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LGT Bank AG, TOPS 2020: Beratungsgespräch

Glanz mit ein paar matten Stellen

Die LGT Bank AG konnte sich im Beratungsgespräch für die 2. Auswertungsrunde qualifizieren. Copyright: Verlag FUCHSBRIEFE
Von der LGT haben wir schon viel Gutes gehört. Dementsprechend hoch sind unsere Erwartungen. Teilweise finden wir diese erfüllt: Auf der Haben-Seite kann die LGT ihre Tradition, ihre solide Aufstellung als inhabergeführtes Family Office der Fürstenfamilie und interessante Anlagestrategien wie die Teilhabe am fürstlichen Portfolio oder im Rahmen des noch recht neuen „impact investing" verbuchen – und nicht zuletzt auch ihre ansprechenden Räumlichkeiten. Im Soll steht die Bank, weil wir unseren Nachhaltigkeitswunsch hauptsächlich in einem einzigen, sehr neuen Produkt wiederfinden, dafür aber in der Vielfalt der hauseigenen Anlagefonds fast den Überblick verlieren.

Die LGT gibt sich international. In nicht weniger als sieben Sprachen ist das Angebot auf ihrer Internetpräsenz abrufbar. "Wir legen Wert auf Werte", erfahren wir dort. Unter "Private Banking", dem ersten Menüpunkt, lesen wir direkt, dass die Kundenberater auf "die gleichen Kompetenzen und Anlagelösungen zugreifen, die auch die Eigentümer der LGT, das Fürstenhaus von Liechtenstein, nutzen". Darüber werden wir, wie sich im Gespräch herausstellt, einiges erfahren.

Unter Vermögensverwaltung erläutert die LGT unter viel Marketing-Sprech (Kunde im Mittelpunkt, ganz individuell usw.) den Anlageprozess in einem Animationsvideo – gut! Für unseren Geschmack könnten viele Banken ihr Angebot medial besser aufbereiten als in Form einer Text-Bleiwüste. Hier ist die LGT sehr fortschrittlich. Ansonsten wird an vielen Stellen auf die Eigentümerschaft der Fürstenfamilie verwiesen. Nach etwas Suchen erfahren wir auch, auf welche Werte das Haus Wert legt: "Engagement, Kompetenz und Nachhaltigkeit" zeichneten das Haus aus, so das Versprechen. Unter "Engagement" erfahren wir auch, dass die LGT gesellschaftlich, kulturell und ökologisch sehr vielseitig aktiv ist. Damit hat sie bei uns natürlich schon ein paar Sympathiepunkte gut, und wir freuen uns auf das Kennenlernen.

Wissenswertes

Grundlegende Informationen über Dienstleistungsangebot, Kundenstruktur, Research und Produktangebot zur LGT Bank AG haben wir in einem gesonderten Artikel  zusammengefasst.

Der Kunde und sein Anliegen

Im vergangenen Dezember wurden uns EUR 750.000 aus einer Term-Fix-Versicherung ausgezahlt, die im Moment auf einem Konto bei der Erste Bank liegen. Wir sind 33 Jahre alt, verheiratet, aber noch kinderlos, berufstätig und somit nicht auf die Summe angewiesen, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie soll deshalb langfristig angelegt werden.

Zwar planen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren den Erwerb eines Eigenheims, hoffen aber aufgrund unserer Einkommensverhältnisse, die Summe dafür nicht angreifen zu müssen. In drei Jahren fließt der gleiche Betrag noch einmal, wenn ein Vermögensverwalter uns bis dahin überzeugt, hat er also Aussichten, das Gesamtvermögen von 1,5 Mio. Euro zu verwalten.

Über ein ETF-Portfolio haben wir nachgedacht, sind nun aber aufgrund der Marktturbulenzen in jüngster Zeit verunsichert und fragen uns, ob das Geld nicht doch bei einem erfahrenen Vermögensmanager besser aufgehoben ist. Ein wenig Erfahrung bringen wir mit: 30.000 Euro Sparguthaben haben wir in einem ETF-Sparplan angelegt. Wir kennen die gängigen Anlageklassen, verstehen den Zusammenhang zwischen Rendite, Risiko und Anlagehorizont und interessieren uns für das Thema Nachhaltigkeit. Insbesondere, weil wir „ethisch einwandfrei" anlegen wollen, hoffen wir auf die weitergehenden Möglichkeiten der Bank.

Der telefonische Erstkontakt

Praktisch noch vor dem ersten Signalton meldet sich die Zentrale. Die Stimme am anderen Ende erfragt Namen und Wohnort und verbindet sofort weiter. Wir landen in einer Warteschleife, die hier aber erfreulich kurz ist. Neben der "Bitte etwas Geduld"-Ansage auf Deutsch, Englisch und Französisch erfolgt auch ein Hinweis auf das hauseigene Förderprogramm für junge Musiker, dazu klassische Musik. Prima, da bleibt uns wenigstens die sonst übliche Fahrstuhlmusik erspart.

Dem Berater, der sich schließlich meldet, wurde von der Zentrale bereits unser Wohnort mitgeteilt. Wir erfahren, dass es für unsere Region einen eigenen Ansprechpartner gibt, der demnach zuständig sei. Bei ihm er gern unseren Wunschtermin anfragen und uns, wenn das in Ordnung sei, per Mail bestätigen?

Damit sind wir selbstverständlich einverstanden. Er fragt nach unserem Anlagebetrag, ob dieser bereits investiert sei und wenn ja, ob eine Portfolio-Analyse gewünscht werde. Nein, unser Geld liegt noch auf einem Tagesgeldkonto. Eine ETF-Simulation haben wir zwar durchgeführt, sind aber nicht sicher, ob wir uns für diesen Anlageweg entscheiden werden. Die aktuellen Marktturbulenzen und der fehlende Nachhaltigkeitsaspekt schrecken uns ab; wir wünschen uns eher einen kompetenten Partner an unserer Seite.

Nachhaltigkeitsfilter gehörten grundlegend zur Philosophie des Hauses, macht unser Gesprächspartner uns Mut. Dies werde man auch gern historisch anhand von Beispielen darstellen. Erfahrungsgemäß sei die Performance nicht schlechter als bei Anlagen ohne Nachhaltigkeitsfilter. Er verspricht, sich um den Wunschtermin zu bemühen und sich diesbezüglich per Mail zurückzumelden.

Drei Tage später bestätigt der zuständige Berater, auf den wir auch im Gespräch treffen werden, unseren Wunschtermin. Mit der Mail erhalten wir dessen Kurzvita, einen Lageplan der Bank und das freundliche Angebot, uns vom Bahnhof in Sargans abzuholen. Ein Gesprächsprotokoll gibt es hier leider nicht. Ein kleiner Wermutstropfen für uns, da wir diese Form der beidseitigen Gesprächsvorbereitung inzwischen sehr zu schätzen gelernt haben.

Das Gespräch mit den Beratern vor Ort

Im Gebäude der LGT-Bank verschmelzen Tradition und Moderne. Wir sind zielstrebig auf den modernen Teil zugesteuert, der sich im "Streifendesign" aus weißen Fronten und dunklen Fensterreihen präsentiert und an dem das weithin sichtbare Logo prangt. Deshalb sind wir auch prompt am Eingang vorbeigelaufen, der sich im älteren Gebäudeteil befindet – eventuell hätten wir den Lageplan doch ein wenig genauer studieren sollen. Hier betreten wir ein sehr ansprechend gestaltetes Foyer: Beige- und Brauntöne, ein ovaler Empfangstresen aus dunklem Holz, an beiden kurzen Seiten des langen Raums sehen wir großflächige Blumen-Designs, bei denen es sich, wie wir von der Empfangsdame erfahren, um Ausschnitte aus Gemälden der fürstlichen Sammlung handelt.

Das Thema setzt sich im Treppenhaus konsequent fort, das sie uns hinaufführt. Oben sehen wir einen Bildschirm, darauf Klimaaktivistin Greta Thunberg und ein Text: Das Engagement junger Leute für den Klimaschutz sei ein Weckruf, auch für die Finanzbranche. Das lässt uns mutmaßen, dass wir hier mit unserem Interesse an nachhaltigen Anlageoptionen möglicherweise gut aufgehoben sind.

Im Besprechungsraum erwarten uns ein runder Tisch aus ebenfalls dunklem Holz, vier Lederstühle, ein weiteres Blumengemälde, das vom Boden bis zur Decke reicht, und angenehm gedämpftes Licht. Für das interior design bekommt die LGT definitiv Spitzennoten!

Die freundliche Dame erfragt unsere Kaffee-Präferenzen und verschwindet. An der gegenüberliegenden Wand lesen wir, die Kunst sei eine Sonne, die ihre Strahlen entsende, das Herz der Welt zu ertragen. Eine kultur- und nachhaltigkeitsaffine Bank? Könnte uns gefallen. Unser Kaffee kommt mit einem Wasser und einer ganz besonders sündhaften Variante von Hüftgold in Form eines kleinen Gianduja-Tartufos. Die ganze Atmosphäre ist so opulent, dass wir kurz fast vergessen, dass uns ein nüchternes Gespräch zu Finanzthemen bevorsteht.

Fürstlich geführte Privatbank

Wir treffen auf den Berater, mit dem wir bereits Kontakt hatten, und erhalten seine Visitenkarte. Seine Kurzvita hat er uns bereits zugesendet, weshalb uns das meiste, was er erzählt, bereits bekannt ist. Über uns möchte er auch direkt einiges erfahren: Was machen wir beruflich? Wie kommen wir auf die LGT und auf Liechtenstein? Wir haben uns informiert und sind beruflich als Kundenberater einer IT-Firma häufiger in Zürich, der gute Ruf der liechtensteinischen Banken und die Vorteile des Standortes haben unser Interesse geweckt, erklären wir unser Interesse an der Bank.

Er präsentiert uns kurz das Haus. Die LGT sei auf die Vermögensverwaltung spezialisiert, kommerzielles Kreditgeschäft betreibe man kaum, lediglich einige Hypotheken-Finanzierungen in der Schweiz und keinerlei Investmentbanking. So reduziere man Risiken. Die LGT sei zudem die größte inhabergeführte Privatbank weltweit.

Die LGT Deutschland habe man zwar an Bethmann verkauft, er kümmere sich jedoch nach wie vor um die deutsche Kundschaft. Eine Gewinnsteigerung habe man selbst im äußerst durchwachsenen Anlagejahr 2018 verzeichnen können, dies jedoch auch durch Zukäufe, etwa einen englischen Vermögensverwalter und die HSBC Schweiz. Vor allem in Asien wachse das Haus stetig, sei in Singapur und Hongkong präsent – "da geht die Post ab", begeistert er sich für die Entwicklung. Die fürstliche Familie als Eigentümer habe da ein gutes Marktgespür bewiesen und früher als andere auf den asiatischen Raum gesetzt. Insgesamt 3.300 Mitarbeiter beschäftigt die LGT heute weltweit.

Die Anlage-Eckdaten

Er kommt noch einmal auf uns zu sprechen und möchte noch mehr über unsere Beweggründe wissen. Warum eine Vermögensverwaltung, und warum im Fürstentum? Wir nennen die üblichen Gründe. Solider Standort ohne Staatsschulden und mit kurzen Wegen, wir haben zwar bereits EUR 30.000 in einem ETF-Sparplan und hatten auch für das uns nun zugefallene Vermögen über eine solche Lösung nachgedacht, fühlten uns dann jedoch durch die Turbulenzen im Quartal der Auszahlung des Betrages stark verunsichert und sahen bei den üblichen ETF-Plattformen unseren Nachhaltigkeitswunsch nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Kann die LGT uns in dieser Hinsicht eigentlich weiterhelfen?

Die Frage überhört er zunächst einmal und fragt nach der Anlagesumme. Aktuell 750.000, in drei Jahren doppelt so viel. Was unser Anlagehorizont sei? Auf jeden Fall sehr langfristig. Mindestens zehn Jahre, daher können wir auch mit einem größeren Aktienanteil leben, die Zusammenhänge zwischen Risiko, Ertragschancen und Anlagezeitraum sind uns als interessierten Laien durchaus bewusst. Ob wir bei unserem Wunsch nach Nachhaltigkeit auch zu ETF als Anlagevehikel greifen würden, greift er das Thema einige Sätze später wieder auf. Da sind wir in der verwirrenden Produktvielfalt nicht so richtig fündig geworden, räumen wir ein. Hat er denn entsprechende Empfehlungen?

Alles etwas schwammig

Die LGT selbst, so erfahren wir als nächstes, legt so etwas nicht auf. Sie hat allerdings zahlreiche eigene Produkte, sowohl Mischfonds als auch reine Aktien- oder Anleihefonds. Dabei handelt es sich um aktiv gemanagte Fonds, man arbeite nach Dachfonds-Prinzip und Best in Class-Ansatz, habe "generell einen starken Nachhaltigkeitsfokus". Das hören wir nicht zum ersten Mal, aber wir hätten es gern ein wenig konkreter. Hat die Bank auch spezifische SRI-Fonds, etwa mit Titeln nach bestimmten Selektionskriterien? Die UBS habe so ein Produkt, erläutert unser Berater. Das sei aber ein reiner Aktienfonds. Auf der Anleiheseite sei er da nicht fündig geworden, obwohl er uns augenscheinlich in diesem Punkt am Telefon gut zugehört und vorab schon einmal etwas recherchiert hat.

Tendenziell sei die Anlage nach SRI-Kriterien "etwas teurer" als das Anlegen ohne Nachhaltigkeitskriterien, warnt er. In Ordnung, damit können wir gegebenenfalls leben, so lange wir "etwas teurer" etwas spezifischer erläutert bekommen, ebenso wie die Nachhaltigkeitsansätze des Hauses. Die LGT hat, wie wir einer uns ausgehändigten Preisliste für ihre Fonds entnehmen, unter ihren Mischfonds ein "Sustainable Strategy" genanntes Produkt, jeweils mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren, erhältlich in CHF, USD oder EUR. Je nach Laufzeit sei natürlich die Aktienquote höher. Wie es denn um unsere Risikoneigung bestellt sei? Wir würden wir reagieren, wenn...?

Wir geben uns zurückhaltend. 15% bis 20% fänden wir schon recht hoch, aber eigentlich möchten wir von der Bank Ideen hören, was bei unserer Kapitalhöhe bei langem Anlagehorizont und mit der Vorgabe der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien in Sachen Rendite-/Risikoverhältnis für uns „drin" ist.

Starker Fokus auf Eigenprodukte

Die umfangreiche Liste (vier Seiten!) veranlasst uns zu der Frage, ob die Bank Anlegerkapital denn ausschließlich in ihren hauseigenen Produkten anlegt. Nein, versichert unser Berater, diese konkurrierten selbstverständlich mit allen anderen am Markt – wie gesagt, Best in Class-Prinzip. Die Quote der eigenen Produkte in Kundenportfolios betrage "so um die 6%". Übrigens sei die fürstliche Familie bei allen hauseigenen Fonds Mitinvestor. Das motiviere die Fondsmanager zusätzlich, man wolle ja schließlich gegenüber dem Arbeitgeber mit einer guten Performance glänzen. So seien Mitarbeiter wie Arbeitgeber immer mit engagiert, für sie stünde also neben dem Kundeninteresse auch das eigene Interesse auf dem Spiel.

Ja, das leuchtet irgendwo ein, im Flugzeug verlässt man sich ja auch darauf, dass die Piloten selbst am Ende des Arbeitstages auch gern wieder unversehrt zu Hause sein möchte. Trotz der genannten 6% empfinden wir die Beratung aber als stark auf Eigenprodukte fokussiert – ob das unbedingt im Kundeninteresse liegt?

Wo wir gerade beim Thema sind, erläutert er uns zusätzlich das „Fürstliche Portfolio". Dieses werde von der Tochter LGT Capital Planners gemanagt. Die wiederum sei ursprünglich quasi eine Art Family Office für das Fürstenhaus. Das Fürstliche Portfolio habe man inzwischen für Anleger geöffnet, bereits ab 250.000 Euro könne man sich ihm anschließen.

„Impact Investing"

Unser Berater zeigt uns eine Grafik, die wir schon einmal gesehen haben: Die Nachhaltigkeit von Investments, kategorisiert von "rein gewinnorientiert" bis "rein philanthropisch". Aktuell hat die LGT ein neues Produkt lanciert, das bereits in die Kategorie "impact investing" fällt. Gemeint ist damit, dass eine messbare soziale oder ökologische Wirkung mit einer "marktfähigen" Rendite kombiniert wird.

Das neue Produkt heißt "LGT Small Business Loans Impact Fonds" und ist in einer separaten Broschüre dargestellt, die er uns aushändigt. Es soll eine Lücke abdecken und Schwellenländer-KMU Zugang zu Finanzierungsmitteln eröffnen. Wie in einer Grafik dargestellt ist, gibt es hier Bedarf: Kleine Unternehmen könnten sich über Mikrokreditgeber finanzieren, große über kommerzielle Banken. KMU in den Emerging Markets seien aber durch beide Optionen nicht versorgt – trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für ihre jeweiligen Länder. Der mangelnde Finanzierungszugang dieser "missing middle" gefährde deren Wachstum und ihr Potenzial, die Wirtschaft ihrer Regionen zu stärken.

Spezifisches Eigenprodukt: KMU-Finanzierung in Schwellenländern

Aus einem Fonds-Steckbrief erfahren wir das Wichtigste: Es handelt sich um einen geschlossenen, währungsgesicherten Fonds mit vierjähriger Laufzeit und ohne Liquidität. Der Mindestanlagebetrag liegt bei 150.000 USD, die Zielrendite (netto) beträgt 3,5% bis 4,5%, ab dem 2. Jahr soll eine halbjährliche Ausschüttung von Zinsen und Kapital stattfinden. Als Basiswerte werden Schuldscheine und Anleihen genannt, als Anlageregionen Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa. Die Managementgebühr beträgt 1,75%, die Risiken sind mit Illiquidität, makroökonomischen Faktoren, Währungsrisiken (trotz Sicherung? wir sind verwirrt!) und einem Totalausfall beziffert.

Alles schön und gut, aber es ist ein sehr neues Produkt – in anderen Beratungen haben wir bereits das eine oder andere Mal das Wort „track record" gehört. Bei allen überzeugenden Ansätzen fehlt uns für Anlagevehikel ohne dokumentierte Historie doch etwas der Abenteuergeist. Außerdem, versuchen wir die Gesprächsrichtung ein wenig zu beeinflussen, würden wir doch gern nochmal auf unser ursprüngliches Anliegen einer Vermögensverwaltung kommen – Fondssteckbriefe lesen können wir letztlich auch ohne Bank, auch wenn das natürlich alles interessant ist.

Kosten, Nutzen und Mindestanlagesumme

Eine Verwaltung ist eigentlich erst ab einer Million möglich, erfahren wir, aber mit Blick auf den zusätzlichen Betrag, der in drei Jahren ausgezahlt wird, könne man das Mandat in unserem Fall auch sofort annehmen. Die All-in-fee liege bei 0,95% + MwSt., dieser Wert sei aber auf Basis von 1,5 Mio. berechnet. Wir freuen uns, zu einem relativ frühen Zeitpunkt etwas zum Thema "Kostenpunkt" zu erfahren – das ist durchaus nicht selbstverständlich. Trotzdem hätten wir gern noch weitere Informationen.

Wir haben uns doch noch gar nicht wirklich über Optionen unterhalten, über Aktienquoten oder sonstige Vorüberlegungen. Haben wir denn eine Renditevorstellung? möchte unser Berater wissen. Keine konkrete. Mindestziel wäre der Vermögenserhalt NACH Steuern, Kosten und Inflation. Wenn danach noch etwas Gewinn bleibt, freut uns das natürlich. Wäre etwas im Bereich zwischen 1% bis 2% überhaupt noch realistisch, angesichts der Unmöglichkeit, im festverzinslichen Bereich Geld zu verdienen, oder bedeutet das bereits unkalkulierbare Risiken? Das nicht unbedingt, klärt er uns auf, aber eben doch schon eine Bruttorendite von zwischen 5% und 6% und damit einen Aktienanteil von weit über 50% im Portfolio. Da bewege man sich bei der Portfolistruktur also in Richtung "dynamisch".

Nicht ganz befriedigendes Gesprächsende

Unser Berater stellt einen schriftlichen Anlagevorschlag unter Einbeziehung unserer Kriterien in Aussicht und möchte noch ein paar Dinge zur Situation erfahren: Familienstand und eigenes Einkommen, Haushaltseinkommen, Beruf des Ehepartners, Kinder. Wir beantworten alles offen, da wir davon ausgehen, dass bei einer Vermögensverwaltung solche Größen eine Rolle spielen und wir hier bis zu einem gewissen Punkt auch Privates preisgeben müssen, wenn unser Gegenüber ein klares Bild bekommen soll.

Das Gespräch endet nach ca. 80 Minuten – eine angemessene Länge für eine Erstberatung. Wir bekommen zum Abschied ein Porträt des Hauses mit auf den Weg, das ebenso ansprechend gestaltet ist wie das Foyer.

Hundertprozentig überzeugt hat uns die LGT trotz manchen Pluspunkten und vielen positiven Bewertungen heute aber nicht. Dazu war uns der Gesprächsanteil zum Thema Eigenprodukte des Hauses zu hoch. Wir hätten uns mehr Fokus auf unseren Anlagewunsch erhofft, ebenso ein klareres Bild, wie die Bank angesichts der für sie eher geringen Anlagesumme unseren Nachhaltigkeitsanspruch miteinbeziehen will. Das Ganze hätte ruhig noch strukturierter sein dürfen.

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Adresse und Website

LGT Bank AG
Herrengasse 12
9490 Vaduz
Liechtenstein

www.lgt.com

 

MEHR INFORMATIONEN ZU TOPS 2020

PERFORMANCE-PROJEKT

 

Vermögende wollen gut beraten werden. Ebenso wichtig ist aber, dass das anvertraute Kapital solide verwaltet und vermehrt wird. Der Markt der Vermögensverwaltung ist intransparent. Getreu unserem Motto „Wir machen Qualität transparent" verfolgt das Performanceprojekt der Private Banking Prüfinstanz genau dieses Ziel.

Die LGT Bank AG nimmt aktiv am dritten (Stiftungsvermögen), vierten (vermögender Privatkunde) und fünften (vermögensverwaltende Fonds) Perfomanceprojekt der FUCHS | RICHTER PRÜFINSTANZ teil (www.pruefinstanz.de).

Ein Projekt hat die Betreuung über 5 Jahre eines klassischen Private Banking Portfolios mit 3 Mio. EUR Anlagesumme zur Grundlage, das andere ist ein Portfolio aus vermögensverwaltenden Fonds des Hauses mit 1 Mio. Euro Anlagesumme. Die Kursdaten und das Portfoliomanagement-System werden von vwd zur Verfügung gestellt.

Die Projekte können von angemeldeten Besuchern der Webseite jederzeit eingesehen werden. Die Teilnahme an den Projekten ist kostenfrei. Es stehen 73 bzw. 74 Anbieter in den genannten Projekten im Wettbewerb zu einem Benchmark-Depot auf ETF.

Stand: Juni 2020

TRUSTED WEALTH MANAGER

Gibt es Verfahren oder Streitigkeiten mit Kunden?

Die LGT Bank AG gibt an, sich 2016 aufgrund einer im Jahr 2019 erfolgten Vermögensberatung mit einem Kunden gerichtlich auseinandergesetzt zu haben.


Hier finden Sie WISSENSWERTES zur LGT Bank AG.


 

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Fazit

Durchaus sachlich mit dem richtigen Maß an persönlich und dabei zeitlich effizient – so erleben wir die LGT. Die räumliche Atmosphäre wird durch die gekonnte Innenarchitektur geprägt und spricht uns an. Sie hebt sich angenehm von der sonst angetroffenen "Einheitsausstattung" anderer Häuser im Fürstentum ab.

Aber wir müssen auch Abstriche machen: So hätten ein Protokoll und eine Präsentation geholfen, das Gespräch besser zu strukturieren. Sonderlich individuelle Lösungen scheint man uns nicht anbieten zu können, zumal wir ja mit dem aktuellen Anlagebetrag unter der Einstiegsschwelle liegen. Die Bank ist inhabergeführt, und der Eigentümer – die fürstliche Familie – ist auch Mitinvestor bei ihren Anlageprodukten. Das trägt für Kunden zur Vertrauensbildung bei, schließlich stehen die Interessen des Eigners mit auf dem Spiel. Pluspunkte sammelt die LGT auch mit ihrem tadellosen Kundenservice inklusive angebotener Unterstützung bei der Reiseorganisation und innovativen Optionen im Bereich „impact investing". Einen etwas strukturierteren Gesprächsverlauf, gern mit Präsentation in Papier- oder Digitalform und ein noch stärker an unseren Wünschen ausgerichtetes Anlageangebot würden wir uns aber von unserem künftigen Vermögensverwalter wünschen. Insofern: Glanz mit ein paar matten Stellen, aber insgesamt die Qualifikation für die professionelle Beurteilung des Anlagevorschlags geschafft.

 


 

HINWEIS:

Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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