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Das Märchen von des Kaisers neue Kleider oder

Stoppt den deutschen Klima-Elektro-Wahn

Fuchsbriefe-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Verlag FUCHSBRIEFE
Ich will an dieser Stelle nicht die Grundsatzdiskussion zu den Folgen einer Erderwärmung führen, auch wenn ich mich dazu bekenne, skeptisch gegenüber allzu weitreichenden Prognosen auf diesem Gebiet zu sein und mir nicht die schlimmsten Szenarien zu eigen mache. Doch egal, als wie ernst man die Situation ansieht: Wir sollten nicht den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen: die Industrie, die nun wahrhaftig keine Dreckschleuder mehr ist, meint FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber

Die Weltwirtschaft wächst. Ja, Sie sehen richtig, verehrte Leser, ausweislich des IWF um 3,0% in diesem und im nächsten Jahr. Und dennoch ist die wirtschaftliche Weltuntergangsstimmung hierzulande verständlich. Denn es gibt unter den großen Industrieländern dieser Welt genau eins, das nicht wächst: Deutschland. -0,3% bekommen wir bescheinigt, noch ein Tick schlechter als im April (-0,2%). Die Auftragslage lässt zudem vorerst nicht auf bessere Zeiten hoffen.

Damit bewahrheitet sich eine Annahme, die ich bereits vor einiger Zeit getroffen habe. Deutschland wird statt zum Vorbild zum abschreckenden Beispiel für die Klimawende. Auch wenn die Bundesminister und der Bundeskanzler zusammen mit einigen Ökonomen ebenso eintönig wie einfältig Gelassenheit und Optimismus für eine ferne Zukunft predigen, in der die Wende dann vollendet und das Klima einschließlich der Welt durch das deutsche Vorbild gerettet sein werden: Was sich abspielt ist ein Desaster. Unter der CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem endgültigen Atomausstieg eingeleitet, stolpert dieses Land, stolpert die gesamte Europäische Union haltlos und orientierungslos in eine selbst gemalte rosige Zukunft, die weit an den ökonomischen Realitäten vorbeigeht. Und man glaubt immer noch ernsthaft, der Welt damit als Beispiel dienen zu können.

Weil niemand ein Depp sein will, machen sich alle zu Deppen

Ich habe den Eindruck, Hans Christians Andersens Märchen von des Kaisers neue Kleider zu lesen: Die Erwachsenen staunen über Samt und Seide, die der Kaiser in den vermeintlich höchsten Qualitäten trägt, und keiner traut sich das zu sagen, was schließlich Kindermund kund tut: Der hat ja überhaupt nichts an. Warum? Weil ihnen gewitzte Verkäufer eingeredet haben, nur Deppen würden das Geschmeide nicht sehen können, und wer will schon ein Depp sein? Also machen sich alle zu Deppen.

Bleiben wir bei Deutschland. Der deutsche Beitrag zum weltweiten CO2-Ausstoß ist mit 2,0% lächerlich. Dies wurde nun schön häufig gesagt und geschrieben, dennoch hält es Klimaaktivisten und Gutgläubige nicht davon ab, speziell Deutschland zum Kernland der Klimawende zu machen. Doch der Brückenenergien Gas und Atom beraubt, sieht inzwischen jeder, dass der Plan – wenn es je einen Plan gab – in die Hose geht. Wir produzieren und importieren mehr schmutzigen Strom aus Kohle als zuvor. Die Industrie packt die Koffer, die Autoindustrie voran. Zu teuer, zu öde Perspektiven, denn auch die Demographie und Produktivität lassen hierzulande nicht auf bessere Zukunft hoffen. Schon gar nicht, wenn eine Bauministerin und stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken sich vorstellen kann, mit einer Vier-Tage-Woche „gute Ergebnisse zu erzielen“. Wie ignorant dürfen Minister:innen eigentlich sein?

China setzt auf Diversität

Und während hier noch immer das Hohe Lied vom E-Auto gesungen wird, investieren im vermeintlichen E-Auto-Vorzeigeland China große Autohersteller wie Geely, GAC, Dongfeng, Changan oder Chery kräftig in Verbrennungsmotoren. Sie sind überzeugt, dass die Zukunft nicht nur E-Fahrzeugen gehört. Die allwissende EU-Kommission aber setzt auf Elektro – gäbe es nicht die Intervention aus dem FDP-geführten Bundesverkehrsministerium – käme das Wörtchen „nur“ hinzu. Auch hier hört man beständig von den tollen Absatzerfolgen der E-Autos in Fernost. Doch seitdem dort die Subventionen für ebendiese weggefallen sind, bricht die Nachfrage ein.

Und wer diskutiert eigentlich die Gefahren der E-Autos beim Transport über die Weltmeere? 90% des Welthandels gehen über den Seeweg. Die beinahe im Wattenmeer – einem heiligen Ort für alle, denen Biodiversität am Herzen liegt – gesunkene Fremantle Highway hätte ein ökologisches Desaster angerichtet, weil ein nicht löschbares E-Auto brannte und den ganzen Kahn mit in Brand setzte. Was, wenn demnächst nicht 500, sondern 4.000 E-Autos auf einem solchen Carrier transportiert werden? Rein statistisch steigen damit auch die Risiken. Wie nachhaltig ist das eigentlich? Und was bedeutet das für E-Autobauer wie Tesla? Müsste hier kein Einbruch an den Börsen erfolgen?

Nachhaltigkeit als schärfstes Schwert modernen Industriepolitik

Nachhaltigkeit als Ausfluss der Klimadebatte ist längst zum schärfsten Schwert der modernen Industriepolitik geworden. Ratingagenturen – voran die US-amerikanische MSCI ESG – haben eine enorme Machtfülle erhalten, indem sie den Daumen für ein Unternehmen heben oder senken und sich aussuchen können, ob sie gerade den CO2-Ausstoß oder die gute Unternehmensführung höher gewichten. Werden sie jetzt ihre Gewichtungen für Tesla (Hauptsitz: Austin, Texas) und Co. ändern?

Und die Moral von der Geschichte? Wir brauchen eine Energie- und Klimapolitik, die dem Standort gerecht wird. Die an die Verbraucher und ihre Geldbeutel, die Unternehmen, den Sozialstaat und seinen finanziellen Bedürfnisse gleichermaßen denkt. Genau so funktioniert nachhaltige Politik. Und wir müssen den Elektrowahn bremsen. Möglichkeiten gibt es mehrere von der (zeitweisen) Rückkehr zur Kernenergie über Gas-Bezug aus Russland bis zur Exploration eigener Öl- und Gasvorkommen in den Tiefen der heimischen Erde.

Einen Tod muss man sterben

Keine Option ist ohne politische Schmerzen zu haben, aber die Schmerzen einer fortschreitenden De-Industrialisierung, die bei dieser Politik unausweichlich erfolgt, auch und insbesondere für unseren Wohlfahrtsstaat, sollten alle Parteien, insbesondere SPD und Linke, umtreiben. Und die Industrie sollte den Mund aufmachen und auch in Richtung Brüssel laut und deutlich sagen, wohin der derzeitige Kurs führt:

Ohne Industrie kein Wachstum, und ohne Wachstum kein Sozialstaat und ohne Sozialstaat kein innerer Frieden, schon gar nicht bei den enormen Belastungen aufgrund einer ungebremsten Zuwanderungspolitik hierzulande. Kurz: Machen wir so weiter, können wir ganz schnell auch die besten Klima-Vorsätze vergessen, meint Ihr Ralf Vielhaber
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