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Der Euro leidet an fundamentalen Schwächen

Trüber Währungsausblick

Trübe Aussichten für den Euro. © theaphotography / stock.adobe.com
Der weitere Ausblick für den Euro ist trübe. Die Einheitswährung steht von allen Seiten unter Druck. Der laufende Abwärtstrend – der Euro ist zum Dollar auf dem tiefsten Stand seit rund vier Jahren – könnte die Gemeinschaftwährung unter pari zum Dollar führen. Die fundamentalen Schwächen der größten Volkswirtschaft werden sich anhaltend nachteilig auswirken.

Der Russland-Ukraine-Krieg trifft die europäischen Wirtschaften besonders stark – und damit auch den Euro. Für Deutschland, wichtigste Volkswirtschaft im Euroraum, rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2022 mit einem Wachstum von 2,1%. Das ist die niedrigste Rate aller europäischen Länder, die der IWF analysiert hat. Am unteren Ende der Erwartungen positionieren sich die „Wirtschaftsweisen“: Im Frühjahrsgutachten kommen sie nur auf +1,5% für Deutschland. Bei einem Energie-Stopp aus Russland wird eine Rezession kaum zu verhindern sein.

  • Die Energieversorgung insbesondere für die wichtigste Volkswirtschaft im Euroraum, Deutschland, ist nicht nachhaltig gesichert. Die anhaltend hohen und steigenden Kosten werden Industriebetriebe aus dem Land treiben.  Die Sicherstellung der Energieversorgung und von bezahlbaren Preisen konkurriert längst mit den grünen Nachhaltigkeitszielen – und drängt diese in den Hintergrund. Viel zu wenig wird über handwerkliche Kapazitäten für den Umbau zur grünen Volkswirtschaft nachgedacht. Hier ist inzwischen der größte Engpass, nicht im Finanziellen.
  • China als einer der wichtigsten Handelspartner und Fertigungsstandort schwächelt nicht nur ökonomisch; die Beziehungen zum Land sind zunehmend (politisch) belastet.
  • Deutschland fehlt zudem der qualifizierte Nachwuchs – ein Faktor, der längerfristig auf Wohlstand und Wachstum durchschlagen muss.
  • Der niedrige Euro sorgt über den Einkauf nicht nur für zusätzlich erhöhte Energiepreise. Er schwächt auf Dauer auch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Volkswirtschaften. Deutschland droht das Italien-Syndrom: Statt sich dem Wettbewerb zu stellen, wertet man ab und konkurriert über den Preis. Das ist auf Dauer eine dumme Strategie. Und schwache Volkswirtschaften haben regelmäßig schwache Währungen zur Folge. Ein sich selbst verstärkendes Phänomen.
  • Die finanziellen Altlasten aus Rente, Pensionen, Gesundheit und Pflege türmen sich auf. Neue Belastungen, vor allem durch die dauerhafte Aufstockung des Verteidigungshaushaltes, nehmen Spielräume für Investitionen und sozialpolitische Ausgleichsmaßnahmen.

Europa ohne Konzept

Es gibt kein politisches Konzept, das die losen Fäden verknüpft. Und Deutschland ist nur beispielhaft. In so gut wie allen Ländern Europas und auch in der Brüsseler Zentrale ist zu beobachten: Es gibt keine klare Linie.

Die Haushaltssituation der wichtigsten Staaten ist schwierig bis prekär. Dreistellige Verschuldungsquoten (also mehr als 100% vom BIP) werden zur Regel. Die Solidität Europas wird zunehmend in Frage gestellt. Im Fernsehduell mit Marine Le Pen hob der alte und voraussichtlich auch neue Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, insbesondere die gemeinschaftlichen europäischen Schulden als Errungenschaft der deutsch-französischen Beziehungen hervor – das lässt tief blicken. Deutschland bremst nicht mehr bei der Verschuldung; die Umgehung der Schuldenbremse wird zur Regel – und das bei einem liberalen Finanzminister. Die EZB hat längst die Preisstabilität der Staatsfinanzierung untergeordnet.

Anhaltende Wohlstandsverluste sind perspektivische Währungsverluste

Die Inflation zehrt am Wohlstand. Zur Erinnerung: Noch im vergangenen Sommer rechnete das angesehene ifo-Institut mit 2 bis 2,5% Jahresdurchschnittsinflation in Deutschland; jetzt ist die Konsenserwartung bereits bei 6%. Bei einem Energie-Stopp erwartet der Vizechef der Deutsche Bank, Karl von Rohr, inzwischen zweistellige Preissteigerungsraten. Zudem läuft Europa der Entwicklung in den USA hinterher. Dort haben längst die Löhne Feuer gefangen und treiben die Preise zusätzlich. In Europa steht dieser Faktor noch aus, dürfte aber nicht aufzuhalten sein.

Aber schon mehr als 7% Inflation, wie aktuell zu sehen, führen zu Wohlstandsverlusten. Selbst ein 100% aus Aktien bestehendes Anlageportfolio kann den Wertverlust kaum noch ausgleichen – nach Gebühren und Steuern ohnehin nicht. So wird selbst die Inkaufnahme unternehmerischer Risiken, denn das ist letztlich auch eine Aktienanlage, bestraft. Wer diese Risiken nicht eingehen will, der steht vor einem schnellen Wohlstandsschwund. Bei 5% Inflationsrate verringert sich die Kaufkraft von 10.000 Euro um 500 Euro in einem Jahr. Deutschland ist und bleibt das Land der Sparer, nicht der Immobilieneigentümer und auch nicht der Aktionäre. Damit wird die Last der angehäuften Schulden perspektivisch umso schwerer wiegen.

Fazit: Gemeinhin wird unterschätzt, wie lang fundamentale Trends anhalten und wie schwer sie umzukehren sind. Die hier aufgezeigten Phänomene sind überall in den „alten“ Industrieländern zu beobachten. In Europa aber sind sie besonders ausgeprägt. Eine Währung ist auf Dauer immer nur so stark, wie das wirtschaftliche Potenzial, das hinter ihr steht. Und das geht in Europa eindeutig zurück.

Empfehlung: Langfristig ausgerichtete Investoren und Unternehmer sollten die Euro-Anteile in ihren Portfolios reduzieren. Über Alternativen berichten wir regelmäßig in FUCHS-DEVISEN.

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