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Ausnahmeregelungen im Gebäudeenergiegesetz geplant

Fernwärme ist nicht die Lösung des Heizungsproblems

Das Küstenkraftwerk der Stadtwerke Kiel - modernes Kraftwerk zur Erzeugung von Fernwärme. © Stadtwerke Kiel AG
Wer an das Fernwärmenetz angeschlossen ist, soll beim Heizungstausch keine Wärmepumpe einbauen müssen. Das geht aus einer Beschlussvorlage des Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Ist das der Weg, um das Heizungsgesetz praxistauglich zu machen?

Die jetzt diskutierte Lösung "Fernwärme" im Gebäudeenergiegesetz ist eine Blendgranate. Denn Fernwärme wird für viele Immobilieneigentümer und Vermieter (ergo Mieter) keine realistische Option sein. Geplant ist laut Bundeswirtschaftsministeriums, dass Hausbesitzer ihre alte Heizung weiterbetreiben (oder ersetzen) können, wenn die regionalen Versorger "verbindlich den Ausbau der Fernwärme verfolgen". Ist das der Fall, müssten keine Wärmepumpen eingebaut werden. 

Die Regierung verschiebt jetzt die Verantwortung von Immobilieneigentümern auf die Versorger. Wenn diese die Fernwärmeversorgung ausbauen wollen, müssten Eigentümer alte fossile Heizungen nicht ausbauen. Bisher werden aber nur etwa 14% aller Haushalte mit Fernwärme versorgt (6,1 Mio.). Das Fernwärmenetzt hat eine Länge von 29.500 Kilometern, so Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). 

Vergleich Fernwärme und Wärmepumpe

Fernwärme hat durchaus Potenzial. Aber die Versorger müssten viel Geld in den Auf- und Ausbau des Netzes investieren. Die Verbraucher würde das über ihre Heizkostenabrechnung bezahlen. An vielen Stellen wird sich aber auch ein Fernwärmenetz nicht lohnen. In Städten dürfte der Ausbau schwierig und sehr langwierig sein (Stichwort Genehmigungsverfahren). Der Anschluss vieler kleinerer Orte ist aufwendig und oft ineffizient. 

Fernwärme dürfte auch nicht sonderlich hilfreich bei der Erfüllung der Klimaziele sein. Denn der Hauptenergieträger ist nach wie vor Gas. Im Jahr 2021 lag der Anteil Erneuerbarer Energien im Fernwärmenetz bundesweit bei nur 22%, so die Deutsche Energieagentur (dena). Den größten Anteil hatten Erdgas (44%) und Kohle 21%. Laut Beschlussvorlage und Koalitionsvertrag soll bis 2030 ein Anteil von gut 50% der Fernwärme aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Anschaffung billiger, Betrieb teurer als Wärmepumpe

Für Eigentümer ist Fernwärme auch nicht unbedingt günster. Die Anschaffungskosten für Fernwärme sind zwar geringer. Die Umstellungskosten für Privathaushalte liegen zwischen 8.000 bis 15.000 Euro, soweit ein Fernwärmenetz vorhanden ist (Wärmepumpen 25.000 bis 50.000 Euro). Im Betrieb sind jedoch Wärmepumpen effizienter. Sie können aus einer Kilowattstunde Strom 3 bis 5 Kilowattstunden Wärme erzeugen (Wirkungsgrad 300% bis 500%). Der Wirkungsgrad der Fernwärme liegt bei 80% bis 90%. Zudem liegen die Betriebskoten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus bei der Wärmepumpe bei 1.500 bis 2.000 Euro p.a. Bei Fernwärme sind es hingegen 2.300 bis 2.500 Euro p.a.

Fazit: Fernwärme spielt in der Wärmewende eine Rolle, wird aber keine Lösung mit Breitenwirkung werden. Die Politik muss sich ehrlich machen: Entweder sie mutet den Menschen sehr hohe Kosten zu oder sie weicht ihre Klimaziele auf oder lockert den Weg zum Ziel.

Hinweis: Für energieintensive Unternehmen könnte Abwärme in Zukunft zu einem relevanten Energieträger oder sogar Geschäftsmodell werden.

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