Sichere Vermögensverluste
Die Realrendite ist inflationsbedingt seit Ende 2021 negativ. Immerhin: Seit zwei Quartalen ist ein deutlicher Aufschwung festzustellen. Lag die Realrendite der Deutschen Ende 2022 noch bei beinahe -10%, sind es im 2. Quartal 2023 wieder etwas mehr als -4%. Und ebenfalls positiv: Die Verschuldungsquote der Deutschen bleibt stabil.
Die Zinsen sind noch nicht hoch genug, um die Inflation auszugleichen
Die Realrenditen werden auch im 2. Halbjahr nicht in den positiven Bereich klettern. Das hat zwei Ursachen: Einerseits ist die Inflationsrate weiter hoch (akt. 4,5%). In den Wintermonaten droht die Teuerung angesichts kletternder Energiepreise wieder zu steigen. Zum anderen spricht die Verteilung des Geldvermögen dagegen. 41,8% stecken in Bargeld und Einlagen. 30,6% schlummern in Versicherungs- und Altersvorsorgesystemen. Nur 12,3% stecken in Investmentfonds, 12,6% in Aktien.
Die Kapitalströme deuten an, dass die Minimierung inflationsbedingter Verluste bei hoher Sicherheit für viele Deutsche derzeit aber Priorität hat. Oder - das wäre die pessimistischere Interpretation - ihnen der Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite nicht bewusst ist. Denn im 2. Quartal schichteten sie 43 Mrd. Euro in Termineinlagen (Festgelder) um. Auch Schuldverschreibungen (Anleihen) wurden mit 21 Mrd. Euro stark angesteuert. Bei beiden gibt es inzwischen wieder Zinsen, die weit über dem Niveau der Vorjahre liegen. Die Inflationsrate können sie nicht ausgleichen.
Privathaushalte meiden Aktien
Wer Renditen oberhalb der Teuerungsrate erwirtschaften will, muss dafür höhere Risiken eingehen. Aktien sind hierfür das probateste Mittel. Darin investierten die privaten Haushalte im 2. Quartal aber nur 1 Mrd. Euro. Das ist der niedrigste Wert seit 2016. Ohne Aktien lassen sich reale Vermögensverluste allerdings bestenfalls begrenzen.