Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1134
Merkel gibt der Politik den Vorrang

Das Weidmann-Opfer

Angela Merkel unterstützt offenbar keine Kandidatur eines deutschen EZB-Präsidenten. Sie will lieber eine ihr wohlgesonnene Personalie an der Spitze der EU-Kommission sehen. Damit hofft sie einen anderen Eiferer ausbremsen zu können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel überlässt die EZB-Präsidentschaft den „Freunden in Europa". Sie unterlässt es, sich für die Kandidatur von Bundesbankpräsident Jens Weidmann einzusetzen. Statt dessen zielt sie wohl darauf ab, im Gegenzug den Zugriff auf den ebenfalls bald frei werdenden Chefsessel der Kommission zu erhalten. Merkel will damit stärkeren Einfluss auf den weiteren Ausbau der EU gewinnen. Sie opfert Weidmann, um Emmanuel Macrons wahltaktisch störenden Reformeifer bremsen zu können.

Zur eigenen Gestaltung der EU-Entwicklung taugt der Kommissionsvorsitz nicht. Denn Merkel hat dafür kein Konzept. Zudem behalten weiter die Staatschefs „die Hosen an". Eher dürfte sie auf den politischen Zusatznutzen zielen: Sie kann jetzt nicht mehr für den neuen EZB-Chef in Haftung genommen werden. Ein EZB-Präsident Weidmann von Merkels Gnaden hätte (wie derzeit Mario Draghi) als Projektionfläche für die Verschwörungstheorien von Rechtspopulisten und -radikalen herhalten müssen, was auch auf seine Patronin zurückgefallen wäre. Aber entspricht diese Haltung dem Grundsatz: „Erst das Land?" Wohl nicht.

Fazit: Merkel nimmt ganz bewusst aus politisch-taktischen Gründen eine weitere Beschädigung des Euros in Kauf. Sie signalisiert damit, dass die Währung für sie nachrangig ist. Und schwächt zugleich das politische Gewicht hinter der fälligen Straffung.

Hinweis: Wir berichteten am 23.08.2018 sowohl in Fuchs-Kapital als auch im Fuchsbrief über die politischen und wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung.

Lesen Sie hierzu auch nochmal unser Plädoyer für Jens Weidmann als EZB-Präsident.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Japans gefesselte Notenbank

Der Yen ist weiter sehr gefragt

Die aktuellen Zahlen in Japan sehen ebenfalls schlimm aus. Aber dennoch besser als in anderen Ländern. Darum ist der Yen der "Einäugige unter den Blinden".
  • Fuchs plus
  • Problematische Statik des Finanzgebäudes

Rezessionsnachricht drückt den Yen nur kurz

Die erneute Rezession setzt den Yen kurzfristig unter Druck. Doch dieser Druck dürfte bald verfliegen. Die japanischen Währungshüter haben noch weniger Raum für Lockerungen als die Kollegen in den USA oder in der Eurozone.
  • Bank von Japan am Ende der Einfälle

Ratlose Währungshüter

Die Bank of Japan kauft jetzt sogar kurzfristige Unternehmenspapiere. Dennoch wird die Inflation unterm Ziel bleiben. Nicht einmal ein in sich widersprüchliches Politik-Konzept kann die Yen-Stärke stoppen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Beitritt in eine vermögensverwaltende Personengesellschaft

BFH: Ergänzungsrechnung für Anschaffungskosten notwendig

Das ist mal wieder harte Kost für Unternehmer … Der Bundesfinanzhof hat sich zur Anteilsübernahme bei einer vermögensverwaltenden Personengesellschaft geäußert. Das Urteil muss man (leider) kennen.
  • Fuchs plus
  • Fusionen werden stärker kontrolliert

Staaten bauen Einfluss aus

Nach der Corona-Krise werden viele Regierungen ihren Einfluss auf grenzüberschreitende Unternehmensübernahmen ausbauen. Unternehmen, die mit Steuergeldern vor der Pleite gerettet werden, dürften künftig kaum noch für Übernahmen und Fusionen "freigegeben" werden.
  • Fuchs plus
  • Wiederaufleben frühestens im 2. Halbjahr

In den USA fällt die Ölförderung rasch und steil

Noch vor wenigen Wochen ging es darum, wie die Ölförderung so eingeschränkt werden könne, um in etwa an den Bedarf angepasst zu sein. Zumindest in den USA ist das nun schon überholt. Die Förderung sinkt rasant.
Zum Seitenanfang