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London gehen die Untertanen von der Fahne

The Not so United Kingdom

Karte von Schottland. © goralikus / Getty Images / iStock
Das United Kingdom könnte bald Geschichte sein. Den Anfang machen die Schotten. Sie könnten eine Welle lostreten. Und auch ein anderes in nicht allzu ferner Zukunft eintretendes Ereignis, dürfte noch weitreichende Auswirkungen auf das einstige weltumspannende Empire haben.

Das Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs rückt näher – selbst, wenn es formal noch eine Weile zusammenhalten sollte. London wird den Prozess behindern, aber nicht aufhalten können. So sagte die von der Tory-Basis favorisierte Nachfolgerin des scheidenden Boris Johnson Liz Truss kürzlich bei einer Parteiveranstaltung sinngemäß, die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon sei mit ihren Forderungen nach einem unabhängigen Schottland „aufmerksamkeitsgeil“ und es sei „das Beste, sie zu ignorieren“. Diese Passage spricht Bände über das unterkühlte Verhältnis zwischen London und Edinburgh.

Sturgeon kündigte im Juni an, die Schotten ein weiteres Mal über den Verbleib im Vereinigten Königreich abstimmen lassen zu wollen (FB vom 29.6.2022). Als Datum schlug sie den 19.10.2023 vor. London lehnt die Pläne strikt ab – das gilt sowohl für die konservativen Tories, als auch für die linke Labour-Party. Nun wird juristisch geprüft, ob Edinburgh dennoch dazu befugt ist, ein solches Referendum durchzuführen.

Notfallplan de-facto Referendum

Sollte die von Sturgeon beauftragte juristische Prüfung zu einem ablehnenden Ergebnis kommen (Urteil im Oktober erwartet), gibt es einen Notfallplan der schottischen Nationalisten. Sturgeon erklärt dann die Parlamentswahlen im Mai 2024 zu einem „de-facto Referendum“ über den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich. Sollte die SNP bei dieser Wahl die Mehrheit erringen (die genaue Definition von „Mehrheit“ wurde offen gelassen), wird sie mit London in Unabhängigkeits-Verhandlungen treten.

Dass es dann zu einem schnellen Verhandlungsergebnis kommt, ist zwar unwahrscheinlich. Beispielsweise müsste das zukünftige Verhältnis der beiden Länder, die Durchlässigkeit der Grenze, die Frage der Währung, des Binnenmarktes usw. geklärt werden. Bis sich die Schotten vom Vereinigten Königreich lossagen und Vollmitglied der EU werden, können viele Jahre vergehen. 

Nordirland und Republik Irland flirten wieder miteinander

Wovor sich London fürchtet: Ein Pro-Leave-Ausgang des Referendums könnte eine Domino-Bewegung in Gang setzen. So intensiviert sich zwischen Nordirland und der Republik Irland seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU wieder der bilaterale Handel. Der Grund: EU-Güter, die früher aus England über Schottland nach Nordirland eingebracht wurden, laufen jetzt über die Republik Irland. Sollte Schottland aus dem Vereinigten Königreich austreten, wird damit eine wichtige Verbindung nach London gekappt. Für einen Anlauf zur irischen Vereinigung sprechen auch die letzten Wahlergebnisse. In beiden Landesteilen konnte sich die irisch-nationalistische Sinn Fein als stärkste Kraft durchsetzen (FB vom 28.4.2022).   

Einzig Wales dürfte einem Austritt aus UK bisher nicht nahe sein. Nur ein Drittel der Waliser befürwortet ein unabhängiges Wales. Die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru erzielte bei den letzten Regionalwahlen 2021 nur 20,3% der Stimmen.

Commonwealth bröselt weg

Auch das Commonwealth löst sich immer weiter vom einstigen britischen Empire los. 2021 sagte sich der Inselstaat Barbados los. Der Präsident der Karibikinseln St. Vincent und der Grenadinen kündigte jüngst an, seine Bevölkerung über den Verbleib im Commonwealth abstimmen lassen zu wollen. 

Als heiße Austrittskandidaten werden auch Jamaika und Australien gehandelt. Jüngst machte die australische Senatorin Lidia Thorpe auf sich aufmerksam, als sie bei der Vereidigung auf die Treue ihrer "Ihrer Majestät, der kolonisierenden Königin Elizabeth II." schwor. Und wenn das United Kingdom nur noch aus einem englisch-walisischen Rumpfstaat besteht, dürften das Commonwealth endgültig auseinanderbrechen.

Königshaus ist (noch) ein kittendes Element

Auch der Tod von Queen Elizabeth II. dürfte sich auf die Separations-Bewegungen auswirken. Die greise Monarchin ist mittlerweile 96 Jahre alt und eine wichtige Identifikationsfigur für die britische Identität. Mit ihrem Ableben wird die britische Bevölkerung auch ein wichtiges identitätsstiftendes Symbol verlieren. 

Bei ihrem designierten Nachfolger Prince Charles sagen 42% der Briten, dass er lieber zugunsten von Prince William auf die Inthronisierung verzichten sollte. Etwa die Hälfte glaubt, dass Charles als König gute Arbeit leisten würde. Seine Gattin Camilla bekommt eine Zustimmung von 36%. Die Queen selbst liegt bei knapp 70%.

Fazit: Im Vereinigten Königreich wackeln die Wände. Bleibt die Inflation hoch, die Regale leer und kommt es zu Betriebsschließungen, wird das der Londoner Regierung und „ihrem“ Brexit zugeschrieben werden. Die Zeichen stehen auf Auseinanderfallen.
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