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2015
Die Schuldenlast als Indikator für die Stabilität von Währungen

Schulden vielfach geringer als vor zehn Jahren, aber …

In der öffentlichen Diskussion hat die Inflationsdebatte einen anderen Faktor so gut wie völlig verdrängt: die Schuldenstandsquoten der Staaten. Hier zeigen sich gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 sehr unterschiedliche Entwicklungen. Es sollte nicht übersehen werden, welche Staaten ihre Wirtschaftsleistung mit erheblichen neuen Staatskrediten aufgepumpt haben. Das wird über kurz oder lang auch die Solidität der Währungen beeinflussen.

Die USA und Großbritannien sind Weltmeister beim Schuldenzuwachs. Mindestens gebührt ihnen die zweifelhafte Schuldenkrone unter den G-7-Staaten. Japan hat zwar im Verhältnis zum BIP noch immer die weitaus meisten Schulden angehäuft: Das Land hat zweieinhalb Mal so viele Schulden, wie es in einem Jahr an Waren und Dienstleistungen produziert. Aber zumindest verlangsamt sich dort der Trend.

Problematisch ist für die beiden angelsächsischen Staaten, zuvorderst aber für die USA, der anhaltend starke Zuwachs ungedeckter Schecks, also der Neuverschuldung. Laut Daten des Congressional Budget Office kommen in USA auch in den nächsten zehn Jahren in jedem Jahr weitere 5% bis 6% vom BIP an neuen Schulden hinzu. Und da ist der Faktor „Trump 2.0“– sollte es eine weitere Amtszeit des Republikaners geben – noch nicht eingepreist. Der Faktor heißt „Unberechenbarkeit“.

Eurozone: Erneute Schuldenbeschleunigung nach 2019

Für die Eurozone sieht zumindest bei den Staatsschulden die Lage weniger dramatisch aus als vor zehn Jahren, als noch die Schuldenkrise der Jahre 2008 folgende „in den Büchern“ stand. Das könnte auf Dauer eine Stärkung auch des Euro nach sich ziehen, wären da nicht diverse Umkehrtendenzen seit der Corona-Zeit zu beobachten. So erleben als größere Staaten der Eurozone Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Portugal und Spanien eine Umkehr hin zu einem wieder beschleunigten Schuldentrend. 

Das gilt jedoch grundsätzlich auch für Schweden, Polen, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten sowie Japan, Neuseeland, Indonesien, Südafrika oder Israel und als Regionen oder Ländergruppen für die Europäische Union insgesamt, die Eurozone speziell sowie die G7-Länder. Allerdings ist das Ausmaß sehr unterschiedlich ausgeprägt. Eine Verlangsamung zeigt sich nur im Falle Australiens, Brasiliens, Griechenlands, Indiens und der Türkei, also von ihrer Wirtschaftskraft her weniger bedeutende Staaten.

Hohe Schulden, erhöhte Inflationsneigung

Grundsätzlich neigen Staaten mit hohen Schulden dazu, die Inflation wenn nicht anzuheizen, so zumindest laufen zu lassen. Das treibt die Steuereinnahmen nach oben und reduziert die Schuldenlast. Und da sich die Notenbanken verstärkt in den Dienst des Fiskus gestellt haben, ist auch von dieser Seite nur begrenzte Gegenwehr zu erwarten. So wird in den USA und der Eurozone bereits über Zinssenkungen gesprochen, bevor überhaupt wieder die Inflationsziele von um die 2% erreicht sind.

Bei einem erhöhten Inflationstrend wird das Zinsniveau nicht deutlich absinken. Für Anleihen und Festgeld-Käufer ist das so lange gut, wie die Inflationsrate unter den Zinssätzen liegt. In einem solchen Umfeld können auch Aktien gut bestehen. Aber es besteht die wachsende Gefahr von „Ausrutschern“ im politischen wie im Raum der Wirtschaft.

Schlüsselelement Schuldenbremse

Ein Schlüsselelement wird der Umgang Deutschlands mit der selbst auferlegten Schuldenbremse sein. Wird sie politisch weiter gelockert oder gar abgeschafft, ist mit einem beschleunigten Aufbau der Schuldenlast in der Eurozone zu rechnen. Da das Gros dieser Schulden konsumtiv statt investiv verwendet werden dürfte, würde das den Euro schwächen.

Fazit: Für den Euro ist nicht ausgemacht, ob er auf eine fundamentale Stärkung setzen kann, die sich nach 2014 zunächst abzeichnete. Denn der Trend des Schuldenquotenabbaus hat sich in zu vielen Ländern der Eurozone seit der Corona-Krise gedreht. Deutschlands Umgang mit der Schuldenbremse ist somit auch Schlüsselfaktor für einen härteren oder weicheren Euro im internationalen Währungsgefüge.
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