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Notenbanken binden sich selbst die Hände

Am Ende die Geldreform

Laut Thomas Mayer führt an einer Geldreform kein Weg vorbei. Copyright: Pixabay
Die Notenbanken setzen weiterhin auf billiges Geld. Zweimal musste die Fed die Wende hin zur Normalisierung der Geldpolitik schon abblasen. Bei ihrer Strategie des „immer mehr vom Selben" setzen die Notenbanken darauf, dass sich die Trends der Globalisierung aus den letzten 30 Jahren fortsetzen. Ein Trugschluss mit Konsequenzen.

Im Herbst wird es (mal wieder) ernst für die Märkte. Die Geldpolitik vollzieht erneut die Kehrtwende, nachdem die Fed mit dem Versuch zur Normalität zurückzukehren, im letzten Winter gescheitert ist. Auf dem Programm stehen Zinssenkungen, Strafzinsen und gegebenenfalls weitere Geldschöpfung durch Anleihenkäufe.

Die Notenbanken setzen voll darauf, dass es auf lange Zeit keine Inflation gibt. Doch diese Annahme könnte sich bald als Trugschluss erweisen. Sie basiert auf einer Fortsetzung der Trends, die die letzten drei Jahrzehnte geprägt haben: Globalisierung und der technische Fortschritt gingen voran, brachten die entsprechenden Effizienzgewinne und drückten weltweit laufend das Preisniveau für Waren und Dienstleistungen. Die Geldpolitik ist also ganz auf offene Märkte ausgelegt.

Das Rad der Zeit wird zurückgekurbelt

Doch die Globalisierung wird gerade rückabgewickelt. Daran ist nicht nur die Handelspolitik eines Donald Trump schuld. Die Arbeitsteilung mit China wird immer stärker hinterfragt. Politisches Misstrauen mischt sich mit Vorbehalten gegenüber Technik-Monopolen wie beim 5G-Standard oder in der Kommunikation, etwa bei Cloud-Diensten. Schlechte Erfahrungen mit Patentpiraterie und Datenklau tun ein Übriges.

Auch Europa mischt hier kräftig mit. Die protektionistische Abwehrhaltung gegen chinesische Übernahmen hat sich in letzter Zeit verhärtet. Deutschland hat in den letzten Jahren laut dem 20. Global Trade Alert (GTA) die Öffnung seiner Außenwirtschaft deutlich eingeschränkt. Frankreich blockiert wiederum Dienstleistungen deutscher Unternehmer über die Grenze hinweg durch die Errichtung hoher nicht-tarifärer Schranken. Das hat gerade die deutsche französische Industrie- und Handelskammer in Paris beklagt.

Die Schattenseiten der Öko-Auflagen

Aber auch sozial gerechte, ökologisch-grüne Politik wirkt preistreibend. So treiben Steuern auf CO2 Energie- und damit Herstellungspreise. Der Austausch ganzer Firmenflotten mit teuren Elektroautos wird ebenfalls durchschlagen. Moralische Aspekte wie der Rückzug von Produktion aus Ländern mit Kinderarbeit heben im Ergebnis ebenfalls die Verbraucherpreise an.

In der Konsequenz heißt das: Die Inflation schleicht sich wieder an (s. Artikel). Denn je mehr die Staaten regulieren, je mehr Arbeitsteilung zurückgefahren wird, je mehr Zölle erhoben werden, je mehr Lieferketten unterbrochen, desto teurer werden Produkte.

Und was sagt der Experte?

Vor diesem Hintergrund aber wird die aktuelle (Geld)politik gefährlich. Das führt der Chef des Flossbach von Storch Research Institute und ehemalige Chefvolkswirt der Deutsche Bank, Thomas Mayer, im Gespräch mit FUCHSBRIEFE aus. Seine Überlegung: „Da die Zentralbanken mit ihrer Niedrigzinspolitik die Schulden haben in den Himmel wachsen lassen, können sie darauf nicht mit Zinserhöhungen reagieren." Wenn die Leute aber sähen, dass den Zentralbanken im Kampf gegen Inflation die Hände gebunden sind, würden sie aus dem Geld in Sachwerte fliehen. „Es kommt zur finanziellen Repression (tief negative Realzinsen) und dem Vertrauensverlust ins Geld, der zu einer Geldkrise führen wird."

Fazit: „Am Ende wird dann an einer Geldreform kein Weg mehr vorbei führen", so Mayer. Dann sei man mit „Qualitätsaktien" und Gold gut bedient.

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