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Mindestlohn wird Lohn-Preis-Spirale befeuern

Der Inflationsminister

Olaf Scholz, Pressefoto, spd.de
Noch will kaum jemand von einer Lohn-Preis-Spirale sprechen. Aber es sieht so aus, als ob unser Finanzminister diese gerade mit Wucht anstößt. Er will rund 30% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bis zu 25% Lohnerhöhung zukommen lassen.

Der Finanzminister als Inflationsturbo – das erlebt man auch nicht alle Tage. Die Forderung von Olaf Scholz (SPD), den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,60 EUR/Stunde auf 12 EUR hochzuschrauben, hat per se einen Inflationseffekt. 25% Lohn-Plus, ob gerechtfertigt oder nicht, sind schon mal ein Wort. Was viel mehr „reinhaut“ ist aber der Multiplikatoreffekt:

Von der jüngsten Mindestlohnerhöhung 2019 profitieren knapp zwei Millionen Menschen. Olaf Scholz aber will laut eigener Wahl-Ankündigung – „mein wichtigstes Gesetz“ – diesen Personenkreis auf 10 Mio. hebeln. Er verspricht, eine „Gehaltserhöhung für zehn Millionen Menschen (zu) organisieren“. Unklar ist, wen genau er damit meint. Denn ausgenommen vom Mindestlohn sind derzeit nur Azubis, Praktikanten sowie Langzeitarbeitslose und Mini-Jobber (<450 EUR/Monat) am unteren Ende der Lohnskala unterwegs – und davon auch nicht alle. Zudem müssen einige Branchen wie Maler, Lackierer in der untersten Lohngruppe weniger als 12,60 EUR zahlen.

Lohngruppen werden nachziehen

In Deutschland gibt es 45 Millionen Erwerbstätige, darunter 33,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs. Somit bekommen, über den dicken Daumen, wenn Scholz ernst genommen werden will, knapp 30% der Beschäftigten bis zu 25% mehr Geld.

Dabei aber wird es nicht bleiben. Denn die anderen Lohngruppen werden sich fragen, ob sie bisher überbezahlt waren – und wohl zu dem Schluss kommen, dass dies nicht der Fall ist. Schon zwischen 2014 und 2018 hat sich nach der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamts der Verdienstabstand zwischen Gering- und Besserverdienenden aber „leicht verringert“. Nach der Scholz-Erhöhung könnte von „leicht“ jedoch keine Rede mehr sein.

Facharbeitermangel verschärft Problemlage für Betriebe

Somit stehen auch hier über kommende Lohnverhandlungen entsprechende Forderungen im Raum. Und da der Facharbeitermangel von Monat zu Monat offensichtlicher wird, verbessert sich auch monatlich die Verhandlungsposition dieser Menschen.

Und es ist auch nicht mit einer Rausschmiss-Welle zu rechnen. Denn so schnell lassen sich Dienstleistungsjobs nicht automatisieren. Schon jetzt klagen zahllose Gaststätten, dass nach den Lockdowns sich ihr bisheriges Personal nach anderen Arbeitsmöglichkeiten umgesehen hat und nicht mehr zurückzugewinnen ist. Sie wissen schon jetzt nicht, wie sie die Stellen besetzen sollen. Im schlimmsten Fall gehen die betroffenen Unternehmen (meist mittlere und kleinere) den Bach runter.

Risiko der Lohn-Preis-Spirale wächst

Damit steht im Raum, was niemand in der Politik, der Wirtschaft und auf den Märkten gerne hört: Das Risiko der Lohn-Preis-Spirale wächst deutlich. Und zwar je näher Olaf Scholz einem Wahlsieg kommt. Sollte womöglich der – aus Sicht der Wirtschaft – schlimmste Fall einer Rot-Rot-Grün-Regierung eintreten, würde der Effekt noch deutlicher ausfallen. Die Linke will einen Mindestlohn von 13 Euro – ein schönes Koalitionspfand.

Fazit: Bringt Scholz diesen Stein ins Rollen, wird womöglich genau jene Bevölkerungsgruppe am meisten darunter leiden, die er aufwerten will: die Geringverdiener. Denn für sie wäre Inflation die Steuer, die sie auch wirklich zahlen.

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