Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2729
Wie gelingt der demographische Übergang?

Deutschland braucht eine Alterungs-Strategie

© Ralf Hirschberger / dpa / picture alliance
Deutschland wandelt haushalts- und wirtschaftspolitisch, sowie auch demografisch auf japanischen Pfaden. FUCHSBRIEFE untersuchen, welche langfristigen Folgen das hat und wie der Übergang in einer alternde Gesellschaft gestemmt werden kann.

Der Haushaltsentwurf der Ampel-Regierung zeigt, dass Deutschland nach wie vor keine Strategie zum Umgang mit der strukturell alternden Gesellschaft hat. Das Land wird auch in den nächsten Jahren weiter auf dem Japan-Pfad wandeln. Denn die Regierung aus SPD, Grünen und FDP macht auch weiterhin die gleichen Fehler, die Japan beim demografischen Übergang in eine alte Gesellschaft (Silver Society) gemacht hat. 

Der Haushaltsplan von Finanzminister Christian Lindner (FDP) ist strukturell nicht auf die demographischen Herausforderungen ausgerichtet - im Gegenteil. Er sieht vor, dass öffentliche Investitionen zurückgefahren werden, während vor allem der Sozialsektor (neben Verteidigung und Zinskosten) deutlich teurer wird. Gleichzeitig steigt - analog zu Japan - die Staatsverschuldung weiter. Das wird zudem noch durch Sondervermögen (Schattenhaushalte) in den offiziellen Zahlen verdeckt.

Versorgungsstaat ist eine Produktivitätsbremse

Auf die sehr ähnliche Entwicklung zwischen Deutschland und Japan weist eine aktuelle Studie des Flossbach von Storch Research Instituts hin. Flossbach zählt vier Folgen dieses Prozesses in Japan auf: Das abflauende Produktivitätswachstum dämpft das BIP-Wachstum dauerhaft. Die öffentlichen Ausgaben für Rente und Gesundheit steigen. Die Landbevölkerung ist überproportional älter. Das hat zusätzliche Infrastrukturanforderungen zur Folge. Die Wirtschaft muss sich auf eine „Silver Economy“ umstellen.

Japan, das Deutschland demographisch etwa 20 Jahre voraus ist, hat inzwischen gute Antworten gefunden, um den Übergang zu bewältigen. Als modernes Industrieland kompensiert Nippon das geringe Wirtschaftswachstum und den Bevölkerungsrückgang mit Hightech (z.B. KI und Robotik in Industrie oder Pflege), einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur und Senioren-Selbstorganisationen.

Kanzler Scholz gibt Denkanstöße

Der gerade von Kanzler Olaf Scholz (SPD) vorgeschlagene Deutschland-Pakt ist zumindest ein Denkanstoß in die richtige Richtung. Scholz möchte, dass Bund und Länder zusammen das Land zu modernisieren, Verfahren beschleunigen und die Digitalisierung vorantreiben. 

Flossbach empfiehlt zudem, zur Sicherung der deutschen Sozialsysteme mehr Markt zuzulassen. Hier gibt es auf dem Gebiet der Altersvorsorge immerhin Ansätze. So schlägt die Fokusgruppe Private Altersvorsorge des Bundesfinanzministeriums (BMF) einen öffentlichen verwalteten Fonds (mit Abwahlmöglichkeit) vor. Diese Empfehlung sei eine „gute Grundlage“, heißt es dazu aus dem BMF auf Anfrage von FUCHSBRIEFE.

Fazit: Deutschland nähert sich dem demographischen "Kipp-Punkt". Der ist spätestens erreicht, wenn die Generation der Baby-Boomer mehrheitlich in Rente geht. Es gibt zwar Denkanstöße zu Maßnahmen. Eine Alterungs-Strategie ist das aber noch nicht und der Haushaltsentwurf zeigt keine entsprechende Fokussierung an. Die praktische Umsetzung dürfte im föderalen Deutschland ohnehin langwierig sein. Deutschland bleibt auf dem Japan-Pfad.
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsmanager 2024: Die Top 10

Auf dem Siegertreppchen wird es eng

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Fünf Anbieter von insgesamt 35 Ausschreibungsteilnehmern schaffen es in diesem Jahr auf das Siegertreppchen und sichern sich eine „Goldmedaille“ für eine sehr gute Gesamtleistung. Zwei weitere Häuser holen Silber für gute Leistungen und drei dürfen sich mit Bronze für ein Befriedigendes Gesamturteil schmücken. Sie alle hatten es aufgrund der Güte ihrer Anlagekonzepte in die Endrunde der Ausschreibung für die Stiftung Fliege geschafft.
  • Editorial Stiftungsvermögen 2024: Weitreichende Folgen

Die Auswahl des Vermögensverwalters nicht dem Zufall überlassen

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Die Wahl des Vermögensverwalters kann das Schicksal einer Stiftung bestimmen. Viele Stiftungen besitzen nicht das nötige Finanzwissen im eigenen Kuratorium, was fatale Folgen haben kann. Regelmäßige Kontrollen und kompetente Beratung sind unerlässlich, um nicht Opfer von fatalen Anlagestrategien zu werden. Erfahren Sie, welche verheerenden Fehler vermieden werden können und wie eine Stiftung die richtige Wahl trifft – bevor es zu spät ist.
  • Brutaler Messerangriff in Mannheim: Gefahr für unser Recht auf friedliche Demonstrationen

Wie wir selbst die Grundwerte unserer Gesellschaft untergraben

Fuchsbriefe-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Foto: Verlag Fuchsbriefe
In Mannheim wurde am Wochenende auf brutale Weise und ohne Vorwarnung ein Redner bei einer Demonstration mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Auch ein Polizist wurde lebensgefährlich attackiert. Er erlag am Wochenende seinen Verletzungen. Doch die Medien relativieren die Tat und lenken vom Kern einer wichtigen Debatte ab, meint Fuchsbriefe-Herausgeber Ralf Vielhaber.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Dürfen Arbeitgeber kündigen, wenn man Fußball schaut?

Fußball-EM: Fernsehen am Arbeitsplatz

Wer die Fußball WM 2018 während der Arbeitszeit verfolgt, riskiert eine Abmahnung.
Vor der Fußball-EM beginnt in Betrieben wieder die Diskussion um die Möglichkeit, die Spiele während der Arbeitszeit im Fernsehen zu verfolgen. Viele Unternehmen akzeptieren das. Arbeitgeber sollten aber vorher auf jeden Fall Klarheit schaffen, um Rechtsstreitigkeiten zu verhindern.
  • Fuchs plus
  • Vermögensmanager für Stiftungsvermögen 2024

Bruttorenditen: Ausgesprochen breites Erwartungsspektrum

Kollage Verlag Fuchsbriefe ©Bild: envato elements
In der jüngsten Studie der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz zum Vermögensmanagement für Stiftungen und andere Non-Profit-Organisationen offenbart sich eine bemerkenswerte Bandbreite bei den erwarteten Bruttorenditen von 3,3 % bis zu beeindruckenden 7,49 %. Diese Analyse taucht tief in die Zahlen ein und enthüllt, was hinter den Kulissen der Finanzinstitutionen vor sich geht.
  • Interview mit Stiftungsvorständin der Stiftung Fliege Johanna Schüller und dem Geschäftsführer der Stiftungsverwaltung Gutes Stiften GmbH Thomas Ebermann

Stiftung Fliege: Einblicke in den professionell begleiteten Auswahlprozess

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Die Stiftung Fliege hat den Auswahlprozess zur Bestimmung eines neuen Vermögensverwalters durchlaufen. Begleitet wurde sie dabei von der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz. Johanna Schüller, Vorständin der Stiftung Fliege, und Thomas Ebermann, Geschäftsführer der GUTES STIFTEN GmbH, geben in einem Gespräch mit der Redaktion Fuchsbriefe Einblicke in den Ablauf und die Auswirkungen dieser Zusammenarbeit.
Zum Seitenanfang