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Big Tech Unternehmen lieben Disruption - bis sie vor der Tür steht

Auf der Suche nach Giganten

Data is the new oil. Copyright: Quanvest
Bis heute morgen hat sich der Kongressausschuss nach 12 Monaten Vorbereitung über die neuen Anti-Trust Gesetze mit Fokus auf Amazon, Google, Apple und Facebook beraten. Und auch die Teamster habe eine Art Liebeserklärung zu Ungunsten von Amazon ausgesprochen. Soll man die Aktie kaufen, weil sie zerschlagen wird und wo ist die Summe noch mehr wert, als die Einzelteile ?

„Data is the new oil“ wird so oft zitiert, dass die Zerschlagung von Rockefellers Standard-Oil Modell für Einige der großen Techkonzerne werden könnte. In den USA richten sich die Klagen der Einzelhändler im wesentlichen gegen Amazon - Google, Apple und Facebook werden nur erwähnt. Um Nutzer-Daten für die gezielte Online-Produktbewerbung und um regelmäßige Einnahmen aus Abo-Modellen kämpfen die Tech-Konzerne. 

5 big tech bills im Kongress in Planung

Natürlich will die US-Politik in den USA nicht einzelne US-Konzerne so schwächen, dass die Rolle ein Anderer aus Europa oder gar aus China übernimmt. Aber nach 16 Monaten Research in Millionen von Dokumenten bildet das Anti-Trust Committee des US-Kongresses einen Partei-übergreifenden Konsens in fünf Punkten:

  • Eigene Produkte und Services, die im Interessenskonflikt mit den eigenen Kunden stehen, z.B.:  Amazon Basics verkauft eigene Produkte im Wettbewerb zu Händlern auf eigenen Amazon Plattform, sobald diese zu erfolgreich sind.
  • Eigene Services sollen in App Stores und Suchmaschinen, wie Google nicht über denen der Kunden gerankt werden. Z.B. Apple hat erst kürzlich zugegeben, dass seinerzeit die sehr erfolgreiche Dropbox - App im Ranking des eigenen Appstores „versehentlich“ hinter den eigenen Produkten positioniert wurde.
  • Ein weiteres Gesetz Google, Apple, Facebook und Amazon davon abhalten, wachstumsstarke Wettbewerber aufzukaufen, wie Facebook seinerzeit Instagram. Für die Startups kann eine ablehnende Haltung vernichtend sein, wie in 2009 die Haltung von Dropbox gegenüber einem von Steve Jobs persönlich vorgetragenen „Kaufangebot“, mit einem mit Komplimenten gewürzten , aber letztlich die Existenz bedrohenden Unterton. Dropbox wollte aber keine iCloud Technologie exklusiv für die Apple-Plattform entwickeln, sondern Filesharing Plattform-übergreifend anbieten, was glücklicherweise gelungen ist. Auch Spotify wurde ein Opfer der Attacken von Steve Jobs, wie wir letzte Woche im Kontext der neuen Netflix-Serie berichteten.
  • Das nächste Gesetz sieht höhere Merger-Registrierungs-Fees vor, um den Anti-Trust Behörden mehr Geld und Zeit für die Untersuchungen zu geben.
  • Schließlich möchte der Kongress die Online-Dienste verpflichten, den Nutzern ihre Daten exportierbar und zu anderen Diensten transferierbar zu machen.

Brüssel sinniert

Die EU-Kommission möchte der Wettbewerbsbehörde ermöglichen, schneller zu reagieren, die gerichtlichen Verfahren dauern einfach zu lange. Mit einer sog. „schwarzen Liste“ sollen ca. 20 Geschäftspraktiken unterbunden werden. Z.B. dürfen Tech-Konzerne dürfen Ihren Businesskunden nicht verbieten, auch auf Wettbewerber Plattformen anzubieten. Die Regeln sollen zwar erst ab einem Umsatzvolumen von  5-10 Mrd. Euro gelten, aber man will auch kleinere „Türsteher“ verpflichten, wo es nötig wäre. 

Die Ergebnisse der vom Kongress eingesetzten Ausschüsse klingen da schon effektiver. Irgendwo entlang von Devices, Search, Ads und Commerce könnte der Kongress den Strich für die Aufspaltung setzen und zusätzlich beim "user generated content" den Nutzern mehr Rechte einzuräumen. 

Wer kann was - ein Überblick

Die Kernkompetenzen von Amazon, Facebook, Apple und Google sind:

  • Amazon ist führend in E-Commerce und Logistik, ist beim Social Commerce aber außen vor und muss sich nun auch noch der "Liebeserklärung" der Teamster stellen, die Amazons Mitarbeiter gewerkschaftlich unterstützen wollen.
  • Facebook in Social Media, Collaboration, user-generated Content. Dank den Selbstdarstellungstrieb der Influencer und vor Allem künstlicher Intelligenz wird Facebook zum führenden Anbieter im Social Commerce. Im Werbemarkt hat Facebook 30% Anteil kann diesen aber durch Social Commerce und Shopifysation in echte Umsatzmargen transformieren.
  • Google ist quasi-Monopolist in der Suche, der User Profilierung und hat 60% des Anzeigenmarktes. Google reagiert schon mit dem intelligenten Konzept der sog. FLOCs, das sind Beschreibungen von anonymen Nutzer-Eingruppierungen für Produkt-Targeting.
  • Apple und Google wurden Marktführer in Betriebssystemen für mobile Endgeräte, wie Smartphones, Smartwatches und bald auch smarten Brillen. Wegen der Anti-Trust-Klagen ab 2011 musste Microsoft diesen Markt aufgeben (Bericht der Tagesschau).

Die Grafik zeigt die Überscheidungen in den Bereichen Devices, Cloud, Network, Commerce, Professional media, User created content, AI, Medical data. Alle nicht genannten Anbieter, wie u.a. Microsoft, Netflix, Spotify, TikTok, Twitter, Snapchat, Shopify oder Uber sind nur auf maximal 2-3 Themen fokussiert, so dass sie vermutlich nicht auf dem Radar des Kongresses auftauchen. 

Bei der Verwertung von Gesundheitsdaten hört der Spaß auf

Auch wenn die Tech-Giganten zweistellige Millionenbeträge für Lobbying on Capitol Hill ausgeben, könnten die US-Gesetze hilfreich sein. Eine gewisse Entflechtung der Services kann bewirken, dass sie sich auf Ihre Kernthemen fokussieren. Vergrößerung bis zur Beliebigkeit hat noch immer den Konzernen oder den Kunden geschadet (https://www.sueddeutsche.de/meinung/usa-amazon-apple-google-facebook-monopole-1.5321779): 

  • Freiwillig würde z.B. weder Apple, Google, Facebook, noch Amazon auf das Sammeln medizinischer Daten Ihrer Nutzer verzichten, wenn dadurch die Aussicht besteht, teure Medikamente mit hohen Margen direkt an die Nutzer zu verkaufen. Aber genau hier investieren sie massiv.
  • Auch der Aufbau eines Satellitennetzwerkes wie Starlink ist nur für wenige Konzerne zu stemmen und ermöglicht Ihnen, den Menschen in entlegenen Regionen oder Emerging Markets exklusive Services anzubieten. Das gibt Ihnen die Freiheit, staatliche Kontrolle und Regulierung zu umgehen, umgekehrt sind sie abhängig von einzelnen Unternehmen, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen.

Für die Gegner der Meinungsfreiheit wird es sehr schwierig

In Ländern wie China, Indien, Nigeria müssen die Konzerne die Beiträge ihrer Nutzer zensieren, um nicht komplett aus dem Markt verbannt zu werden.

  • Veröffentlichungen von Regime-Kritikern, deren Konten und unerwünschte Beiträge in Social Media werden gelöscht oder gesperrt. Indien ging kürzlich gegen Twitter vor und besuchte mit Beamten unangekündigt die Büros. Aussichtslos, denn außer dem Pförtner des Bürogebäudes waren alle Mitarbeiter im Homeoffice.
  • China hat gestern nicht nur die neue Hongkonger Zeitung „Apple Daily“ von Jimmy Lai vom Markt genommen, sondern auch den Verkauf seiner bisher 13 Buchveröffentlichungen verboten.

Tim Cook ruft bei Nancy Pelosi an, aber sie nimmt nicht ab

Ein Ausschuss des US Kongresses hat gestern in 17 Stunden Debatte unter Anderem auch die Aufspaltung der Tech-Konzerne debattiert. 

  • Apple und Facebook sind, wie oben diskutiert kaum Kandidaten für eine Aufspaltung, denn Ihre Geschäftsmodelle sind relativ fokussiert. Apple und Microsoft sind im wesentlichen Hardware und Software Plattformen mit unterstützender Software und AppStores. Hier und bei Musik und Podcast haben sie ausreichend Konkurrenz. Beide werden in der Lage sein, Datenschutz im Interesse Ihrer Nutzer umzusetzen.
  • Amazon und Google hingegen werden durch eine Aufspaltung stark verändert. Amazon ist leicht aufzuspalten und die Teile, wie Commerce, Content (Prime Movies), Werbung (Ads) sind in Summe vermutlich mehr Wert sein werden als Amazon als Ganzes heute. Auch wenn Amazon der Bad Boy bei der Behandlung seiner 1,3 Millionen Mitarbeiter großen Belegschaft ist, so nutzt Google das Good Boy Image bei Mitarbeitern letztlich wenig.
  • Google lebt allein vom Datengeschäft und Ads, durch die Kernfunktion „Suche“ ist Google in viele Bereiche hinein gewachsen, für die Nutzer nicht zahlen. Daneben sind die wertvollsten Teile wohl Google’s künstliche Intelligenz (Tensor Flow) und YouTube. Wird Google aber verboten, die Daten seiner Nutzer exzessiv zu verwerten und sei es nur mit künstlicher Intelligenz ihnen die Zuordnung generalisierter Nutzerprofile (FLOCs) anzubieten, dann ist der Rest wenig wert und die Summe derzeit mehr, als später die Einzelteile.

Amazon kommt in die Stiftungsdepots

Wir entscheiden uns nach diesen langen Ausführungen für den „Bad Boy“ Amazon, warten noch ein paar Tage, ob sich der Teamstern-Sturm auch an der Börse entlädt. Apple und Facebook liegen schon in den Depots und den direkten Social Commerce Wettbewerber „Shopify“ auch.

Die Bewertung der Tech-Konzerne war noch nie einfach und bleibt schwierig. Die Chancen für neue Start-Ups wurden immer schlechter, die Nutzerdaten werden dank künstlicher Intelligenz schneller und leichter durchschaubar. Dass der Regulator die Bühne betritt macht Sinn, schaden wird es nicht. Spannend bleibt, ob man das Thema Medizin-Daten zugunsten der Big Tech aussen vor läßt und wie man eigentlich Satellitennetze, wir Starlink beaufsichtigen will.
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