Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1496
Was nicht sein darf, kann nicht sein?

Lügen sich EZB und Fed in die Taschen?

EZB. © RK MEDIA / stock.adobe.com
Neigen die Notenbanken zum Selbstbetrug nach dem Motto: Was nicht sein darf, kann nicht sein? Selbst, wer so weit nicht gehen möchte, kann nicht umhin festzustellen, dass weder EZB noch Fed von vorsichtigen, sondern eher optimistischen Annahmen ausgehen, die ihnen die politisch genehmeren zinspolitischen Entscheidungen erleichtern.

Beleg 1: Die Europäische Zentralbank musste gestern ihre Wachstumsannahmen für die Eurozone massiv revidieren. Noch am 15. Juni ging sie – entgegen den breiten Marktannahmen und zur Überraschung der meisten Konjunkturexperten – von einem kumulierten Wachstum von ordentlichen 2,4% für die Eurozone in den Jahre 2023 plus 2024 aus. Die Konsensannahme lag schon vor knapp drei Monaten eher bei 1,5%. Außerdem stand die EZB-Annahme schon damals im Kontrast zu den allermeisten Frühindikatoren.

Gestern ging sie mit den Erwartungen auf 1,7% herunter. Ein drastischer Schritt, der ein weiteres Mal an ihrer Glaubwürdigkeit kratzt.

Streit im Zentralbankrat

Umgekehrt ist bekannt, dass im Zentralbankrat der Streit zwischen Hardlinern (Falken) und Zins-Softies (Tauben) an Schärfe zunimmt. Denn jeder Basispunkt bei den Zinsen hat inzwischen Auswirkungen auf Immobilienmärkte, Bauwirtschaft, Kreditkonditionen und damit Investitionen bzw. das Pleite-Geschehen und die Robustheit des jeweiligen Bankensektors.

Andererseits kommt die Inflation zwar runter, aber bei weitem nicht so schnell wie erhofft. Noch zuletzt stagnierte die Rate in der Eurozone bei 5,3%. Der Erwartungswert lag bei einem Rückgang auf 5,1%. Europas große Sorgenkinder Deutschland (6,5%) und Italien (6,3%) liegen deutlich darüber.

Auch die Fed war zu optimistisch

Beleg 2: Auch die US-amerikanische Fed, die schon deutlich konsequenter gegen die Preissteigerungen im Land ankämpft als die EZB in der Eurozone, wird erneut von einer „zu hohen“ Inflationsrate "überrascht". Im August zog die Rate sogar wieder auf 3,7% an. Im Juli betrug der Wert 3,2%. 

Wieder wurden zahllose Experten auf dem falschen Fuß erwischt. Dabei liegt der Grund, anziehende Öl- und Energiepreise auf der Hand. Es wird Winter und die OPEC hat eine konsequente Gangart eingeschlagen. Die erdölexportierenden Länder sind nicht bereit, das Fördervolumen zu erhöhen und die Preise zu drosseln. Je mehr sich die Schwellenländer vom Westen emanzipieren, desto stärker werden solche Preiseffekte ausfallen. Zumal man auf die zum Teil - Versprechungen und (über)ambitionierten Vorhaben beim CO2-Ausstoß insbesondere der Politiker in der EU verweisen kann.

Fazit: Je deutlicher die Notenbanken zeigen oder zumindest den Verdacht erwecken, dass ihre Zinspolitik stark von externen politischen Einflüssen geprägt ist und je weniger sie konsequent auf den Auftrag Preisstabilität zu erhalten ausgerichtet agieren, desto höher und hartnäckiger wird die Inflation sein. Denn die Verbraucher-Erwartungen stellen sich darauf ein. Das ist eine gefährliche Schaukelpolitik, die dann möglicherweise schon bald wieder drastische Schritte erforderlich macht.

Empfehlung: Kalkulieren Sie nicht verfrüht mit einem Rückgang der Inflationsrate auf 2,0% und darunter. Eher werden die Notenbanken ihr Inflationsziel anpassen. Rechnen Sie auch eher mit weiter steigenden als rückläufigen Zinsen.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bank im Bistum Essen eG in der Ausschreibung

Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will

Thumb Stiftungvermögen 2024. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envato elements
Die Bank im Bistum Essen (BiB) begrüßt die Stiftung Fliege, die ihre drei Millionen Euro Kapital neu anlegen will, mit einem überaus empathischen Schreiben. Sie bittet ausführlich um Entschuldigung, weil sie durch Krankheit bedingt nicht in der Lage gewesen sei, den erbetenen Anlagevorschlag fristgerecht einzureichen. Man fühlt sich ein wenig wie unter Freunden und möchte gern einen Sympathiebonus vergeben. Ob das nach Studium des Anlagevorschlags auch noch so ist, wird sich zeigen.
  • Fuchs plus
  • Doppelter Urlaubsanspruch bei unrechtmäßiger Kündigung?

Bundesarbeitsgericht löst auf

Bei einer zeitlichen Überschneidung einer rechtswidrigen Kündigung mit einer neuen Beschäftigung könnte theoretisch ein doppelter Urlaubsanspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht musste jetzt entscheiden, wie damit umzugehen ist.
  • Fuchs plus
  • Dekarbonisierung: Andere Standorte attraktiver als Deutschland

Skandinavien bei Dekarbonisierung weit vorn

Obwohl die deutsche Regierung die ganze Wirtschaft auf Klimaneutralität trimmen will - wie die EU - bietet Deutschland keine guten Rahmenbedingungen für eine Dekarbonisierungsstrategie. Das zeigt eine Umfrage von EY unter Unternehmen. Andere Standorte sind attraktiver.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Vielen E-Auto-Startups läuft die Zeit davon

Konsolidierung am Markt für E-Autos

Ein Auto wird an einer Ladestation mit Strom versorgt© Blue Planet Studio / stock.adobe.com
Im E-Auto-Markt beginnt weltweit die Auslese. Nur wenige Anbieter werden den Prozess sicher überleben. Viele der in den vergangenen Jahren hoch gelobten neuen Anbieter sind dagegen dem Untergang geweiht.
  • Fuchs plus
  • FUCHS-Depot vom 18.04.2024

Erst Gold versilbert, jetzt Füße stillhalten

© KanawatTH / Getty Images / iStock
Die Börse ist nach dem "Zins-Schluckauf" weiter im Korrektur-Modus. Wir haben in dieser Woche bei Gold und Silber neu justiert. Außerdem sammeln wir Dividenden ein.
  • Fuchs plus
  • Alcoa will Alumina übernehmen

Alcoa-Aktie bekommt Übernahme-Schwung

Industriemetalle © phonlamaiphoto / stock.adobe.com
Alcoa ist ein Rohstoff-Unternehmen, das ganz groß im Alu-Geschäft ist. Allerdings läuft das Geschäft seit Jahren nur seitwärts. Jetzt will Alcoa das Unternehmen Alumina übernehmen. Das dürfte neuen Schwung geben, den auch Aktionäre nutzen können.
Zum Seitenanfang