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Sinkende Nachfrage, steigendes Angebot

Gaspreise haben ihren Höhepunkt erreicht

Taste mit Aufschrift Gaspreis. © cirquedesprit/Fotolia
Der Gaspreis - aktuell ein maßgeblicher Inflationstreiber - hat vermutlich gerade seinen Höhepunkt erreicht. Darauf deuten die Entwicklungen am Gasmarkt hin. Für viele Unternehmen und Haushalte wird das aber nur ein schwacher Trost sein.

Die europäischen Gaspreise im Großhandel gehen leicht zurück. FUCHSBRIEFE gehen davon aus, dass der Gaspreis auch in den nächsten Wochen nicht weiter steil steigen, sondern fallen wird. Denn es ist eine drastische Verschiebung von Angebot und Nachfrage absehbar.

Politisch forcierte "Übernachfrage" fällt bald weg

Der Gaspreis wurde in den vergangenen Monaten vor allem politisch hochgetrieben. Denn es galt das Ziel, die Gasspeicher so schnell wie möglich so weit wie möglich zu füllen. Dafür wurde - nach der Reduktion der Lieferungen aus Russland - praktisch der gesamte Markt leergekauft. Die politisch forcierte "Übernachfrage" hat den Preis getrieben. Die Gasspeicher wurden deutlich schneller gefüllt als in den Vorjahren. 

Diese "Übernachfrage" zur schellen Füllung der Speicher wird bald wegfallen (FB vom 28.07.2022). Das gilt für Deutschland (Speicherstand über 86%) und auch für Europa insgesamt (Speicherstand 81,92%). Verstärkend hinzu kommt, dass die Industrie ihren Gasverbrauch bereits deutlich reduziert hat. Die deutschen Industriekunden verbrauchten im Juli 21,3% weniger Gas als im Juli im Durchschnitt der Jahre 2018-2021.  

FUCHS-Berechnung ermittelt sinkende Importmengen

Ab November werden die Gasimporte um 25%+X unter ihr jetziges Niveau sinken. Das geht aus Berechnungen der FUCHSBRIEFE hervor. Die Gaszuflüsse nach Deutschland liegen aktuell bei etwa 3.000 GWh pro Tag. In den vorigen Wintermonaten verbrauchte Deutschland (Privathaushalte + Wirtschaft) insgesamt in den Monaten November, Dezember und Januar 360 TWh Gas. Unter der Annahme eines im Vergleich zu den Vorjahren gedrückten Gasverbrauchs, verbraucht Deutschland in diesem Winter schätzungsweise nur 320 TWh Gas. Diese Menge muss aber gar nicht vollständig gekauft werden.

Bis Februar 2023 sollen die Speicher planmäßig bis auf etwa 100 TWh Gas geleert werden. Ausgehend von einem geplanten und erreichbaren Speicherstand von 220 TWh im November, sind das 150 TWh Gas aus bestehender Kapazität. Damit bleiben 210 TWh, die insgesamt in den Wintermonaten importiert werden müssen (umgerechnet 2,3 GWh pro Tag), um bis Februar das Ziel von 40% Gasspeicherstand einzuhalten .

Bröckelnde Konjunktur und steigendes Angebot wirken preissenkend

In der Praxis dürfte im Winter sogar noch weniger Gas importiert werden müssen. Denn die Speicherstände werden im November über 90% liegen. Zudem dürfte der Gasverbrauch angesichts der abkühlenden Konjunktur stärker sinken als in den Berechnungen angenommen. Zusätzlich wird sich das vergrößernde Gasangebot durch die LNG-Terminals preissenkend auswirken. Drei dieser Terminals sollen laut Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller schon in diesem Winter fertig sein. Drei bis vier kämen im Verlauf des kommenden Jahres hinzu.

Angesichts der sich abzeichnenden sinkenden Nachfrage, sinken bereits wieder die Gaspreise für Großhandelskunden. Der Dutch TTF Gas Future, der Referenzwert für die europäischen Gaspreise, hat sich von seinem Höchstpreis von 346,52 Euro je MWh Gas vom 26.08.2022 wieder deutlich entfernt und notiert nun bei 239,84 Euro je MWh Gas. Das ist allerdings noch deutlich mehr als vor einem Jahr, als noch gut 32 Euro für eine MWh Gas gezahlt werden mussten. Auch im kommenden Jahr wird der Gaspreis nicht stark steigen. Denn das Angebot wächst und die Nachfrage wird zeitlich viel entzerrter sein als im Herbst 2022.

Fazit: Die im Zuge des Ukraine-Kriegs politisch verschobene Gasnachfrage hat einen Teil des Gaspreisproblems selbst initiiert. Die Gaspreise haben ihren Höhepunkt aber inzwischen erreicht. Da Gas aus Norwegen und LNG aus den USA und Kanada aber teurer als Gas aus Russland ist, ist mit nur allmählich sinkenden Preisen zu rechnen.
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