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Bürokratiekosten im Mittelstand so hoch wie Forschungsausgaben

Unternehmer müssen digitalisieren - und sollten ins Ausland schauen

Aktenordner in einer deutschen Behörde. © Carsten Rehder / dpa / picture alliance
Bürokratie ist ein Ärgernis in jedem Unternehmen. Von der Politik ist wenig Besserung zu erwarten. FUCHSBRIEFE sprachen mit VDMA-Geschäftsführer Thilo Brodtmann über Handlungsoptionen für Unternehmer.

Die hohe Bürokratie in Deutschland entfaltet immer mehr Kraft als Standort-Killer. Das ist einer der Befunde aus dem aktuellen ZEW-Länderindex, in dem Deutschland auf Platz 18 von 21 untersuchten Staaten abrutscht. Das wird sich vermutlich nicht ändern. Trotz der Versprechen seitens der Politik sollten Unternehmen nicht damit rechnen, dass es in absehbarer Zeit zu Bürokratie-Entlastungen kommt.

„Spürbare Bürokratieentlastungen für die Unternehmen sind kaum zu erkennen." Das sagt Thilo Brodtmann, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) zu FUCHSBRIEFE. Unsere aktuelle Recherche bei den Bundestagsfraktionen unterstreicht dessen Pessimismus (FB vom 12.01.2023).

KMU stärker betroffen als große Unternehmen

Die Last für die Unternehmen wird immer größer. Firmen müssten allein 375 bürokratische Bundesregelungen erfüllen. Das zeigt eine aktuelle Studie der IMPULS-Stiftung. Hinzu kommen etwa genauso viele landes- und kommunalspezifische Anforderungen. Auch die Anforderungen aus Brüssel steigen stetig.

Die finanziellen Bürokratie-Belastungen sind hoch. Ein beispielhaftes mittelständisches Unternehmen trägt Bürokratiekosten in Höhe von 3% des Umsatzes. Das entspricht etwa zehn Vollzeitstellen. Damit seien die Bürokratiekosten inzwischen so hoch wie die Forschungsausgaben eines Mittelständlers im Maschinenbau. Geringer sei die prozentuale Belastung bei größeren Unternehmen (1% des Umsatzes). Das entspräche in dem Fall aber vierzig Vollzeitstellen.

Digitalisierung hilft nicht allen gleichermaßen

FUCHSBRIEFE wollten wissen, welche Hebel der VDMA zur Reduktion der Bürokratiekosten für Unternehmen sieht. „Digitalisierung kann eine wichtige Stütze sein“, so Brodtmann. Das ist aber eher eine Option für große Unternehmen. „Kleinere Unternehmen kommen nicht in die Skalierung und der Aufwand sowie die Kosten für digitale Tools stehen dann in keinem Verhältnis." Damit verschafft die Politik nur der Beraterbranche Konjunktur (hier gibt es allerdings Förderungen für Unternehmen, FB vom 05.01.2023).

Der Blick ins Ausland

Da die Optionen im Inland überschaubar sind, lohnt sich für immer mehr Mittelständler die Verlagerung von Geschäftsbereichen ins Ausland. Der OECD-Indikator für bürokratische Hürden weist Deutschland einen Wert von 1,13 zu (sehr hoch, Durchschnitt 0,67). Auf dem selben Niveau liegt Frankreich. Geringer sind die Anforderungen in Dänemark (0,31), Österreich (0,88) und der Schweiz (0,75). Auch viele Märkte in Ost- und Südeuropa, dem Baltikum und Schwellenländern versuchen mit geringen bürokratischen Hürden Unternehmen auf sich aufmerksam zu machen.

Der Index des ZEW sieht die USA, Kanada und Schweden hinsichtlich der Standortattraktivität ganz vorn. Neben Regulierung und Bürokratie bewertet das ZEW auch die Bereiche Steuern, Arbeit, Finanzierung, Infrastruktur und Energie. Die Schweiz und Dänemark kommen hier auf Rang vier und fünf, Österreich liegt im Mittelfeld auf Rang 13, Osteuropa ebenfalls im Mittelfeld, Frankreich nur ein Platz vor Deutschland. Damit spiegelt das ZEW die Daten der OECD.

Fazit: Rechnen Sie nicht mit einer Milderung der bürokratischen Anforderungen in der kommenden Zeit. Digitalisierung oder der Blick ins Ausland können Abhilfe verschaffen.
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