Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1219
Mitten in den Haushaltsplanungen spielt der Wirtschaftsminister mit den Wachstumszahlen

Prognose absichtlich auf Sand gebaut

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz Copyright: Picture Alliance
Das CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium dämpft mitten in den Haushaltsberatungen die Wachstumserwartung für 2018 und setzt die Prognose für 2019 deutlich nach oben. Das ist ein Signal an zwei Minister. Und eine Falle für einen weiteren.

Die neue Konjunkturprognose von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist ein Politikum ersten Ranges. Eine Revision von einem halben Prozent – von 1,7 auf 2,2 für das Jahr 2019 – ist wahrhaftig nicht von Pappe. Schon gar nicht kurz vor der nächsten Steuerschätzung und mitten in den Haushaltsberatungen. Zugleich setzt das BMWi die Erwartung für 2018 um 0,1%-Prozentpunkt niedriger an (FB vom 30.4.)

Die Prognose ist eine wichtige Kennzahl für die Steuerschätzer. Sie benennen Mitte Mai ihre Erwartungen für den mittelfristigen Zeitraum (laufendes Jahr plus vier Folgejahre). Die Wirtschafts- und Steuerprognose sind auch die Grundlage für den Haushaltsentwurf des Folgejahres und für die jährliche Fortschreibung der mittelfristigen Finanzplanung.

Scholz bekommt Rückendeckung

Altmaier stärkt Finanzminister Olaf Scholz (SPD) damit für den laufenden Haushalt den Rücken. Gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU). Beide brechen aus der Kabinettsdisziplin aus und wollen auf den in der Regierung bereits abgestimmten Haushalt ordentlich draufsatteln. Die Kanzlerin hält sich mit öffentlichen Kommentaren wie immer zurück. Sie lässt über Altmaier aber vermitteln: In diesem Jahr geht nicht mehr; aber dafür dürft ihr 2019 ordentlich zulangen.

Der CDU-Wirtschaftsminister bringt den SPD-Finanzminister perspektivisch dennoch in eine missliche Lage. Denn die Prognose baut auf Sand. Während die Stimmungsforscher der Wirtschaft wie das ifo-Institut und ZEW eine wirtschaftliche Abschwächung signalisieren, baut Altmaier auf fortgesetzten Boom.

Altmaiers Prognose fordert das Finanzministerium

Das BMWi prognostiziert wie die Institute immer auf Basis eines politischen Status quo. Die Stimmungsmesser von ifo & Co. jedoch nehmen auf, was die Unternehmer denken: nämlich dass die Handelsauseinandersetzung mit den USA das Wachstum dämpfen wird. Noch hat Donald Trump zwar nicht entschieden. Nur: Ob das eine gute Grundlage für eine Prognose ist, darf bezweifelt werden. Von kaufmännischer Zurückhaltung kann jedenfalls keine Rede sein.

Altmaier nimmt zumindest in Kauf, dass er Scholz' Reputation beschädigt. Und damit die der SPD. Der nächste Haushalt wird schon im Sommer gemacht. Grundlage werden dann die aktuellen Wachstumserwartungen und die aktuelle Steuerschätzung sein. Die Ministerien werden aufgrund dessen noch mal einen tiefen Schluck aus der Pulle nehmen. Und Scholz steht dann allein und mit dem Rücken zur Wand.

Fazit: Geht die Sache nach hinten los, verfestigt sich der Eindruck: die Sozen können's nicht. Motto: Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die schwarze Null gehalten; bei der SPD schafft nicht mal der Scholz so was.

Hinweis: Wir hatten in der Ausgabe vom 30.4. fälschlich von 2,7% Wachstum für 2018 gesprochen und bitten den Fehler zu entschuldigen.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Firmen brauchen Notkredite

Unternehmensfinanzierung im Krisenmodus

Die Unternehmen brauchen jetzt dringend Liquidität. © Picture Alliance
Die Corona-Krise schlägt vielfältig auf die Unternehmensfinanzierung durch. Politik und Geldpolitik versuchen, der harten Vollbremsung der Wirtschaft mit der Bereitstellung von Milliardensummen etwas entgegen zu setzen. Die Ziele sind klar – kurzfristige Hilfestellung für Unternehmen einerseits und Liquiditätsversorung der Märkte andererseits. Die realen Wirkungen überraschen aber zum Teil.
  • Fuchs plus
  • Produktcheck: Allianz Thematica

Immer die besten Zukunftstrends im Depot

Der Allianz Thematica setzt auf das Anlagethema Megatrends. Eines davon: sauberes Trinkwasser. Copyright: Pixabay
Es gibt Anlagemoden und Megatrends. Während Anleger bei den Moden kurzfristig gute Chancen finden, sind die Megatrends für langfristige Investments interessant. Die Schwierigkeit besteht für Anleger nur darin, diese Trends auszumachen und dann auch noch Aktien von Unternehmen zu finden, die besonders von diesen Trends profitieren. Ein Fonds hat sich genau das zur Aufgabe gemacht.
  • Fuchs plus
  • Es ist nicht alles rabenschwarz

Da geht noch was

Einen Wirtschaftseinbruch von bis zu 20,6 Prozentpunkte. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich massiv verschlechtert. Der vorläufige ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 87,7 Punkte eingebrochen – der stärkste Rückgang seit 1991 und der niedrigste Wert seit August 2009. Dennoch gibt es immer wieder Gründe, den Kopf nicht hängen zu lassen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Ausverkauft auf dem Weg nach oben

Gold will zum Allzeithoch

Der Goldpreis ist ordentlich angesprungen. Trotzdem ist das Edelmetall langfristig noch zu billig. Copyright: Pixabay
Der Goldpreis ist ordentlich angesprungen. Trotzdem ist das Edelmetall langfristig noch zu billig. Wer unserer Kaufempfehlung vor wenigen Wochen gefolgt ist, passt die Position jetzt an.
  • Fuchs plus
  • Öl läuft weiter

Opec+ nicht einig über Förderkürzungen

Der Streit um die hohen Ölfördermengen geht in die nächste Runde. Hinter verschlossenen Türen verhandelt die Opec+ am Freitag früh über Förderkürzungen. Nicht einmal der Beginn der Videokonferenz ist offiziell bekannt. Am Ölmarkt herrscht gespannte Ruhe. Liegt der OPEC+-Beschluss vor, wird der Ölpreis eine neue Richtung einschlagen.
  • Fuchs plus
  • Wochentendenzen für die Woche vom 9.4. bis 17.4.

Marktberuhigung

Die hohen Ausschläge an den Währungsmärkten lassen wieder nach. Die Forex-Märkte beruhigen sich wieder und gehen damit in das Osterwochenende. Neue Impulse erwarten wir erst danach - in Abhängigkeit der Corona-Entwicklung und einer Einigung der Opec+-Verhandlungen.
Zum Seitenanfang