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Entweder es klappt jetzt - oder gar nicht

Innenministerium bremst Digitalisierung der Verwaltung massiv

Übereinander gestapelte Ordner. © H_Ko / stock.adobe.com
Die Digitalisierung der deutschen Behörden kommt nur schleppend voran. Dennoch kürzt das Bundesinnenministerium die Mittel dafür drastisch. Die Maßnahme zeigt, dass es bei der Digitalisierung längst nicht mehr um die Sache, sondern mehr um politische Muskelspiele geht.
Das Bundesinnenministerium (BMI) stänkert mit seinem Vorschlag zur drastischen Mittelkürzung für die Digitalisierung. Das Budget für die Digitalisierung der Verwaltung soll 2024 von 377 Mio. Euro auf 3,3 Mio. Euro gekürzt werden (-99%).

Adressat des Angriffs ist Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Der hatte alle Ressorts angemahnt, deutlich mehr sparen müssen. Dass das BMI nun ausgerechnet bei einem Herzensanliegen der FDP den Rotstift ansetzt, wird von einigen politischen Akteuren in Berlin als "fiese Retourkutsche" bewertet. 

Kritik an Kürzungsplänen

Nach der Sommerpause dürfte es darum zu heftigen Diskussionen über die Vorschläge kommen. "Die vorgeschlagenen Mittelkürzungen halte ich für falsch" sagt Volker Redder, datenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion im Gespräch mit FUCHSBRIEFE. 

Neben dem politischen Geplänkel fehle mancherorts aber auch der Wille, die Digitalisierung des Verwaltung effektiv voranzutreiben. Das hören FUCHSBRIEFE im vertraulichen Gespräch aus Regierungskreisen. Zwar gäbe es im BMI kompetente Beamte, die wüssten, dass eine wirksame Digitalisierung von oben nach unten organisiert werden muss und dass es Standardisierungen braucht. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) wolle davon aber offenbar partout nichts wissen. Das sei schlicht eine politische Entscheidung, wird kolportiert.

"Dann ist das System unreformierbar"

Als letzte Chance für die Verwaltungs-Digitalisierung sehen Experten nun die Multicloud-Strategie der Bundesregierung. Die soll ab Herbst umgesetzt werden, Prozesse standardisieren, einen besseren Datenaustausch ermöglichen und Kosten senken. Daran müssten selbst die bislang unwilligen Kommunen ein Interesse haben. Sollte auch dieser Ansatz scheitern, wird die deutsche Verwaltung absehbar weiter geprägt sein von tausenden Insellösungen. Nötig Effizienzsteigerungen wird es dann nicht geben, weil Entscheidungsträger es nicht wollen, so Verwaltungs-Experten.  

Fazit: Politischer Filz, Partikularinteressen und der Zank in der Ampelkoalition verhindern eine effektive Digitalisierung der Verwaltung. Technisch ist das Projekt sogar vergleichsweise leicht stemmbar - es fehlt schlicht der Wille. Besonders für Unternehmen, die stets zu Investitionen in mehr Digitalisierung angehalten werden, ist das unverständlich.
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