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Weidmann als Verhandlungsmasse

Verkündung der Kandidatur enthält Zündstoff

Jens Weidmann hat seine Kandidatur für den Chefsessel der EZB verkündet. Die Tatsache, dass er sie persönlich verkündet hat lädt ein zu Spekulationen - über das Verhältnis zwischen der Bundesregierung und dem designierten Neuen an der Spitze der EZB.

Die Kandidatur Jens Weidmanns für den Chefsessel der EZB ist schwach gestartet. Er selbst verkündete seine Ambititionen per Interview und nicht die Regierung in Berlin. Das lädt zu Spekulationen ein über die Unterstützung von Seiten Angela Merkels und ihrer Minister. Das ist ein schlechtes Vorzeichen: Wohl und Wehe dieser Kandidatur hängen ausschließlich von dem Nachdruck ab, mit dem die Kanzlerin und ihr Kabinett Weidmanns Anspruch in Brüssel vertreten.

Die Kür des neuen EZB-Präsidenten findet zudem vor Hintergrund der Reformvorschläge Emmanuel Macrons für die Eurozone statt. Bekanntermaßen kann sich die Bundesregierung in dieser Sache weder zu einer Zustimmung zu Macrons Ideen noch zu einem Alternativ-Konzept durchringen. Damit deutet dieser protokollarische Schnitzer das drohende Desaster in der Sache an: Merkel könnte stark versucht sein, Weidmann zu opfern um Macron ruhig zu stellen. Er könnte den Erfolg verbuchen, einen „deutschen EZB-Chef verhindert" zu haben. Merkel könnte im Gegenzug die schwierige Diskussion über die weitere Zukunft der Eurozone einfangen.

Fazit: Es ist eine Spekulation. Aber sollte sich unser Verdacht bestätigen, würde Merkel einen teuren Fehler machen. Denn gerade Weidmann wäre von der EZB-Spitze her in der Lage, für die von Macron zurecht aufgezeigten Probleme die richtigen Antworten zu geben.

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