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Merck Finck Quintet, TOPS 2022, Beratungsgespräch

Ganzheitlich und überzeugend

Wie schlagen sich Merck Finck a Quintet Private Bank im Markttest TOPS 2022? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Bei Merck Finck fühlt sich der Kunde der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz nicht nur gut, sondern umfassend beraten. An einer Stelle ist es dann aber kurioserweise zu viel und gleichzeitig auch zu wenig des Guten.

Im vergangenen Jahr noch Merck Finck Privatbankiers, nun „Merck Finck a Quintet Private Bank“. Auch im Merck Finck Vorstand gab es im vergangenen Jahr einen Wechsel. Matthias Schellenberg verließ auf eigenen Wunsch das Unternehmen. Ihm folgte Thomas Rodermann, der sich bereits als Deutschlandchef der UBS und bei der Deutschen Bank in leitender Funktion im Bereich des Privat- und Geschäftskundenmanagements einen Namen gemacht hat. Macht sich der Wechsel in der Beratungsqualität bemerkbar?

In der Vergangenheit belegte Merck Finck immer wieder gute Plätze im oberen Mittelfeld der TOPS-Ratings der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz. In der Ewigen Bestenliste belegt die Privatbank immerhin den 16. Platz. Und nach der Leistung die wir in diesem Jahr erlebt haben, geht es vielleicht ein paar Plätze nach oben?

Der Kunde und sein Anliegen

  • 27 Jahre alt
  • 3,5 Mio. Euro Anlagevermögen aus Immobilien-Verkauf (Steuern müssen noch abgezogen werden)
  • die aktuellen und noch kommenden wirtschaftlichen Schäden der Corona-Pandemie, die gestiegene Staatsverschuldung, künftige Pleiten von Unternehmen und kleinen Geschäften etc., die anziehende Inflation beunruhigen
  • Kapitalerhalt als unterstes Renditeziel
  • Auf Sicherheit bedacht

Stärken der Beratung

Der Merck Finck-Berater kann uns vor allem von seiner fachlichen Kompetenz überzeugen. Während des Beratungsprozesses ist der Berater sichtlich darum bemüht, den verunsicherten Kunden mit Zuversicht zu überzeugen. Dafür zieht er das Research und den makroökonomischen Ausblick von Merck Finck heran, den der Kunde auch im Anlagevorschlag wiederfinden wird. Der Ausblick verweist auf drei Faktoren:

  • Der Konjunkturzyklus zeigt nach der Corona-Pandemie eine starke Erholung an. Das gelte vor allem für die USA und China. In den USA sei vor allem Joe Bidens Infrastrukturprogramm ein großer Treiber. Europa hinke Lockdown-bedingt hinterher.
  • Die Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken werde nicht so schnell abbrechen, da die Phase höherer Inflation laut Merck Finck nur vorübergehend sei.
  • Die politischen Risiken seien vorerst eingedämmt.

Aus heutiger Sicht war der Inflationsausblick von Merck Finck wohl etwas optimistisch. Im Mai 2021 war das jedoch noch die Konsensmeinung der meisten Analysten. Uns gefällt, dass Merck Finck eine klare Meinung hat und diese auch dem Kunden verständlich und durchaus schlüssig präsentieren konnte.

Gut moderierter Dialog

Der Berater zeigt aber trotz seines Optimismus auch Verständnis für die Sorgen des Kunden. Er erläutert im Gespräch, dass das unterste Renditeziel „Kapitalerhalt“ nur über entsprechende Investments in Aktien erreicht werden könne. Anleihen würden kaum Rendite abwerfen und würden zudem auch immer risikoreicher.

Gut gefällt uns, dass der Berater mit dem Kunden in einen Dialog über dessen Risikotoleranz tritt. Bei vielen anderen Häusern blieb das aus – am Ende wurde eine bestimmte Risikotoleranz dann oft einfach angenommen. Nicht so bei Merck Finck – Berater und Kunde verständigen sich auf 20 bis 25%, die das Portfolio zwischendurch nach unten sacken dürfte. Hier besteht für den Kunden ein echter Mehrwert in der Beratung – ohne den Berater wäre ihm seine Risikoneigung nicht bewusst gewesen.

Ganzheitlich kommt gut an

Was uns noch gefällt, ist die Ganzheitlichkeit mit der Merck Finck berät. Als der Berater bereits im Vorgespräch erfährt, dass das Vermögen des Kunden aus dem Verkauf einer Immobilie stammt, erkundigt er sich sofort, ob es noch steuerliche Aspekte zu berücksichtigen gibt. Auch bietet er an, einen Vermögensplaner zur Beratung hinzuzuziehen, um steuerliche und rechtliche Aspekte professionell zu betreuen. Dabei geht er auch über die auf der Hand liegende Erbschaftssteuer hinaus und bietet noch Hilfe bei der Spekulations- und Gewerbesteuer an (im vererbten Objekt leben immerhin 55 Parteien). Insgesamt fühlt der Berater dem Kunden in angenehmer Weise gründlich auf den Zahn.

Der Berater klopft im Beratungsgespräch auch den Aspekt nachhaltige Geldanlage ab, beendet den kleinen Exkurs aber, als er erfährt, dass das für unseren Kunden nicht relevant sei. Nachhaltigkeit ist allerdings dennoch bereits integrativer Bestandteil des Investmentprozesses bei Merck Finck. So geht es aus dem Anlagevorschlag hervor. Kontroverse Branchen (Rüstung, Tabak, Pornografie) werden also schon im Fall "unseres" Kunden ausgeschlossen, auf Wunsch hätte dieser es sogar noch spezieller haben können.

Der Anlagevorschlag im Detail

Der Anlagevorschlag benennt die Renditeerwartung klar: 3,72% sollen nach Kosten und vor Steuern erwirtschaftet werden. Dafür investiert Merck Finck zu 48% in Aktien, 39% in Anleihen und zu kleinen Teilen in Gold und Immobilien. In der Corona-Krise gab dieses Portfolio um 22% nach – das liegt in der vereinbarten Verlusttoleranz.

Zwei Gebührenmodelle bietet Merck Finck dem Interessenten an: Das eine ist eine schlanke All-in-Gebühr i.H.v. 0,75% p.a. Daneben gibt es auch die Möglichkeit einer erfolgsabhängigen Vergütung d.h. 0,65% p.a. + 20% auf alle Erträge ab dem Zeitpunkt, an dem das Portfolio eine Wertsteigerung von 4% aufweist.

Schwächen der Beratung

Doch ganz ohne Kritik kommt unser diesjähriges Erlebnis bei Merck Finck nicht aus. Das Thema „Vermögensabsicherung“ wird im Anlagevorschlag nicht explizit erwähnt – schade, dabei hatte der Berater es im Beratungsgespräch so gut erkannt! Auch ist nicht klar, wie sich die Markteinschätzung auf die Portfoliozusammensetzung auswirkt. Wenn Merck Finck der Ansicht ist, dass sich die US-Wirtschaft besser entwickeln wird als die Europas, warum sind dann europäische und US-Titel zu beinahe gleichen Teilen gewichtet, fragt sich der Kunde? Dafür gibt es sicherlich Gründe, aber man hätte sie gerne gelesen. Auch die laut Berater "immer unsichereren" Anleihen erhalten trotz dieser Einschätzung mit 39% ein verhältnismäßig hohes Gewicht.

Mit 70 Seiten schickt uns Merck Finck einen überaus umfangreichen Anlagevorschlag – das haben andere Häuser schlanker und punktgenauer hinbekommen. Auch, dass sich der Kunde erstmal durch 19 Seiten kämpfen muss, bis es um ihn und sein Anliegen geht, gefällt dem Kunden nicht. Der vorangestellte makroökonomische Ausblick hätte sicher auch an einer hinteren Stelle im Anlagevorschlag ausreichend Beachtung gefunden.

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Fazit: Der Berater kann vor allem im Beratungsgespräch mit seiner Fachlichkeit überzeugen. Der Kunde fühlt sich ernst genommen und auch der Anlagevorschlag ist auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten. Gern hätte dieser allerdings noch deutlicher die Übertragung seiner Wünsche für Vermögenschutz in der Ausgestaltung des Anlagevorschlags wiederentdeckt.

Empfehlung: Trotz kleinerer Schwächen überwiegt die fachliche Leistung bei Merck Finck. Damit hat sich das Haus für die Endauswahl im Beauty Contest qualifiziert.

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die FUCHS|RICHTER Prüfinstanz  erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die FUCHS|RICHTER Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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