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Wie sich Unternehmen auf die Folgen der Erderwärmung vorbereiten können

Risikomanagement des Klimawandels

Das Coverbild der BIZ-Studie The green swan von Januar 2020. © BIZ
Die Bank der Notenbanken (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ) befasst sich in einer Studie mit den ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Geschäftstätigkeit von Unternehmen und den weiteren Folgen für die Stabilität des Finanzsystems. Die Studie enthält zahlreiche Anregungen für Unternehmen, Risiken und Chancen besser abzuschätzen und konkrete Maßnahmen einzuleiten. Auch bisher wenig betrachtete Risikofelder nimmt die BIZ in den Blick.

Unternehmen sollten sich verstärkt mit den Risikopotentialen des „Klimawandels“ für ihr Geschäft auseinandersetzen. Denn es kann künftig verstärkt zu unerwarteten und erheblichen Geschäftsausfällen kommen. Darauf weist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in einer heute veröffentlichten Studie hin (The Green Swan).

Die wesentlichen Risiken aus Unternehmersicht sind:

Preisschocks:

Es kann sein, dass Politik sehr viel kurzfristiger und massiver handeln muss als beabsichtigt. Die niederländische Zentralbank hält bspw. eine abrupte Einführung einer CO2-Steuer in Höhe von 100 USD für möglich.

Technologie-Risiko:

Bei einer raschen Entwicklung erneuerbarer Energien sinkt der Wert von Technologien, die von fossilen Brennstoffen abhängen, drastisch. Es kommt zu entsprechenden Kapitalabschreibungen.

"Gestrandete Vermögenswerte"

Hinweis: Allein die Verluste aus „gestrandeten Vermögenswerten“ liegen zwischen 1 Billion bis hin zu 18 Billionen US-Dollar. Das besagen Schätzungen verschiedener von der BIZ zitierter Institutionen. Gestrandete Vermögenswerte sind vor allem die im Boden verbleibenden fossilen Brennstoffe.

Auf gleiche Weise variieren die Investitionsschätzungen erheblich. Um die globale Erwärmung auf 1,5° C zu begrenzen, werden Summen von 150 Mrd. USD bis 1.700 Milliarden USD (Basisjahr 2010) genannt. Die Gesamtinvestitionen in kohlenstoffarme Energie schwanken zwischen 0,8 Bio. USD und 2,9 Bio. USD. Die für den Zeitraum 2015–30 erforderlichen globalen Investitionen in eine nachhaltige Infrastruktur reichen von weniger als 20 Billionen bis fast 100 Billionen US-Dollar.

Kreditrisiko

Es kann zu einer Verschlechterung der Fähigkeit der Kreditnehmer kommen, ihre Schulden zu tilgen. Das führt zu höheren Ausfallwahrscheinlichkeiten. Möglicherweise müssen zur Besicherung genutzte Vermögenswerte plötzlich abgeschrieben werden.

Liquiditätsrisiko

Besonderen Risiken sind Banken und Versicherer ausgesetzt mit Rückwirkungen auf den Gesamtmarkt. Banken, deren Bilanz von Kredit- und Marktrisiken betroffen wird, können sich kurzfristig nicht refinanzieren. Das dürfte zu Spannungen auf dem Interbanken-Kreditmarkt führen.

Versicherungsrisiko

Höhere Auszahlungen für Versicherungsansprüche als erwartet; im Umkehrschluss potenzielle Unterbewertung neuer Versicherungsprodukte für umweltfreundliche Technologien. Die Ergebnisse des Klimastresstests zeigen allein Verluste von bis zu 11% der Aktiva für Versicherer und bis zu 3% für Banken.

Erhebliche Risiken liegen auch in den Erneuerbaren Energien als „Lösungsmittel“ selbst. So sei „die Unterbrechung erneuerbarer Energien ein erhebliches Problem, das häufig übersehen wird“.

Regionale Risiken

Die USA und Kanada könnten aufgrund des Banns auf fossilen Brennstoffen verpflichtet sein, die Förderung von Öl sofort einzustellen. Das würde sich erheblich auf die Produktion ihrer Volkswirtschaften auswirken. China verbrauchte 2018 die Hälfte der weltweiten Kohle. Es könnte künftig zu stark steigenden Importpreisen für fortgeschrittene Volkswirtschaften, stark sinkenden Unternehmensgewinnen in Asien und möglichen Verlagerungen bestimmter wirtschaftlicher Aktivitäten kommen. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf die globalen Ungleichgewichte haben.

Gesellschaftliche Risiken

Findet der kohlenstoffarme Übergang genügend gesellschaftliche Akzeptanz?

Politische Risiken

Werden die Probleme eher gemeinsam gelöst und nach Ausgleichsmechanismen gesucht und diese akzeptiert? Oder kommt es eher zu einem Gegeneinander der großen bzw. der stark und weniger stark betroffenen Volkswirtschaften und zu neuen Spannungen? Insbesondere vor dem Hintergrund einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und der Annahme fortgesetzt anämischen Wachstums.

Oftmals unzureichend im Blick sind neue Haftungsrisiken.

Die BIZ nennt Beispiele: PG & E, der Eigentümer des größten kalifornischen Elektrizitätsversorgers, meldete Anfang 2019 Insolvenz an. Das Unternehmen war nach verheerenden Bränden verklagt worden, weil es sein Netz nicht an die Risiken angepasst hatte. Darüber hinaus laufen mehrere rechtliche Schritte gegen Energie-, Öl- und Gasunternehmen. Sie werden häufig von Städten oder NGOs eingeleitet, um Entschädigung für klimabedingte Katastrophen oder die Nichteinhaltung ihrer Geschäftspläne gemäß dem Pariser Übereinkommen zu fordern.

Chancen ebenfalls mit Vorsicht beziffern

Den Risiken stehen natürlich auch Chancen entgegen. UNEP-FI (2019) schätzt, dass die Gewinne, die ein Universum von 30.000 Unternehmen beim Übergang zu einer Welt mit 2° C erwirtschaftet, sich auf 2,1 Billionen USD belaufen könnten. Die BIZ empfiehlt allerdings, diese Zahl mit Vorsicht zu genießen. 
Hinweis: Wir haben für Sie eine Checkliste zur Folgeabschätzung des Klimawandels im Unternehmen zusammengestellt.
Fazit: Die Unsicherheit über die tatsächlichen Auswirkungen des Klimawandels ist enorm groß. Deshalb dürfte die wichtigste Managementaufgabe sein, das Unternehmen möglichst flexibel und (rasch) anpassungsfähig zu halten/machen. Hinweis: Eine ausführliche Variante dieses Textes können Abonnenten im Internet lesen.
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