Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
3256
Corona-Schulden

Sozialkassen bereiten Probleme

Die Neukredite für die Corona-Rettungsmaßnahmen treiben die Verschuldung Deutschlands in die Höhe. Zur Rückführung der Schulden wird nach Ansicht der meisten Wirtschaftsforschungsinstitute die Einhaltung der Fiskalregeln ausreichen - wie schon nach der Finanzkrise. Ein Institut erwartet allerdings eine grundlegend andere Situation.

Die gigantisch anmutenden Corona-Neuschulden Deutschlands können über strikte Fiskalregeln, also die Schuldenbremse und die schwarze Null als Finanzpolitik-Ziel abgebaut werden. Das 2. deutsche Wirtschaftswunder nach der Finanzkrise von 2008 soll sich also wiederholen. Davon gehen zumindest die Wirtschaftsforscher bei DIW, Ifo, RWI und IfW auf FUCHSBRIEFE-Nachfrage aus.

Steuererhöhungen oder Sparpakete wären demnach nicht nötig. Dieser Weg funktionierte zumindest nach der Finanzkrise. Von 2008 bis 2010 stiegen die Schulden von 65% auf 82% des BIP. Durch das starke Wirtschaftswachstum und die niedrigen Zinsen fielen die Schulden wieder auf etwa 59% im vergangenen Jahr. Mit den schon beschlossenen Hilfsmaßnahmen und derzeit diskutierten nationalen Konjunkturprogrammen wird die Verschuldung Ende 2020 wohl 80% erreichen. Kommt der EU-Fonds so, wie vorgestern von Merkel und Macron vorgestellt, steigt sie auf etwa 85%.

Tilgung ohne Steuererhöhungen innerhalb von zwanzig Jahren

Die Rückführung der Verschuldung wird nach Tilgungsplan des Bundes 20 Jahre dauern. Die für die Tilgung erforderlichen fünf Mrd. Euro zusätzlich im Jahr sieht der IfW auch bei schwacher Konjunktur als tragbar an. Ähnlich ist die Lage bei den Ländern. Dort fallen etwa 2 Mrd. Euro (oder 0,5% das Haushalts) zusätzliche Tilgung über die nächsten zwanzig Jahre an. 

Wirtschaft muss sich dafür schnell erholen

Die Sache hat allerdings einen Haken. Voraussetzung dafür ist nämlich, dass die Wirtschaft schnell wieder anspringt und die Wirtschaftsleistung nach dem scharfen Einbruch im April wieder deutlich steigt. Das ist im Moment noch offen. Selbst die genauen Zahlen, wie sehr die Wirtschaft nach dem Shutdown im April geschrumpft ist, kommen erst nächste Woche.

ZEW rechnet mit schwacher Wirtschaft und Steuererhöhungen

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht die Angelegenheit denn auch weit weniger entspannt. Das  ZEW geht nämlich  davon aus, dass die guten Jahre vorbei sind. Konjunkturprogramme werden die Verschuldung stärker als auf 85% steigen lassen und die Wirtschaft sich nur sehr langsam erholen. Eine Position, der wir uns anschließen.

Die Folge: Die Fiskalregeln werden daher doch nicht ausreichen, um die Schulden zu verringern. Sparmaßnahmen und Verteilungsdiskussionen der frühen Zweitausender-Jahre werden zurückkommen. Dabei sollte die Arbeit nicht mit weiteren Kosten belastet werden, weder bei den Einkommensteuern, noch bei den Sozialabgaben, so das ZEW. Auch die Gewinnsteuern für Unternehmen sind im internationalen Vergleich schon hoch. Steuererhöhungen bei der Mehrwertsteuer, den Grundsteuern und der Erbschaftssteuer bieten sich dagegen aus Sicht des Mannheimer Instituts an.

Sozialkassen mit steigenden Kosten

Anders als bei der Verschuldung sieht es bei den Sozialkassen aus. Die Reserven in Höhe von 100 Mrd. Euro Ende 2019 bei Krankenkassen und Rentenversicherung dürften schon in diesem Jahr aufgebraucht werden (FB vom 18.5.2020). Stetige Kostensteigerungen bei der GKV und die Verrentungswelle der Babyboomer-Generation treiben die Beitragssätze in den nächsten Jahren in die Höhe. Um ständig steigende Renten-Beitragssätze zu verhindern, schlägt das ZEW eine Anhebung des Rentenalters vor. Das würde auch die Bundeszuschüsse senken und so den Bundeshaushalt entlasten. Zudem setzt das ZEW auf die (Wieder-)einführung von Studiengebühren.

Fazit: Selbst wenn sich die Wirtschaft schnell erholt und die Fiskalregeln ausreichen, um die Schulden von Bund und Ländern wieder zurückzufahren – die Abgaben werden in den kommenden Jahren wieder steigen und die Wirtschaftsentwicklung belasten.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • In Kooperation mit Finanzoo

Anglogold verkaufen

Übereinandergestapelte Goldbarren. © Filograph / Getty Images / iStock
Unsere Spekulation auf einen steilen Anstieg der Gold-Aktien ist sogar noch weiter gelaufen. Die automatische Bilanzanalyse von Finanzoo zeigt nun aber an, dass die Aktie fundamental in die Überbewertung hineinläuft. Wir realisieren unseren Gewinn.
  • Fuchs plus
  • DIHK lädt zur Diskussion ein

Investitionsschutz für den Ukraine-Aufbau

Ukraine. © Harvepino / Getty Images / iStock
Noch tobt der Ukraine-Krieg, aber bereits jetzt gibt es Überlegungen, wie die Ukraine wieder aufgebaut werden kann. Für Unternehmen eine relevante Frage: Wie lassen sich Risiken abmildern? Um diese Fragen zu klären, lädt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Ende Januar zum Gespräch ein.
  • Deutschland muss einfacher werden

Wie der Fachkräftemangel zum Segen werden kann

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber
In Deutschland herrscht Personalnot. Zudem ist das Land überreguliert. Beides gehört zusammen. Wir und unsere Politiker werden dazu umdenken müssen. Je rascher desto besser, meint FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. Dann kann aus dem Fluch des Fachkräftemangels ein Segen für das Land werden.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • In Kooperation mit Finanzoo

Anglogold verkaufen

Übereinandergestapelte Goldbarren. © Filograph / Getty Images / iStock
Unsere Spekulation auf einen steilen Anstieg der Gold-Aktien ist sogar noch weiter gelaufen. Die automatische Bilanzanalyse von Finanzoo zeigt nun aber an, dass die Aktie fundamental in die Überbewertung hineinläuft. Wir realisieren unseren Gewinn.
  • Fuchs plus
  • Strompreise werden 2023 stark steigen

Zweiter Energiepreis-Schock für deutsche Unternehmen

Stromzähler Close-Up © ghazii / stock.adobe.com
Die Strompreise für Unternehmen werden in diesem Jahr stark steigen. Denn es laufen bremsende Sonderfaktoren aus und viele Unternehmen müssen ihre Verträge verlängern. Das wird die Kosten in einigen Branchen erheblich anheben. FUCHSBRIEFE haben sich eine tiefe Analyse der Allianz angesehen und zeigen die Folgen für Unternehmen und den Standort Deutschland auf.
  • Fuchs plus
  • Weniger als die Hälfte der Unternehmen nutzen die Forschungsförderung

Nutzen Sie die attraktive Forschungszulage

Stapel aus Euro-Münzen © weyo / Fotolia
Die Forschungszulage kann seit Anfang 2020 beantragt werden. Damit können forschende Unternehmen einen Teil ihrer Forschungsausgaben als Förderung erhalten.
Zum Seitenanfang