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Börseneinschätzung vom 19. Dezember 2019

Abschied nahe der Allzeithochs

Das Börsenjahr 2019 verabschiedet sich scheinbar ohne böse Überraschungen wie etwa jene im Dezember 2018. Nahe der Allzeithochs geht den Börsen allmählich die Puste aus, halten tun sie dennoch. Diese Ruhe ist bemerkenswert, sind doch im Jahr 2019 Realwirtschaft und Aktienbewertungen immer weiter auseinander gedriftet.

Kurz vor dem Jahresende geht dem DAX allmählich die Puste aus. Angesichts des durchwachsenen Konjunkturbildes – die US-Notenbank Fed hat ihren Ausblick gerade erneut gesenkt – fehlt der Mut für neue Käufe in großem Stil. Die Rückendeckung der Geldhüter ist aber weiterhin vorhanden. Daher gibt es an den Börsen bisher auch keinen Verkaufsdruck.

Aller Voraussicht nach wird sich das Börsenjahr somit in etwa auf dem aktuellen Niveau aus dem Jahr schleichen. Die großen Börsen wie DAX, Dow und Nikkei werden dann zum Jahresende eine sehr ordentliche Performance von 20% + X abgeliefert haben. Die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq notieren auf Allzeithochs, der Dow knapp darunter. Der DAX ist etwas abschlagen und kann der aktuellen Dynamik der US-Börsen nicht folgen.

Steigende Aktienbewertungen trotz sinkender Unternehmensgewinne

Diese Kursgewinne sind schon fast sensationell angesichts der nun schon eine geraume Zeit sinkenden Unternehmensgewinne. Darauf hat Peter van der Welle vom Asset Manager Robeco nochmal sehr treffend hingewiesen. Seit das Wachstum der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2018 an Dynamik verliert, sehen wir einen „Bullenmarkt ohne Gewinnwachstum".

Die Unternehmensgewinne haben ihren konjunkturellen zyklischen Peak schon lange überschritten. Die Aktienmärkte rennen aber weiter auf ihre historischen Höchstkurse an. Die Börsen sind dabei lediglich von der Hoffnung getrieben, dass es eine Lösung im Zollstreit zwischen den USA und China gibt. Und dass die Notenbanken weiter ordentlich Liquidität ins System spülen.

Weltkonjunktur als entscheidender Taktgeber

Dieses Auseinanderdriften von Realwirtschaft und Aktienbewertungen kann wie in den vergangenen Monaten gut gehen. Die Korrekturrisiken sind aber nicht unerheblich. Darum ist die konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft im nächsten Jahr sehr wichtig. Nur wenn sie sich berappelt, werden die Aktienmärkte keine größere Korrektur erleben. Andernfalls werden die Märkte, die sich momentan in der Spätphase des Konjunkturzyklus befinden, einen kräftigen Abschwung erleben. Nach über 10 Jahren Hausse wäre das sogar gesund.

Ein Signal der Stabilisierung sendet der aktuelle ifo-Index. Der ist im Dezember gestiegen. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Zukunftserwartungen haben sich verbessert. Das BIP für 2020 wird nun mit einem Plus von 1,1% erwartet. Das ist doppelt so viel wie 2019 (voraussichtlich +0,5%).

Der Euro arbeitet am Turnaround

Der Euro signalisiert ebenfalls, dass sich die Lage in Europa bessert. Die Gemeinschaftswährung arbeitet weiter an ihrer Trendwende gegen den Dollar. Der Euro ist gerade dabei, sich über den langfristigen Abwärtstrend bei 1,11 EUR/USD abzusetzen. Gelingt das, hat die Währung Potenzial bis 1,15. Ein Problem für die deutsche Exportwirtschaft wäre das noch nicht.

Fazit: Die Börsen verabschieden sich nahe ihrer Höchstkurse aus dem Jahr 2019. Grundsätzlich neue Impulse erwarten wir erfahrungsgemäß erst ab Mitte Januar. Daher wünschen wir Ihnen jetzt ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Die nächste Kap-Ausgabe erhalten Sie am 2.1.2020.

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