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Handelsstreitigkeiten USA-China erstrecken sich inzwischen auf das Öl

Ölkrieg der Supermächte

Hört man von den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, steht gewöhnlich die Autoindustrie im Mittelpunkt. Doch das Feld der Waren, die betroffen sind weitet sich immer mehr aus. Inzwischen geht es auch um bedeutende Rohstoffe.

Der amerikanische-chinesische Handelskonflikt beeinflusst zunehmend den Preis von Mineralöl. Anfang September hatte Peking einen Zollsatz von 5% auf amerikanisches Rohöl eingeführt. Als erster direkt davon betroffen wurde der größte chinesische Raffineriebereiber, Sinopec. Er hatte zu diesem Zeitpunkt sechs Supertanker mit amerikanischem Öl auf hoher See. Sinopec ging davon aus, dass der neue Zoll jedes Fass Rohöl um bis zu drei Dollar verteuern würde und liess daraufhin die sich nähernden Tanker nicht zum Löschen anlegen. Zumindest die Ladungen von drei Tankern wurden anschließend an das indische Raffinerieunternehmen Bharat Petroleum verkauft. Für eine Tankerladung verhandelt Sinopec derzeit mit den chinesischen Behörden über eine Befreiung vom neuen Zoll. Begründung: Dieser Tanker habe bei Einführung der Zollbelastung bereits vor dem Hafen Tianjin gelegen.

China setzt weitere Nadelstiche gegen Washington. Kurz nach der Einführung des neuen Öl-Zollsatzes hat Peking den erfolgreichen Abschluss der 2016 begonnen Mineralöl-Verhandlungen mit Iran bestätigt. Danach sollen von chinesischer Seite in den nächsten fünf Jahren insgesamt 280 Mrd. USD in die iranische Mineralölwirtschaft investiert werden. Das betrifft vor allem Anlagen zur Förderung von Öl und Gas sowie petrochemische Betriebe. Im Gegenzug erhält China einen Nachlass von 12% auf alles Öl, Gas und alle petrochemischen Produkte, die in Iran bestellt werden.

China muss die Reaktion der Amerikaner durchaus fürchten

Es ist eine deutliche Reaktion der USA zu erwarten. Seit der Aufkündigung des Nuklearvertrags mit Iran im Mai dieses Jahres fuhr Washington einen zunehmend härteren Kurs gegenüber Iran. Erstes großes Opfer war der bedeutendste chinesische Rohölimporteur, das Staatsunternehmen Zhuhai Zhenrong. Ihm wurde vorgeworfen, die amerikanische Iran-Sanktionen durchbrochen zu haben. Trotz Protesten aus Peking blieb Washington hart. Zhuhai Zhenrong wurden daraufhin derzeit jegliche Devisen-, Bank und Immobiliengeschäfte unter amerikanischer Jurisdiktion verboten.

Schon jetzt leiden Iran wie China unter den amerikanischen Maßnahmen. 2018 hatte China täglich 2,5 Mio. Faß iranisches Öl eingeführt. Im laufenden Jahr ist diese Menge auf bisher nur noch 215.000 Barrel am Tag gefallen. Zumindest in der ersten Hälfte dieses Jahres ist auch der Import venezolanischen Rohöls durch China um 13% gegenüber Vorjahr gefallen. Sowohl Südkorea als auch Indien haben die Einfuhr iranischen Öls in diesem Jahr weitgehend durch amerikanisches Öl ersetzt.

Fazit

Chinas Ankündigungen sind mit Vorsicht zu genießen. Peking neigt bei Spannungen mit USA dazu, die Muskeln anzuspannen. Bei der Umsetzung der Vorhaben hält sich China anschließend oft stark zurück. Wie deutlich also der Ölpreis am Ende aufgrund der chinesischen Maßnahmen anzieht, ist ungewiss.

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