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Markterwartungen: Zu früh gefreut

Inflationsrückgang als Auslöser für Selbsttäuschungsmanöver

Automobil-Karossen mit US-Flaggen am Fenster. © Tomasz Zajda / stock.adobe.com
Fed-Chef Jerome Powell signalisiert das Ende der weiten Zinsschritte. Die Aktienmärkte jubilieren. Doch der Chef der US-amerkianischen Notenbank warnt auch: "Der Job ist längst nicht getan". Er warnt zu recht.

Die Inflationsrate ist leicht rückläufig – aber sie wird auch 2023 viel zu hoch sein. Sie erreicht vorerst nicht mehr die Gipfel des Mont Blanc, aber bleibt locker auf und über Großglockner-Niveau. In Zahlen: Im Euroraum geht sie von hoch einstelligen bis zu zweistelligen Raten im ersten bis ins zweite Quartal auf Raten um die 7% zurück. Vielleicht sind es dann im 4. Quartal 2023 weniger als 5%. Doch im Jahresdurchschnitt sind das satte 5 Prozentpunkte mehr als die auch nicht geringe frühere Obergrenze der EZB von 2%. So viel zur Einordnung.

Nun zu den Gründen. Natürlich werden Basiseffekte das Niveau zeitweise drücken. Hohe Steigerungen aus diesem Jahr finden keine gleichartige Fortsetzung im nächsten. Wir sehen jedoch weiterhin die strukturellen Effekte als maßgeblich für die hohen Preissteigerungsraten an und gewichten diese hoch.

Die Gründe für die strukturell verfestigte Inflation

  • Die Arbeitsmärkte werden unter der demographischen Entwicklung spürbar leiden. Die Folge sind deutlich steigende Löhne bei rückläufigen Output – qualitativ wie quantitativ. Deutschland wird im Ausland keine adäquaten Ersatzarbeitskräfte im notwendigen Ausmaß und auf die Dauer der zeitlichen Strecke finden. Da lügen sich Unternehmen wie Teile der Bundesregierung kräftig in die Tasche. Das Interesse an den MINT-Fächern schwindet weiter. Das Land bräuchte mehr technisch interessierten Nachwuchs. Doch wir bekommen vornehmlich gering Qualifizierte. Deutschland ist kein Einwanderungsland, sondern ein Migranten-Hort. Das sind unterschiedliche Paar Schuhe.
  • Der teilweise Rückbau der Globalisierung sorgt für höhere Kosten bei Gütern und Dienstleistungen
  • Big Government: Der Wunsch nach einer stärkeren Rolle des (umsorgenden) Staates ist ein Zug der Zeit. Der Bürger möchte sich der Eigenverantwortung möglichst entledigen, denn sie ist unbequem. Das bedeutet mehr Dirigismus, neue Umverteilungselemente, weniger Innovation, kurz: Wohlstandsverluste. Diese führen zu einem geringeren BIP. Bei hohen Inflationsraten zieht das ein Stagflationsszenario nach sich.
  • Die sehr hohen Kosten der ökologischen Transformation schlagen ins Kontor. Nicht vergessen: Steigende Energiekosten sind politisch gewollt!

Der Vermögensverwalter Feri schreibt in seinem Jahresausblick 2023: „Das Zusammenspiel dieser Faktoren bedeutet, dass auch zukünftig mit „überraschender“ Inflation zu rechnen ist. Dies gilt umso mehr, wenn die Notenbanken ihren aktuellen Modus strikter Inflationsbekämpfung nicht über längere Zeit fortführen sollten, wovon mit einiger Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.“ Die Fed hat das gerade signalisiert. Wir stimmen mit Feri überein – perspektivisch resultiert aus der beschriebenen Gesamtkonstellation „eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Verfestigung höherer Inflationserwartungen“.

Fazit: Das ergibt eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Verfestigung höherer Inflationserwartungen. Als Konsequenz für die Devisenmärkte sind neue Kurs-Schocks zu erwarten, die aus sich rasch verändernden Szenario-Erwartungen resultieren.
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