken“.

Das Problem, das wir sehen, sind nicht Abwertungen einzelner Länder, sondern Abwertungswettläufe. Sie entfalten, ähnlich wie wir das gerade in der Wirtschaftspolitik bei Subventionen erleben, schnell eine Eigendynamik, die nur schwer zu stoppen ist.

Weitere Gegenargumente sind:

  1. Wirtschaftliche Instabilität: Gezielte Währungsabwertungen können zu erhöhter Unsicherheit auf den Finanzmärkten führen. Investoren könnten zögern, in Ländern zu investieren, die Währungsmanipulation betreiben, da dies das Vertrauen in die Stabilität der Währung untergraben kann.
  2. Inflation: Eine Währungsabwertung kann die Importpreise erhöhen, was zu steigenden Kosten für importierte Güter führen kann. Dies wiederum kann die Inflation anheizen und den Verbrauchern schaden.
  3. Beziehungen zu Handelspartnern: Gezielte Währungsabwertungen könnten Handelspartner provozieren, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wie z.B. Schutzzölle auf exportierte Waren zu erheben. Dies könnte zu Handelskonflikten führen und die internationalen Beziehungen (weiter) belasten.
  4. Vertrauen in die Währung: Manipulierte Währungen könnten an Vertrauen verlieren, da die Märkte befürchten könnten, dass die Regierung die Währung zur kurzfristigen Stimulation der Wirtschaft verwendet, anstatt sie auf einem stabilen Pfad zu halten.
  5. Ungleichheit: Währungsabwertungen könnten die Einkommensungleichheit verschärfen. Menschen mit niedrigem Einkommen könnten besonders unter steigenden Preisen leiden, während diejenigen mit Zugang zu Finanzinstrumenten von möglichen Gewinnen profitieren könnten.
  6. Kapitalflucht: Investoren könnten aufgrund von Unsicherheiten und Risiken ihr Kapital aus einem Land abziehen, das gezielte Währungsabwertungen durchführt. Dies könnte zu Kapitalflucht und wirtschaftlicher Instabilität führen.
  7. Verzerrung der Allokation von Ressourcen: Durch künstlich abgewertete Währungen könnten Unternehmen, die aufgrund von Produktivitätsproblemen oder strukturellen Schwächen nicht wettbewerbsfähig sind, vorübergehend überleben. Dies könnte die wirtschaftliche Effizienz beeinträchtigen, indem es Ressourcen von produktiveren Sektoren abzieht.

Fazit: Internationale Anleger sollten sich dafür wappnen, dass eine solche Politik zunächst in Schwellenländern, danach womöglich auch in Industriestaaten Einzug hält. Gerade dort (EU, USA, UK) werden die Klagen über anämisches Wachstum und Stagflation immer lauter.

Empfehlung: Insofern sind entsprechenden Absicherungsstrategien bei der Fakturierung und auch bei Fremdwährungs-Investments anzuraten.

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