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Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine geplatzt

Weizenprodukte und Fleisch werden teurer

© Konrad Weiss / Fotolia
Russland hat das Getreideabkommen mit der Ukraine beendet. Das wird den Export von Futtermais und Weizen beeinträchtigen. Die Entscheidung wird die Einnahmen der Ukraine reduzieren und weltweit zu steigenden Preisen für Futtermais und Weizen führen. Die Hauptimporteure Spanien und China werden besonders betroffen sein, Europa wird ebenfalls Auswirkungen spüren. Der Vorwurf, Russland nutze den Hunger als Waffe, geht dagegen völlig fehl.
Russland hat sich entschieden, das Getreideabkommen nicht zu verlängern. Damit läuft die jüngste Verlängerung des Getreide-Deals heute (Montag) um 23 Uhr aus. Das hat Präsident Wladimir Putin wir schon vor Tagen angekündigt entschieden (FD vom 30.06.).

Die Entscheidung wird vor allem Mais und Weizen betreffen. Der Anteil von Mais an den aus der Ukraine exportierten Agrarprodukten liegt bei 51%, der von Weizen bei 27,2%. Ebenfalls betroffen sind Sonnenblumenprodukte (11,4%), Gerste (3,9%) und Raps. Das sind die wichtigsten drei Rohstoffe, die vom Getreide-Deal profitiert haben und vom ukrainischen Hafen Odessa aus verschifft wurden. Das voraussichtlich letzte Schiff ist am Sonntag mit 15.000 Tonnen Raps von dort ausgelaufen. 

Weizen und Futtermais werden teurer

Für die Ukraine bedeutet der geplatzte Getreide-Deal, dass sich die Einnahmen des Landes damit erheblich verschlechtern werden. Die Verkäufe der Agrarprodukte waren ein wesentliche Einnahmequelle des Landes. Auf dem Weltmarkt ist nun mit steigenden Preisen vor allem bei Mais (Futtermais) und Weizen zu rechnen. Denn ein Teil der globalen Nachfrage wird nicht wie bisher wesentlich von der Ukraine gedeckt werden können. 

Spanien und China waren Hauptimporteure, Afrika ging fast leer aus

Die größten negativen Effekte werden aber nur fünf Staaten zu spüren bekommen. Denn 60% aller ukrainischen Exporte gingen an nur fünf Länder (Spanien, China, Türkei, Italien, Niederlande). Allein die drei größten dieser Abnehmer haben fast 46% der Exporte bezogen, so die UN. Auf die ärmsten und von Hunger bedrohten Länder entfiel jeweils weniger als 1% der gesamten Ausfuhrmenge. Insgesamt dürften alle armen Länder weniger als 15% der Exporte erhalten haben, so die UN. Insofern ist der von Europa sofort wieder erhobene Vorwurf, Russland nutze den "globalen Hunger als Waffe" sachlich nicht haltbar. 

Auch Europa wird nicht vom Platzen des Getreide-Deals verschont bleiben. Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank versucht zwar zu beruhigen, dass Europa selber Getreide-Exporteur ist. Allerdings hat der Kontinent in den vergangenen Monaten dennoch viel billiges ukrainisches Getreide importiert. Hinzu kommt, dass die Importe von Futtermais jetzt ebenfalls signifikant zurückgehen werden. Somit wird die Tierhaltung teurer, da die Futtermittelpreise wieder steigen werden. Drittens wird sich die globale Nachfrage von der Ukraine auf andere Exportmärkte verschieben, um das Angebotsdefizit auszugleichen. Das wird auch in Europa die Preise beeinflussen. 

Zusagen an Russland wurden über Monate nicht eingehalten

Russland wirft dem Westen vor, sich über Monate und trotz mehrfacher Verlängerung nicht an getroffene Zusagen im Getreideabkommen gehalten zu haben. Dazu gehört z.B., dass die staatliche russische Landwirtschaftsbank weiterhin von Sanktionen belegt ist und somit russische Getreide-Exporte nicht abrechnen kann. Hinzu kommt die Blockade von Düngemittel-Exporten aus Russland (FD vom 16.06.). 

Die Ukraine hat seit August 2022 gut 33 Millionen Tonnen Getreide exportiert. Die Vereinbarung vom 22. Juli 2022 sollte den mit Getreide beladenen Schiffen aus drei Schwarzmeer-Häfen der Ukraine eine sichere Passage durch den Bosporus gewährleisten. 
Fazit: Der Getreide-Deal ist vorerst Geschichte. Weizen und Fleisch dürften in Europa wieder teurer werden. Allerdings wäre es für den Westen auch relativ einfach möglich, die schon gemachten Zusagen an Moskau einzuhalten und das Getreideabkommen damit wieder zu aktivieren.
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