Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
3643
Unternehmen fragen weniger Kredit nach

Hohe Zinsen in der Rezession

© FotoDuets / Getty Images / iStock
Deutschland ist in die technische Rezession gerutscht und die Unternehmen antizipieren eine anhaltende Konjunkturschwäche. Darum streichen sie Investitionen zusammen, fahren ihre Kreditnachfrage zurück. Mit bald sinkenden Zinsen können sie trotz der wirtschaftlichen Abkühlung aber dennoch nicht rechnen. Denn die EZB ist noch auf dem Aufwärtspfad unterwegs. FUCHSBRIEFE analysieren, was das für Unternehmen bedeutet.
Für Unternehmen dürfte das Finanzierungsumfeld noch deutlich herausfordernder werden als es jetzt schon ist. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Zinsen aller Voraussicht nach weiter anheben. Das wird für deutsche Mittelständler zu einem Problem. 

Weil die Inflation in der Eurozone hoch bleibt (akt. 6,1%) wird die EZB ihren Leitzins weiter anheben. Wir rechnen mit mindestens einem Zinsschritt um 50 Basispunkte auf 4,25%. Die Anhebung des Leitzinses wird zu einem weiteren Zinsanstieg am Markt und somit auch zu höheren Kreditkosten für KMU führen. Denn die deutsche Wirtschaft ist allerdings bereits in eine technische Rezession gerutscht. Alle wichtigen Konjunkturindikatoren deuten nach unten. 

Kreditnachfrage lässt nach

Für Unternehmen läuft das darauf hinaus, dass die Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe schwieriger werden. Den steigenden Zins müssen Unternehmen, die auf der Suche nach Krediten sind, in einem absehbar schwierigeren Marktumfeld finanzieren. Da die Banken bei Kreditprüfungen aber wegen der rezessiven Tendenz noch genauer hinschauen und auch immer stärker auf den Einfluss der Energiekosten als Risiko bei den Unternehmen achten (FB vom 01.06.), wird es für Unternehmen schwieriger und teurer, Kredite aufzunehmen. 

Parallel dazu strahlt die Rezession auch bereits auf die Kreditnachfrage aus. Das Tempo des Zuwachses bei der Nachfrage nach Darlehen ist kräftig eingebrochen. Das geht einerseits darauf zurück, dass weniger Kredite zur akuten Liquiditätsbeschaffung nötig waren. Denn die Energiepreise steigen nicht weiter, die Lieferketten entspannen sich. Vor allem aber "bremsen die stark gestiegenen Kreditkosten und die lahmende Konjunktur" die Kapitalnachfrage der Unternehmen, so die KfW. 

Crowdfinanzierung nur noch für solide KMU möglich

Die Finanzierungsschwierigkeiten zeigen sich deutlich im Segment der Crowdfinanzierung. Seit die Zinsen steigen, hat sich das gute Klima für solche Finanzierungen erheblich abgekühlt. Im Wettbewerb um Kapital ist das Crowdfunding relativ zurückgefallen. In Nullzins-Zeiten war es attraktiv und notwendig, als Kapitalgeber weiter ins Risiko zu gehen und noch etwas Zins zu bekommen. Inzwischen gibt es für Kapitalgeber auch bei weniger hohen Risiken vergleichsweise gute Zinsen. 

Startups schaffen es derzeit kaum noch, Kapital per Crowdfinanzierung einzusammeln. Das Finanzierungsvolumen ist im gesamten Marktsegment erstmals überhaupt gefallen. In der Schweiz, für die uns Zahlen vorliegen, ging das Finanzierungsvolumen 2022 um 16% auf 622 Mio. Franken zurück. Mittelständler, die ein solides Geschäftsmodell haben, schaffen es aber noch, Crowdfinanzierungen zu bekommen. 
Fazit: Die gestiegenen Zinsen und die lahmende Konjunktur bremsen die Kreditnachfrage aus. Zugleich ziehen die Geldhäuser ihre Kreditvergabestandards mit Blick auf Rezessions-Risiken wieder an. Unternehmen können vorläufig keine Entspannung bei der Kreditvergabe erwarten.
Neueste Artikel
  • Wochenbericht zu Projekt VII: Bewegung, Mut und Momentum im Private Banking

Struktur schlägt Aktion – Lektionen aus Projekt 7

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Kalenderwoche 15 im Performance‑Projekt 7 (Private Banking Depot) war keine Woche der lauten Entscheidungen, sondern der leisen Wirkungen. Das Benchmarkdepot blieb passiv, nur wenige Vermögensverwalter handelten aktiv – und dennoch entstand eine klare Rangordnung. Wer genauer hinsieht, erkennt: Diese Woche erzählt viel darüber, wie Struktur, Markt und Risiko zusammenspielen, wenn Aktion zur Nebensache wird.
  • Wochenbericht zu Projekt V in KW 15: Rendite, Risiko und Marktdynamik

Risiko ohne Aktion: Die stille Woche im Performance‑Projekt 5

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Kalenderwoche 15 war eine Woche ohne Handelsaktivitäten – und genau deshalb besonders aufschlussreich. Die Vermögensverwalter im Performance‑Projekt 5 (vermögensverwaltende Fonds) ließen ihre Portfolios unverändert, während die Märkte arbeiteten. Wer genauer hinschaut, erkennt: Gerade in der Ruhephase zeigen sich Struktur, Risikoprofil und Managementstil deutlich. Diese Woche liefert seltene Klarheit darüber, wie Vermögen, Entwicklung und Drawdown wirklich zusammenhängen.
  • Fuchs plus
  • Positive Marktreaktionen auf Waffenstillstandsaussichten im Iran-Krieg: Euro und Anleihen profitieren

Euro holt gegenüber US-Dollar auf

Die Kombination aus stärkerem Euro und niedrigeren Ölpreisen dürfte sich dämpfend auf die Inflation auswirken. Damit kommt die EZB vielleicht an einer Erhöhung des Leitzinses vorbei. Das ist gut für die Konjunktur.
Zum Seitenanfang