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Wie investieren die Experten der FUCHS-Redaktion in Schwellenländer?

Schwellenländer: Ein starkes BIP-Wachstum sorgt nicht automatisch für Investmenterfolg

Südostasien. © piskunov / Getty Images / iStock
Die Volkswirtschaften von Schwellenländern wachsen stark. Analysen zeigen aber, dass das BIP-Wachstum nicht allein ausschlaggebend für die Performance eines Regionen-Investments ist. Welche Schlüsse sollten Anleger daraus ziehen? Die Experten der FUCHS-Redaktion sagen Ihnen, wie sie aktuell vorgehen würden.
Nur weil die Volkswirtschaften von Schwellenländern stark wachsen, heißt das nicht, dass es ihnen die regionalen Aktienmärkte gleichtun. Anleger sollten darum nicht leichtfertig ihren Emerging Market Anteil im Portfolio über entsprechende ETF hochschrauben. 

Ein Vergleich mit der Benchmark iShares MSCI World ETF (ISIN: IE 00B 4L5 Y98 3) zeigt diesen Fehlschluss deutlich. Der gewann in den zurückliegenden Jahren gut 60% (12% p.a.) an Wert. Die Weltwirtschaft wuchs hingegen nur um 2,6% p.a. Unter der Berücksichtigung, dass der MSCI World überproportional stark in US-Aktien investiert, und die US-Wirtschaft in den zurückliegenden fünf Jahren nur um ca. 2% p.a. wuchs, ist die Performance noch bemerkenswerter.

Schwellenländer hinken hinter MSCI World zurück

Dennoch kann kein anderer von uns betrachteter Aktienmarkt bedeutender Schwellenländer den MSCI World ETF schlagen: 

  • Chinas BIP wuchs trotz Lockdowns in den zurückliegenden fünf Jahren um 5,25% p.a. Der iShares MSCI China ETF (ISIN: IE 00B QT3 WG1 3) schaffte hingegen nur 3,94% p.a.
  • Das Wirtschaftswachstum in Indien lag in den vergangenen fünf Jahren "nur" bei 4,07% p.a. Der iShares MSCI India ETF (ISIN: IE 00B ZCQ B18 5) performte hingegen mit 10,41% p.a. viel stärker als sein chinesisches Pendant.
  • Brasiliens Wirtschaft wuchs im selben Zeitraum nur um schmale 1,52% p.a. Der iShares MSCI Brazil ETF (ISIN: IE 00B 0M6 351 6) verschaffte seinen Anlegern dennoch eine ansehnliche Rendite von 8,16% p.a.
  • Polen als europäisches Schwellenland verzeichnete in den zurückliegenden fünf Jahren Wachstumsraten von durchschnittlich 3,98% p.a. Mit dem iShares MSCI Poland ETF (ISIN: IE 00B 4M7 GH5 2) hätten Anleger im selben Zeitraum dennoch Geld verloren (-1,75% p.a.).
Es gibt viele Erklärungen dafür, warum das BIP-Wachstum und die Aktienmarktperformance nicht miteinander korrelieren. So sind im BIP nicht nur die Unternehmensgewinne, sondern auch die Löhne enthalten, die das Wachstum verzerren können. Weiterer Aspekt: An der Börse sind tendenziell große Unternehmen gelistet. Volkswirtschaften, die durch Kleinstunternehmen geprägt sind, werden dadurch nicht adäquat abgebildet. Und schließlich ist jeder Aktienmarkt durch Kapitalzu- und -abflüsse unterschiedlich bewertet (Stichwort Kurs-Gewinn-Verhältnis).

Entscheidungsdilemma bei Schwellenländerinvestments

Anleger stehen damit vor einem Entscheidungsproblem. Würden wir allein den Rückblick in unsere Investmententscheidung einbeziehen, spräche das gegen Schwellenländer-Investments. Angesichts der derzeitigen Konjunkturschwäche der westlichen Industrienationen und auch unter Aspekten der Risikoverteilung, erscheinen aber Schwellenländer dennoch attraktiv. Mit Blick auf die kurzfristige Performance (unter 1 Jahr) schlagen sogar viele den MSCI World.

Auch die Experten der FUCHS-Redaktion vertreten zu dem Thema unterschiedliche Standpunkte. Einig sind sie sich darin, dass sie in Schwellenländer investieren würden. Allerdings setzt jeder verschiedene Akzente. Wir stellen Ihnen ihre Einschätzungen vor:

Stefan Ziermann (Chefredakteur):

Ich investiere mittel- bis langfristig in Schwellenländer. Dabei blicke ich auf Aspekte wie Konjunktur- und Rohstoffzyklen, Leitzinsen und steuere meinen Ein- und Ausstieg nach fundamentalen und charttechnischen Überlegungen. Hinsichtlich der Anlageinstrumente favorisiere ich Einzelaktien (wichtigste Kennzahlen KGV und Dividendenrendite) sowie ausschüttende ETFs. 

Mein aktueller "Schwellenland-Liebling" ist Brasilien. Ich glaube, dass die günstig bewertete Rohstoffwirtschaft, deren Unternehmen hohe Dividenden zahlen, derzeit ein Investments wert ist. Daneben gibt es noch Länder auf meiner Liste, in die ich sporadisch investiere wie Südafrika, früher sogar auch in Venezuela.

Philipp Heinrich (Jungredakteur):

Schwellenländer gehören für mich zu einer aktiven Anlagestrategie dazu. Da die einzelnen Unternehmen dieser Länder für mich wortwörtlich zu weit weg sind, um sie eng verfolgen zu können, bevorzuge ich aktive und passive Fonds. Dabei achte ich darauf, dass diese um eine ESG-Komponente ergänzt werden. 

Meine aktuell favorisierten Schwellenländer sind die wachstumsstarken Länder Südostasiens (Indien, Indonesien, Thailand oder Vietnam). Hier investiere ich per Sparplänen kontinuierlich mit langfristiger Perspektive. Auf Aspekte wie Charttechnik und die aktuelle Bewertung lege ich dabei weniger Wert. Daneben finde auch in Brasilien lukrativ. Hier teile ich die Einschätzung von Stefan Ziermann.

Thomas Ebert (Aktienanalyst):

Ich sehe mich eher als einen Trader denn als Investor. Ich versuche kurzfristig von Sondersituationen zu profitieren. Wo es solche Sondersituationen gibt, ist für mich in dem Fall zweitrangig. Allenfalls würde ich schauen, wie im jeweiligen Land die Rechtslage ist und ob ich im Zweifel auch wieder aus der Position heraus komme. Meine bevorzugten Instrumente dafür sind ETFs und Staatsanleihen.

Fazit: Die wachsende politische und wirtschaftliche Bedeutung von Schwellenländern dürfte sich auch in der Vermögensanlage zukünftig stärker widerspiegeln. Experten der FUCHS-Redaktion investieren selektiv in Schwellenländer.
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