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Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt

Euro und Dollar im Bann von Sondereffekten

Euro und Dollar im Banne von Sondereffekten. Copyright: Pexels
Es ist immer wieder interessant zu lesen, wovon Analysten "überrascht" sind. In der Regel haben sie dann Entwicklungen falsch eingeschätzt. Im Moment ist das so bei den Folgen der gestörten Lieferketten. Demnächst dürfte es bei der Inflationsentwicklung der Fall sein. Wer mit Währungen umgehen muss, sollte das berücksichtigen.

In Europa wie USA bremsen Nachschubschwierigkeiten für industrielle Teile den Aufschwung. Und damit auch die Währungen aus. Im Hauptindustrieland der Eurozone, Deutschland, ist die Produktion im produzierenden Gewerbe im Juni um 1,3% gegenüber Mai gefallen. Der Trend weist schon seit Jahresanfang nach unten.

Das kommt für viele Analysten unerwartet und belastet den Eurokurs. Auch wenn jetzt erste Gelder aus Brüssel an die Fußkranken in der Eurozone (Italien, Spanien, Griechenland, Portugal) fließen und dort die Wirtschaftsentwicklung antreiben – das ist kein Gegengewicht zur Belastung, die aus den gestörten Lieferketten resultiert und die noch eine Weile anhalten wird. In den USA wirkt die Störung der Lieferketten nicht geringer.

Einfluss auf die Inflation

Das wird die Inflationsraten weiter beeinflussen und nach oben treiben. Inzwischen stellt sich auch unter den bisher sehr entspannten Bankanalysten zunehmend die Ansicht ein, dass sich diese Phase länger hinzieht und reichlich Überraschungspotenzial bei den Preissteigerungsraten bis weit ins nächste Jahr hinein bietet.

Nicht zu übersehen ist die Preissetzungsmacht der Unternehmen gegenüber den Verbrauchern. Sie können gerade in den USA aggressiv die Preise erhöhen können, um höhere Kosten zu decken und Gewinne zu steigern. Denn begrenztes Angebot trifft auf aufgestaute Nachfrage und gefüllte Portemonnaies der Verbraucher sowie Spareinlagen, die permanent an Kaufkraft verlieren.

Abgekoppelte Zinsen

Umso deutlicher sollte das Augenmerk auf den Zinsen ruhen. Sie koppeln sich immer deutlicher von der Marktlage ab. In den USA liegen die Renditen der 10-Järhigen Staatsanleihen bei nur noch 1,24%. Annähernd 2% wären eher angebracht. Der deutsche Staat bekommt 0,49% Zinsen, wenn er Geld mit 10 Jahren Laufzeit aufnimmt. Das ohne den Euro überschuldete Italien zahlt 0,54% – einen Spread von gerade mal 100 Basispunkten zu Deutschland.

Das schafft Potenzial für Ketchupflaschen-Effekte. Der offenbar künstlich gedrückte Zins wird plötzlich und heftig nach oben ziehen wie Ketchup aus der Flasche ploppt– und die Märkte erschrecken.

Fazit: Euro und Dollar „leiden“ derzeit unter denselben Phänomenen. Wir erwarten aber immer deutlicher, dass sich die Spannungen im Zins- und Währungsgefüge im 2. Halbjahr entladen und zu einer Neusortierung führen.

Empfehlung: Noch ist unklar, ob davon der Dollar mehr profitiert als der Euro. Viel spricht jedoch dafür. Dollar long ist auf Sicht von 6 Monaten eine mutige, aber vielversprechende Spekulation. Im Zinsbereich empfiehlt es sich, die Durationen kurz zu halten.

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