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Finanzmärkte

Kritische Phase für Asien

Die Börse in Shanghai - Investoren sollten Finanzzyklen im Auge behalten. | © Getty
Finanzzyklen dauern in der Regel 10 bis 20 Jahre. Ihr Höhepunkt fällt mit Bankenkrisen und beträchtlichen finanziellen Anspannungen zusammen. In vielen Ländern Asiens ist dieser Finanzzyklus schon weit fortgeschritten ...
Etliche Länder Asiens, Brasilien, die Türkei und die Schweiz sind einer neuen Finanzkrise am nächsten. Bei ihnen befinden sich die Krisenindikatoren reales Kreditwachstum, Wachstum der Wohnimmobilienpreise sowie diverse mittelfristige Finanzindikatoren in einer zum Teil weit fortgeschrittenen Aufschwungphase. Dies schreibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem gerade veröffentlichten Jahresbericht. Zu den gefährdeten Staaten Asiens gehören neben China und Indien noch Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand sowie die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong. In der Türkei zog insbesondere das reale Kreditwachstum in den letzten vier Quartalen noch einmal deutlich an. Explizit nennt die BIZ Brasilien und China als Länder, die in der späteren Phase des Finanzzyklus angelangt sind. Dies mache sich am verlangsamten Anstieg der Immobilienpreise in Brasilien fest. Das sei typisch für eine spätere Phase des Finanzzyklus. Zunehmende Ausfälle in der Immobilienbranche Chinas deuteten ebenfalls auf eine solche Entwicklung hin. In China müsste das Verhältnis Kreditvolumen/BIP um mehr als 60 Prozentpunkte sinken, um die Schuldendienstquote wieder auf historische Normen zurückzuführen. Spanien, Griechenland, Italien und Portugal befinden sich dagegen noch in der Abschwungphase. Sie haben den Tiefpunkt im letzten Finanzzyklus mit der Krise seit 2008 noch nicht erreicht. Dennoch sind sie nicht aus dem Schneider und bleiben anfällig. Denn obwohl dort seit der Finanzkrise ein deutlicher Schuldenabbau stattgefunden habe, bleibe die Verschuldung gemessen am Einkommen und an den Vermögenspreisen vielfach hoch. Das könnte weitere Anpassungen erfordern, damit tragbarere Schuldenstände erreicht werden. In den USA sei die Talsohle erreicht, meint die BIZ. Für Großbritannien und etliche mittelosteuropäische Länder sei die Lage nicht ganz klar. Die BIZ appelliert an die Politik, Finanzzyklen besser als bisher im Auge zu behalten. Wegen der langen Dauer sei die Gefahr generell hoch, dass dies vernachlässigt werde. Während Konjunkturzyklen zwischen einem und acht Jahren andauern, erstrecken sich Finanzzyklen laut BIZ über zehn bis 20 Jahre. Dabei ist die jüngste Krise noch längst nicht überstanden. Sogar bei den derzeit außerordentlich niedrigen Zinssätzen müsste das Verhältnis von Kreditvolumen zu BIP im Durchschnitt um etwa 15 Prozentpunkte gesenkt werden (in USA und UK um 20 Punkte), damit die Schuldendienstquote auf ihren historischen Durchschnittswert zurückkehrt. Als Königsweg zum Schuldenabbau auf tragfähige Niveaus sieht die BIZ weder Inflation, noch Wachstum, sondern Schuldenstreichung. Die Behörden sollten die Kreditgeber dazu anhalten, Verluste abzuschreiben. „Zweitens sollten sie ihnen Anreize bieten, Kredite umzuschulden und damit den Schuldnern eine realistische Chance zu geben, ihre Schulden zu tilgen.“

Fazit: Der Höhepunkt des Finanzzyklus fällt nach den Untersuchungen der BIZ tendenziell mit Bankenkrisen oder beträchtlichen finanziellen Anspannungen zusammen. Daher Vorsicht mit Investitionen in den oben genannten Ländern!

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