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Pictet & Cie, Zürich | TOPs 2017 – Beratungsgespräch

Pictet: Die Fokussierten

Die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden ist seit dem Jahr 1805 das Metier von Pictet. Als “Schweizer Gruppe mit globaler Ausrichtung” sieht das Institut traditionelle “Schweizer Werte” und Nachhaltigkeit als die beiden Säulen seiner Tätigkeit in Anlage- und Vermögensmanagement. Und auch sonst zeigt sich das Haus sehr fokussiert. Nicht immer begeistert das den Kunden.
Wie es sich für einen Schweizer Finanzdienstleister gehört, ist das Online-Angebot von Pictet in fünf Sprachen zugänglich. Ganz oben auf der Startseite empfängt das Haus Besucher mit dem Jahresbericht 2015. Es zeigt damit, dass es Transparenz einen hohen Stellenwert einräumt. Ebenfalls auf der Startseite: die drei Geschäftsbereiche Asset Management, Wealth Management und Asset Services, die als weiterführende Links den Interessenten ohne Umschweife zum Angebot führen. Umständliches Suchen erspart sich der potenzielle Kunde hier – Zeit scheint bei den Schweizern eindeutig Geld zu sein. Außerdem gibt es noch den dezent gesetzten Link “mehr über Pictet”. Er leitet zu Geschichte und Gegenwart des Hauses, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Engagement, “Mission Statement” und Vorstellung der international tätigen Gruppe weiter.

Weltweit vertreten

Auf 26 Geschäftsstellen weltweit bringt es Pictet heute und ist somit an wichtigen Finanzstandorten vertreten. Mit Wirkung zum 1. Januar 2014 erfolgte die Umwandlung der einstigen Schweizer Traditionsbank Pictet & Cie in eine Aktiengesellschaft sowie die Errichtung einer Kommanditaktiengesellschaft, unter der die Einheiten der Pictet-Gruppe zusammengeführt wurden. Die rechtlichen Gründe für den Schritt werden ausführlich dargelegt. Zusätzlich, so wirbt Pictet für die geänderte Rechtsform, gewährleiste die Kommanditaktiengesellschaft “das persönliche Engagement der Teilhaber, die zugleich Eigentümer und Geschäftsführer sind.” Auch der gesellschaftliche Ansatz kann sich mit SRI-Konzept, Umweltengagement, Kunstförderung und eigener Stiftung sehen lassen. Letztere informiert in einer eigenen Publikation über ihre Tätigkeit. Wir bekommen das Gefühl, hier guten Gewissens anlegen zu können, möchten aber doch mehr über Berater, wirtschaftliche Fakten und Anlageargumente erfahren. Das wird uns erleichtert, weil Pictet sich schon beim Erstkontakt nicht lumpen lässt und umfangreiche Informationen im PDF-Format zur Verfügung stellt, unter anderem den Geschäftsbericht, die historische Performanceentwicklung und eine zwölfseitige Broschüre zum Thema Gebühren. Das klingt nach einer wahren Informationsflut, die Broschüre ist allerdings sehr übersichtlich aufgebaut und die Gebührenmodelle sind in Tabellendarstellung auf zwei Seiten zusammengefasst. Wir können also wählen, ob wir uns die Variante für Eilige oder die detaillierte Darstellung ansehen und fühlen uns entsprechend gut “gebrieft”.

Großes Volumen verwalteter Vermögen

Ende Dezember 2015 weist Pictet die eindrucksvolle Zahl von EUR 402 Mrd. Bankable Assets under Management im gesamten Konzern aus. Dem Geschäftsbericht können wir eine detaillierte Aufstellung nach Geschäftsfeldern entnehmen. Kundenzahl und Entwicklung des Vermögensvolumens möchte man allerdings nicht preisgeben. Die Angabe, wie viele Kunden auf einen Betreuer kommen, fehlt dagegen nicht, und hier geben sich die Schweizer flexibel: Je nach Verwaltungsaufwand kann die Zahl mehrere Dutzend betragen, bei einem großen Family-Office-Mandat aber schon mal im Verhältnis 1:1 stehen. A propos Betreuer: Ein Lob verdient bei Pictet die Online-Präsentation der Berater. Die müssen wir zwar im “Kleingedruckten” am Seitenfuß suchen, dafür fällt sie aber so umfassend aus wie bei kaum einem anderen Anbieter und wartet neben Bild und Kontaktangaben auch mit einer recht ausführlich gehaltenen Beraterbiographie auf. Auch die Antwort auf unsere Frage, warum wir uns als in Deutschland ansässiger Kunde den Schweizer Beratern anvertrauen sollen, bleibt Pictet nicht schuldig. Die Selbsteinschätzung: Expertise in der Strukturierung und Bewirtschaftung großer und komplexer Vermögen (Family Office), im Bereich alternativer Investments wie (Private Equity und Hedgefonds), Diversifikation auch hinsichtlich juristischer Rechts- und Wirtschaftsräume und “hochprofessionelle” (eigene Angabe) Reportingtools auf Basis von Global Custody hält das Institut für seine größten Verdienste.

Obwohl auf die Vermögensverwaltung konzentriert, scheuen Pictet & Co bisher die Teilnahme am direkten Wettbewerbsvergleich im FUCHS Performance-Projekt von Dr. Jörg Richter und Verlag Fuchsbriefe.

Ausrichtung auf größere Fische

Die ersten drei Punkte wecken bei uns den Eindruck, dass man hier doch auf sehr große und internationale Kunden mit hohem Anlagevolumen ausgerichtet ist. Wir sind also gespannt, ob Pictet das Versprechen der Investment-Ausrichtung am Kundenbedürfnis auch bei einer kleineren „Nummer“ einhalten wird. Zum Eindruck eines Anbieters für größere Akteure passt auch, dass die Gruppe ihre Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen “in der Regel” erst ab einer Million Euro anbietet. Interessenten mit einem Volumen von einer halben oder einer Viertelmillion Euro scheinen also schlechte Chancen zu haben. Die Angaben zum Fremdresearch fallen mehr als vage aus. In Segmenten, bei denen “keine Kernexpertise” vorhanden ist, greift man auf nach “strengen Qualitätskriterien” ausgewähltes Fremdresearch zu. Aha. An dieser Stelle sehen wir den Transparenzanspruch nicht konsequent zu Ende gedacht und hätten uns etwas genauere Informationen gewünscht. Detailliert – und durchaus mit Eigenwerbung gespickt – hingegen die Ausführungen zum Eigenresearch. Das wird durch hauseigene Volkswirte und Aktienanalysten abgedeckt. Die langjährige Expertise in den Bereichen Hedgefonds und Private Equity hebt Pictet mehrfach hervor. Hauseigene Produkte legt die Gruppe zwar auf, schließt sie aber auf Kundenwunsch hin aus. Die prozentuale Angabe der Kosten fehlt, auch hier redet man in einem sperrigen Kommentar ein wenig um den Brei. Die Vergütung hängt “von der Intensität der Dienstleistung” ab und wird von “preisbildenden Faktoren” beeinflusst. Eine All In-Fee wird angeboten, deren Höhe sieht Pictet aber als “situativ” und in Abhängigkeit vom Mandat variabel. Weitere Kosten entstehen für den Kunden “in der Regel” nicht. Diese und andere eher unscharfe Formulierungen relativieren den “Karten auf den Tisch”-Eindruck aus Website und Gebührentabelle.

Die Schweiz ist bislang nicht im Monitoring der Private Banking Prüfinstanz in Sachen Vertrauenswürdigkeit der Beratung. Jedoch gibt Pictet selbst an, in den letzten drei Jahren keinerlei Rechtsstreitigkeiten mit Kunden gehabt zu haben.

Der Kunde und sein Anliegen

Die Testkunden der Private Banking Prüfinstanz sind vermögend und Multimillionäre. Sie suchen einen neuen Vermögensverwalter für Ihr bestehendes Depot über 2,5 Mio. Euro. Ihr persönlicher Hintergrund ist sehr unterschiedlich. Sie sind in verschiedenen Branchen unternehmerisch oder als leitende Angestellte tätig oder bereits im Ruhestand. Hier geht es zur ausführlichen Schilderung des Testfalls.

Das Beratungserlebnis

Die Telefonistin erfragt unseren Standort und verbindet dann zum Berater. Der zeigt sich engagiert, möchte Depotgröße, eine Aufstellung der Titel unter Angabe der ISINs erfahren und bittet um eine Rückrufnummer für die Terminvereinbarung. Nach Erhalt des Auszugs unseres Rentendepots ruft er an und möchte wissen, ob für uns ein Nachmittagstermin in Frage käme, was wir allerdings verneinen. Darauf erhalten wir wunschgemäß einen Termin am Vormittag. Soweit also alles positiv, in der Mailkommunikation irritieren allerdings Tipp-, Flüchtigkeits- und sogar einige eindeutige Rechtschreibfehler. Das muss in geschäftlicher Korrespondenz insbesondere in Zeiten der Rechtschreibkontrolle durch Mail- und Textverarbeitungsprogramme eigentlich nicht vorkommen. In der endgültigen Bestätigung wird uns die Gegenwart eines bislang anonymen “senior analyst” beim Gespräch angekündigt. Wir kennen also nur einen unserer Gesprächspartner mit Namen.

Das Gespräch vor Ort

Pictet ist in einer gediegenen Altbauvillengegend zu finden und residiert selbst in einer solchen. Das Interieur finden wir ansprechend: dezente Farben, dunkle Holztüren, moderne Displays an den Türen, Empfangen werden wir von einer freundlichen Dame, die sich an diesem Wintertag um Mantel und Schirm kümmert. Im ebenfalls dezent-freundlichen Beratungsraum angekommen beträgt die Wartezeit vier Minuten, dann sitzen wir unserem telefonischen Gesprächspartner und dem angekündigten Analysten gegenüber. Unser Erstkontakt präsentiert sich als Jurist. Er möchte zunächst wissen, weswegen wir an Pictet interessiert sind, und stellt trotz des ausführlichen Informationsmaterials Geschichte und Philosophie des Hauses noch einmal mündlich vor. Manko: Gleich zu Anfang nimmt er ein Telefongespräch entgegen. Auch wenn das schnell erledigt ist, es stört und ist schlechter Stil. Das Zusammenspiel zwischen den beiden Beratern funktioniert recht gut, wobei schnell deutlich wird, dass der uns erst jetzt vorgestellte senior analyst tatsächlich der Anlageexperte ist. Die Diskussion über Marktsituation und die Crashs 2001 und 2008 lassen dann das Eis schmelzen. Uns spricht an, dass die Berater sehr souverän mit dem Thema umgehen, aber nicht versuchen uns vorzumachen, das Haus oder sie persönlich hätten die Ereignisse so vorhergesehen. Damit leiten sie gekonnt zum Risiko über: Trotz frühzeitiget “Umschichtung” im vergangenen Jahr sei man durch das Ausmaß der Aktieneinbrüche doch überrascht worden. Ein konservatives Depot müsse deshalb diversifizieren und nicht nur Aktien enthalten. So viel war uns allerdings auch vorher klar. Fazit: ein paar gezielte Fragen zu unserer Situation und zum Beratungskontext hätten vielleicht zu einer realistischeren Einschätzung unserer Sachkompetenz geführt.

Rendite und Absicherungsinstrumente

Volatile Märkte, verzerrte Assetpreise und niedrige Erträge bei Renten – soweit sind wir uns einig. Den Euroraum halten unsere beiden Berater durch Draghis Politik des Zusammenhaltens und Zeitkaufens in nächster Zeit für sicher. Mit dieser Einschätzung können wir uns identifizieren. Als Absicherungsmaßnahme empfehlen sie uns „Treasuries“, US-Bundesanleihen. Vor allem die treasury bonds mit Laufzeiten von zehn Jahren und Absicherung durch Futures legen sie uns ans Herz. Da sehen wir allerdings unser zweiprozentiges Renditeziel verfehlt. Denn obwohl die genannten Treasuries diesen Ertrag erzielen, müssen wir noch die anfallenden Gebühren abziehen. Unternehmensanleihen sind ebenfalls Thema. Auch hier sehen unsere Gesprächspartner die Ampel selbst bei Schwellenländern auf Grün, wobei sie uns auf konkrete Nachfrage von brasilianischen Titeln abraten. Diese Überlegungen finden wir später auch im Anlagevorschlag umgesetzt. Auf unsere Frage nach Kapitalerhalt und Verlustrisiko erhalten wir die Standardeinschätzung, dass Einbrüche zu Beginn am schlechtesten sind – das hören wir nicht zum ersten Mal. Das Depot soll Schritt für Schritt umgeschichtet werden. Das kostet uns allerdings bares Geld; um genau zu sein beachtliche 1,5%. Die Gebührenhöhe kommt zustande, weil eine solche Vorgehensweise mit mehr Aufwand verbunden ist. Immerhin: Das alte Depot muss nicht vollständig aufgelöst werden. An dieser Stelle des Gesprächs fällt uns die Überleitung zur Einschätzung unseres bestehenden Portfolios leicht.

Unser Depot

Für unser Depot heimsen wir von den Anlageprofis ordentlich Anerkennung ein. Das hat sich ihrer Auffassung nach gut entwickelt und wartet mit spannenden Titeln auf. Genaueres lassen sich die beiden aber dann doch nicht entlocken. Lediglich auf die Aussage, den Fonds mit den Convertibles (Wandelanleihen) erhalten zu wollen, möchten sie sich festlegen. Bei dem handelt es sich allerdings nur um eine vergleichsweise kleine Position. Da den Beratern die Depotstruktur vorab vorlag, sind wir doch etwas enttäuscht von dieser mageren Ausbeute. Da haben wir schon interessantere Lösungen gehört. Jede Position einzeln ansprechen wollen wir aber auch nicht, zumal das eine Menge Gesprächszeit kosten würde. Wir warten also lieber auf den Anlagevorschlag. Den hätten wir gern jeweils für die bereits besprochenen zwei Prozent Rendite sowie für einen moderaten Verlust bei einer Aufschlüsselung der Gebührenstruktur für beide. Die Berater halten eine mehr als zweiprozentige Rendite durchaus für realistisch. Den konkreten Vorschlag sollen wir per Mail erhalten.

Gebühren

Für die akuten Umschichtungsmaßnahmen werden wir mit überschaubaren 0,19% zur Kasse gebeten, dazu kommen allerdings wie schon vorher angekündigt Gebühren bis zu 1,5 %. Wir haken nach, wie sich diese zusammensetzen. Auch dieses Mal werden wir auf den Anlagevorschlag verwiesen. Dem sollen dann auch die Preise für das zweite Jahr zu entnehmen sein, die günstiger ausfallen. Auf handfeste Zahlen warten wir erneut vergeblich. Es bleibt uns scheinbar nur übrig, die Antwort auf unsere Fragen tatsächlich im Anlagevorschlag zu suchen.

Die Nachbetreuung: Enttäuschender Anlagevorschlag

Der Berater, den wir schon in der Gesprächsanbahnung kennengelernt haben, teilt uns per Mail mit, dass er krank sei und wir uns daher etwas länger gedulden müssen. So weit, so gut. Die eigentliche Rückmeldung erfolgt innerhalb von 14 Tagen. Das liegt im üblichen Rahmen. Das Ergebnis, das wir dann erhalten, enttäuscht uns allerdings in mehrfacher Hinsicht. Konkretes und unentschuldbares Versäumnis: Das Gesprächsprotokoll fehlt. Und das rächt sich, denn der Anlagevorschlag spiegelt unsere Vorstellungen in keiner Weise wider. Mit “weder Fisch noch Fleisch” ist er aus unserer Laiensicht ganz treffend umschrieben: Wir finden ein wenig von allem. Beim Risiko sind unsere Vorstellungen zwar erfüllt, aber wir hatten unmissverständlich um einen Vorschlag für zwei Prozent Rendite bzw. einen mit deutlich weniger als 15% Verlustrisiko sehen wollen, um eine Vergleichsgrundlage zu haben und daraus unsere Schlüsse zu ziehen. Keine der Varianten hat den Weg in die Ausarbeitung gefunden. Stattdessen sucht der Vorschlag den goldenen Mittelweg. Das ist zwar nicht per se falsch, aber nicht das, was wir sehen wollten. Noch mehr vermissen wir eine Begründung. Da hätten wir mit der Aussage, dass sich unsere Risiko/Rendite-Vorstellungen nicht vertragen und man uns deshalb das ausgewogenste mögliche Verhältnis vorschlägt, deutlich besser leben können. Genau wie im Gespräch vermissen wir etwas mehr Liebe zum Detail und konkrete, belastbare Aussagen. Die Frage, welche Rendite wir für ein spezifisches Papier erwarten dürfen, ist weder konkret noch als Spanne angegeben. Wir sind nicht überzeugt. Erstens haben wir schon sehr viel ausführlichere Umsetzungen unserer Vorgaben gesehen, und zweitens bleibt uns der Grund für die in unseren Augen “schwammige” Darstellung schleierhaft. Haben unsere Berater den Aufwand gescheut? Am Ende bleibt als einziges positives Fazit aus dem Anlagevorschlag, dass sich die Gebührenhöhe von 1,5% auf 1,3% p.a. reduziert hat. Schön – aber immer noch zu hoch, gerade bei dem unbefriedigenden Ergebnis. Wir behalten viele Fragezeichen zurück. Der mit wenigen Einschränkungen gute Eindruck des Erstgesprächs ist deutlicher Ernüchterung gewichen. Ob ein professioneller Blick in den Anlagevorschlag diesen überzeugender findet?

Fazit:
Trotz des Anlagevorschlags aus Laiensicht: Pictet ist ein seriöses Institut und präsentiert sich weitgehend so, wie wir das von einem Schweizer Haus erwarten. Die Berater geben sich nicht abgehoben, überheblich, allwissend oder glatt, sondern behandeln uns freundlich, professionell und überzeugend. Auf unsere Nachfragen gehen sie ein und fertigen uns nicht mit Floskeln ab. Auch die Markteinschätzung ist wohl begründet, und wir werden nicht mit überzogenen Performance-Erwartungen geködert. Dennoch fehlt uns das gewisse Etwas. Es gibt keine positiven Überraschungsmomente und keine originellen oder innovativen Lösungsvorschläge. Investmentbanking hat Pictet nicht im Angebot. Hauseigene Fonds können abgewählt werden. Das ist soweit alles geradlinig und vermittelt Glaubwürdigkeit und Bodenhaftung. Dennoch fällt unser Gefühl nach dem Anlagevorschlag anders aus als nach dem Gespräch. Ein weiterer Wermutstropfen sind die Gebühren. Die finden wir sehr hoch und fragen uns, ob das noch verhandelbar wäre. Obwohl wir uns gut beraten fühlen, hält sich unser Enthusiasmus in Grenzen. In Sachen Nachbetreuung und Anlagevorschlag besteht definitiv Raum für Verbesserungen. Die Qualfizierungsampel für Pictet springt in der Gesamtsicht noch auf Grün – bei Gelb drübergefahren, könnte man auch sagen.

Hinweis: Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern lesen Sie im November in „TOPs 2017“.

Fakten

Angaben des Hauses, Stand: 31.12.2015

Pictet & Cie
Freigutstrasse 12, CH-8002 Zürich
www.pictet.com

Gesellschafter: Die Pictet-Gruppe ist ein ausschließlich von derzeit sieben Eigentümern geführtes Unternehmen: Jacques de Saussure - Nicolas Pictet - Renaud de Planta - Rémy Best - Marc Pictet - Betrand Demole - Laurent Ramsey

Zentrale Geschäftsfelder: Wealth Management, Wealth Solutions, Family Office und Asset Services (u. a. Custody-Lösungen)

Dienstleistungsangebot: Zum Dienstleistungsangebot gehören die (ganzheitliche) Vermögensberatung, Vermögens-/wertpapierverwaltung (Depotmanagement) mit eigener Strategie, die Offshore-Vermögensverwaltung, Stiftungsmanagement/Stiftungsservices, Family Office, Custody Services, Nachfolgeplanung, Cross-Broder-Vermögensberatung. Pictet versteht sich als strategischer und taktischer Asset Allocator und bietet in diesem Rahmen Beratungs- und Verwaltungsmandate an.

Alleinstellungsmerkmal/Versprechen an den Kunden: Pictet unterscheidet sich von dem Wettbewerb in folgenden wesentlichen Punkten:
  1. der Unternehmensstruktur: Als partnerschaftlich geführtes Unternehmen mit sieben geschäftsführenden Teilhabern, die für alle Tätigkeiten der Pictet-Gruppe verantwortlich zeichnen, verfügt Pictet über ein Höchstmaß an Unabhängigkeit. Die Grundsätze bezüglich Nachfolgeregelung und Eigentumsübertragung sind seit der Gründung von Pictet im Jahr 1805 unverändert. Pictet fokussiert sich strikt auf die Vermögensverwaltung und ist nicht tätig im Investment Banking, im Eigenhandel und der Kreditvergabe. Die Bilanz von Pictet enthält keine Unternehmensbeteiligungen. Dadurch wird das Potential für Interessenkonflikte erheblich reduziert.
  2. der Unternehmenskultur: Pictet pflegt eine ausgeprägte unternehmerische Kultur. Diese findet ihren Ausdruck in einem einzigartigen Entlohnungssystem mit Beteilung der Mitarbeiter am Gewinn der Bank, und nicht am Verkauf von Produkten. Dadurch werden falsche Anreizmechanismen vermieden.
  3. der Philosophie in der Vermögensverwaltung: Pictet ist Lösungsanbieter, nicht Produktanbieter. Die Incentivierung der Mitarbeiter erfolgt im Wesentlichen durch eine attraktive Basisvergütung und einen variablen Anteil, der sich an verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien und maßgeblich an der Kundenzufriedenheit misst. Somit haben Inhaber, Management, Mitarbeiter und Kunden ein gleichgerichtetes Interesse: sie streben langfristig die objektiv bestmöglich erscheinende Lösung an.
  4. der Internationalität: Pictet ist mit seinen 26 Standorten weltweit vertreten und weist somit einzigartige internationale Präsenz unter den echten Privatbanken auf (u.a. gilt Pictet in Japan als der bedeutendste ausländische Vermögensverwalter). Dazu kommt ein international äußerst diversifizierter Kundenkreis und Kundenerfahrung in mehr als 80 Ländern.

Verwaltete Kundenvermögen: Die Pictet-Gruppe betreute per Ende Dezember 2015 Volumina in Höhe von rund EUR 402 Mrd.

Kundenzahl: keine Angaben

Einstiegsuntergrenze für Private Banking und Private Wealth Management: 1.000.000 EUR. Keine harte Einstiegsgrenze. Kunden werden auch schon mit 500.000 EUR individuell beraten.

Produkte in der Vermögensverwaltung: Aktien, Renten, Immobilien (offene Immobilienfonds), Geschlossene Fonds (Schiffe etc.), Hedgefonds, Mikrokredite, Zertifikate, ETF, Sonstige (Rohstofffonds)

Hauseigene Produkte: Der Einsatz hauseigener Produkte kann auf Wunsch des Kunden gänzlich ausgeschlossen werden.

Research: Fremdresearch
Neben dem Eigenresearch greift Pictet insbesondere in Segmenten, bei denen es keine Kernexpertise im Haus gibt, auch auf fremdes Research zu. Dieses wird zentral und nach strengen Qualitätskriterien ausgewählt. Eigenresearch
Die Pictet-Volkswirte betreiben eine eigene fundamentale makroökonomische Analyse. Sie sind aufgeteilt in vier Teams: Zinsen, Währungen, Aktien und Makroökonomische Analyse. Wichtigste Faktoren bei der Analyse sind die Geldpolitik der Notenbanken und das Zinsumfeld. Die Beurteilung der Geldströme zwischen verschiedenen Märkten und Anlagekategorien erfolgt aufgrund der Entwicklung von Währungen, Aktienmärkten und Zinsen. Anhand von quantitativen Bewertungsmodellen versuchen die Volkswirte zu beurteilen, ob einzelne Branchen bzw. Märkte über oder unter ihrem langfristigen Gleichgewicht liegen. Die Aktienanalysten verfolgen Unternehmen weltweit aus den Bereichen Finanzen, Konsum, Gesundheit, Technologie und Industrie, die sie auch regelmäßig besuchen. Für Ihre Bewertungen stützen die Analysten sich auf ein standardisiertes Bewertungsinstrument sowie eine zentralisierte Datenbank. Diese Kaufs- oder Verkaufsempfehlungen dienen als Grundlage für Transaktionen in den Aktienportfolios der Kunden. Zurückblickend auf eine 20jährige Erfahrung im Segment alternativer Investments zählt Pictet zu den führenden Adressen der Hedgefonds-Industrie. Wie im Segment Private Equity, in dem Pictet zu den führenden Anlegern privater Gelder in Europa zählt, fokussiert sich die Bank dabei auf die Auflegung und das Management von Fund of Funds.

Standardkonditionen: Die Vergütung hängt von der Intensität der Dienstleistung ab und ist von verschiedenen preisbildenden Faktoren abhängig. Dabei spielen insbesondere das Volumen, der Rechtsraum, die Mandatsform, eingesetzte Instrumente und Transaktionshäufigkeit sowie Art und Umfang des Reportings eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich sind verschiedene Arten von Preismodellen denkbar und werden auch in der Praxis umgesetzt. Die meisten deutschen Privatkunden bevorzugen eine Pauschalgebühr, die einen bestimmten Prozentsatz auf das zu verwaltende bzw. zu beratende Vermögen vorsieht. Die Höhe einer solchen All In-Fee muss situativ und in Abhängigkeit konkreter Anforderungen bestimmt werden.

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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