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Notenbank muss die Zügel noch stärker straffen

Zunehmende Rezessions-Signale

Ein Aktienchart vor blauem Hintergrund. © Jürgen Fälchle / Fotolia
Zu Jahresbeginn schaute die Welt noch optimistisch auf das Jahr 2022: Corona schien zu verfliegen, die Konjunktur brummte, die Inflation war schon erhöht, aber noch im Rahmen des Ertragbaren. Dieses Bild hat sich nun gedreht und am langen Ende verdüstern sich die Aussichten noch mehr.
Die Börsen haben auf dem Weg nach oben ihre ersten Korrekturziele in einer ersten Erleichterungsrallye fast erreicht. Im DAX liegt die Zielzone in einer Bandbreite von 14.600 bis 15.000 Punkten. Der deutsche Leitindex hätte also sogar noch ein Stück Luft nach oben. Der Dow Jones Index liegt mit aktuell 34.400 Punkten bereits ziemlich exakt an seinem ersten technischen Korrekturziel. 

Eine solche steile Aufwärtskorrektur ist nach einem tiefen Schock-Absturz ein typisches Kursverlaufsmuster. Mustergültig ist für einen solchen Verlauf aber auch ein erneuter Rutsch nach unten. Bei dem wird das zuvor erreichte Tief noch einmal getestet. Hält es der Belastungsprobe stand, stehen die Chancen gut, dass die Indizes wieder nach oben drehen. Wird das Tief unterschritten, werden die Börsen noch eine Etage tiefer rutschen. 

Die optimistische Jahresauftaktstimmung ist dahin

Angeschoben wird die Kursbewegung, die sich an technischen Marken orientiert, von fundamentalen Entwicklungen. Hier trübt sich das Bild gerade weiter ein. So hat der Ukraine-Krieg den Deutschen die Zukunftszuversicht brutal genommen. Drei von vier Deutschen fühlen sich aktuell von Russland bedroht. 86% rechnen mit Versorgungsengpässen. Und: Die Sorge vor noch weiter steigenden Energiepreisen ist so groß, dass eine Mehrheit der Deutschen nicht sofort auf Öl und Gas aus Russland verzichten will. 

Dieses atmosphärische Bild wird sich in den kommenden Wochen und Monaten in der Wirtschaft niederschlagen. Wir haben schon direkt nach dem Kriegsbeginn vor den gravierenden Auswirkungen auf die Konjunktur gewarnt. Damals sahen das viele Beobachter noch anders. Inzwischen dreht hier massiv das Bild. Die Sorge vor einer Rezession (mindestens eines sich stark abschwächenden Wachstums) und zugleich anziehender Preise wächst spürbar. So hat das ifo-Institut gerade seine Wachstumserwartungen von 3,7 auf 2,2% nach unten taxiert. Die Inflationserwartung schraubt ifo dagegen hinauf: 5% bis 6% stehen jetzt in Aussicht.

Fed legt mehr Tempo hin

Das Risiko eines scharfen Wachstumseinbruchs steigt derzeit kräftig an. Das betrifft auch die USA, wo die Notenbank gerade die Zinswende eingeleitet hat. Nach dem ersten Zinsschritt und der Ankündigung, noch weiter sechs Schritte gehen zu wollen (2022), hieß es aus der Notenbank in dieser Woche, dass sogar ein noch schnelleres Tempo nötig sein könnte. Das ist schon etwas überraschend.

Einen Warnsignal im Hinblick auf eine Rezession sendet auch die US-Zinsstrukturkurve. Während die kurzfristigen Zinsen weiter anziehen, geben die Renditen bereits wieder nach. Die Zinsstruktur wird somit immer flacher, könnte sogar bald invers werden. Die Zweijährigen rentieren derzeit mit 2,09%, die zehnjährigen mit 2,23%. Eine gekippte Zinsstruktur, bei der die langfristigen Renditen niedriger sind als die kurzfristigen Zinsen waren in der Vergangenheit oft ein recht verlässlicher Rezessions-Indikator.  

Fazit: Die Börse bleibt kurzfristig technisch geprägt und ist stark nachrichtlich von Kriegsmeldungen getrieben. Allmählich werden aber die fundamentalen Probleme und Risiken sichtbar. Die sind größer als bisher von vielen gedacht und werden die Kurse wieder ausbremsen. Ein Test des vorigen Tiefs ist wahrscheinlich. Kurzfristige Gewinne sichern, neue Käufe nach dem Tief (insbes. Rohstoff-Aktien, Banken, Versorger).
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